Große Suchtklinik für Jugendliche vor dem Aus
Für suchtkranke Kinder und Jugendliche gibt es kaum Klinikbetten. Ein
Großteil davon drohe in den nächsten Wochen wegzufallen, warnt ein
Krankenhaus - weil dessen Finanzierung nicht gewährleistet sei.
Großenkneten (dpa) - Die nach eigenen Angaben größte Klinik für
suchtkranke Jugendliche in Deutschland steht vor der Schließung. Ende
Juni müsse die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik im niedersächsischen
Großenkneten bei Oldenburg ihre Arbeit beenden, erklärte eine
Sprecherin der Trägerin Leinerstift e.V. «Grund für die Schließung
der Klinik ist eine massive Unterfinanzierung der Leistungen», sagte
sie.
Trotz intensiver Verhandlungen und der Unterstützung aus Verbänden
und Politik sei keine Einigung mit dem federführenden Kostenträger
erzielt worden. Im Jahr 2025 habe die Klinik bereits ein Defizit von
mehr als einer Million Euro erwirtschaftet. Die Prognose für die
kommenden Jahre lasse erwarten, dass der schon jetzt nicht
auskömmliche Tagessatz weiter abgesenkt werde, wodurch sich das
Defizit weiter erhöhen werde, hieß es.
Neue Vergütungsregel seit Januar
Zum ersten Januar dieses Jahres sei ein neues Vergütungssystem für
medizinische Rehabilitationseinrichtungen eingeführt worden, teilte
die Deutsche Rentenversicherung Bund dazu mit. Die Vergütung setze
sich aus einer Einrichtungsübergreifenden Komponente (EÜK) und einer
Einrichtungsspezifischen Komponente (ESK) zusammen. «Die
Besonderheiten, die bei der Erbringung dieser Leistungen entstehen,
können im Rahmen der sogenannten Einrichtungsspezifischen Komponente
(ESK) berücksichtigt werden», erklärte eine Sprecherin der Deutschen
Rentenversicherung.
Der Betreiber der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik habe zwar die
Anerkennung als Spezialeinrichtung beantragt, damit sie nicht unter
die neue Vergütungsregelung falle. Diese Anerkennung sei von den
zuständigen Gremien der Rentenversicherung allerdings nicht erteilt
worden, da die Klinik kein Spezialkonzept habe, das im Vergleich zu
anderen Einrichtungen einen wesentlichen Mehraufwand begründe.
Versicherer: Vergütung entspricht den Bedarfen
Mit der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik sei seitens der Deutschen
Rentenversicherung für 2026 eine Vergütung verhandelt worden, die den
Besonderheiten der Klinik und den finanziellen Bedarfen entspreche.
«Warum ein wirtschaftlicher Betrieb der Einrichtung dennoch nicht
möglich war, kann die Einrichtung oder ihr Träger nur selbst
beantworten», hieß es.
Bei einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung stelle die Höhe der
Vergütung nur einen Aspekt von mehreren dar. Weitere Aspekte seien
etwa die personelle Ausstattung und damit die Personalkosten der
Klinik oder die Auslastung vorhandener Kapazitäten
(Bettenbelegungsquote), sagte die Sprecherin.
Laut Klinik 60 von 85 Klinikplätze in ganz Deutschland betroffen
Die Klinik in Großenkneten hält 60 Betten für suchtkranke Kinder und
Jugendliche vor. Bundesweit gibt es den Angaben der Klinik zufolge 85
Klinikplätze für die Reha, die sich an einen Entzug anschließt. Rund
200.000 Kinder und Jugendliche leiden demzufolge in Deutschland an
Suchterkrankungen aufgrund einer Abhängigkeit von Alkohol, Drogen
oder Medikamenten. Für erwachsene Suchtpatienten gebe es bundesweit
mehr als 13.000 Reha-Plätze.
Drogenbeauftragter Streeck will vermitteln
Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck (CDU),
bezeichnete eine mögliche Schließung der Klinik in der Bild-Zeitung
als einen schweren Verlust. «Gerade für junge Menschen mit
Suchterkrankungen brauchen wir solche Therapieangebote dringend.» Er
trete als «Vermittler zwischen Betreibern und Rentenversicherung auf,
um den Erhalt von Therapieplätzen zu sichern», sagte Streeck der
Zeitung.
«Sucht und Abhängigkeit bei Jugendlichen nehmen zu, der Mischkonsum
wird gefährlicher, die Zahl der Drogentoten unter 30 Jahren steigt
und der Zugang zu Drogen ist durch das Internet so leicht wie nie»,
sagte Streeck. Gerade deshalb sei eine frühe Therapie für Abhängige
wichtig.
Spendenaktion und Petition
Mit einer Spendenaktion versucht derzeit der Träger, Spenden für eine
Weiterführung des Klinikbetriebs zu finden. Gleichzeitig werden
Unterstützer für eine Petition gesucht, um die Schließung der Klinik
zu verhindern und die Suchtrehabilitation für Jugendliche ausreichend
zu finanzieren.
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