«Artemis 2»: Vier Menschen sollen Richtung Mond fliegen Von Christina Horsten, dpa

Erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert sollen wieder
Menschen in die Nähe des Mondes fliegen. Nach Verzögerungen wegen
technischer Probleme soll es nun endlich losgehen.

Washington (dpa) - Mit der «Artemis 2»-Mission der
US-Raumfahrtbehörde Nasa sollen erstmals seit mehr als einem halben
Jahrhundert wieder Menschen in die Nähe des Mondes fliegen. Nach
zahlreichen Verzögerungen wegen technischer Probleme ist der
frühestmögliche Start nun für die Nacht zum Donnerstag geplant (18.24

Uhr Ortszeit am Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat
Florida/0.24 Uhr in Deutschland).

Das Startfenster beträgt zwei Stunden. Der Start war aufgrund von
technischen Problemen schon mehrfach verschoben worden - und weitere
Verschiebungen sind nicht ausgeschlossen.

Wer soll fliegen?

Die Crew der «Artemis 2»-Mission besteht aus der US-Astronautin
Christina Koch (47), ihren US-Kollegen Victor Glover (49) und Reid
Wiseman (50) sowie dem kanadischen Raumfahrer Jeremy Hansen (50). 

Für Glover, Koch und Wiseman wäre es der zweite Flug ins All, für
Hansen der erste. Koch wäre die erste Frau an Bord einer Mond-Mission
der Nasa, Glover der erste nicht-weiße Mensch und Hansen der erste
Kanadier. 

«Artemis 2» sei «mehr als eine Mission», sagte Glover nach der
Crew-Bekanntgabe. «Es ist der nächste Schritt auf dem Weg, der die
Menschheit zum Mars bringen wird, und diese Crew wird das nie
vergessen.» 

Für wann war der Start eigentlich geplant? 

Das Mond-Programm wurde 2017 von der Nasa verkündet. Später erhielt
es den Namen Artemis nach der Göttin des Mondes und
Zwillingsschwester des Gottes Apollo aus der griechischen Mythologie.
Ursprünglich sah es eine bemannte Mondlandung («Artemis 3») bis 2024

vor. Seitdem kam es aber schon mehrfach zu Verschiebungen. 

Nach dem erfolgreichen unbemannten Testflug «Artemis 1» im Jahr 2022
- der auf zahlreiche technische Schwierigkeiten, Kostenexplosionen
und Verschiebungen folgte - sollte «Artemis 2» ab 6. Februar 2026
starten. Nach weiteren technischen Problemen ist nun der nächste
mögliche Start für den Zeitraum vom 1. bis 6. April (Ortszeit)
vorgesehen. 

Wie soll der Flug genau ablaufen?

«Artemis 2» baut auf den Erfahrungen von «Artemis 1» auf. Mit der
Rakete «Space Launch System» sollen die Astronauten an Bord der
«Orion»-Kapsel vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat
Florida abheben. Der Flugverlauf ähnelt zum großen Teil einer Acht um
Erde und Mond. Nach etwa zehn Tagen soll die Kapsel wieder im Meer
auf der Erde aufsetzen. 

Die vier Astronauten sollen insgesamt mehr als 2,3 Millionen
Kilometer zurücklegen. Am weitesten Punkt sollen sie sich etwa
370.000 Kilometer von der Erde entfernt und etwa 7.500 Kilometer
hinter der erdabgewandten Seite des Mondes befinden.

Was machen die Astronauten währenddessen in der «Orion»-Kapsel?

Die «Orion»-Kapsel fliegt größtenteils vollautomatisch. Zu
Testzwecken werden die Astronauten sie aber immer wieder auch manuell
steuern. Zudem müssen sie stets alle Systeme und auch ihre eigene
Gesundheit mit Hilfe zahlreicher Tests, Sensoren und Messungen
überprüfen. Auch Fotos und Analysen von Erde und Mond gehören zu
ihren Aufgaben.

Außerdem müssen sie in der Enge der Kapsel leben und arbeiten.
Schlafen sollen sie in an der Wand befestigten Schlafsäcken. Reinigen
können sie sich unter anderem mit Feuchttüchern, Flüssigseife,
Waschlappen sowie Zahnbürsten und Zahnpasta. Es gibt ein eigenes Klo
mit Tür.

Das Essen ist ähnlich dem auf der ISS, nur etwas limitierter. So muss
das meiste bei Raumtemperatur verzehrt werden, denn der Essenswärmer
hat nur begrenzte Kapazitäten. 

Mindestens eine halbe Stunde pro Tag sollen die Astronauten mit Sport
verbringen. Ein Gerät hilft ihnen etwa bei Ruder-Übungen. Zudem haben
die Raumfahrer Tablets und Laptops, mit denen sie per Wifi mit der
Erde kommunizieren können. Auch ein paar Filme und Spiele sind
heruntergeladen.

Wie soll es danach mit dem «Artemis»-Programm weitergehen?

Der neue Nasa-Chef Jared Isaacman hat die «Artemis»-Pläne gerade
komplett umgeschmissen. Die Mission «Artemis 3», mit der ursprünglich

frühestens 2028 eine Crew auf dem Mond landen sollte, soll nun
bereits im kommenden Jahr starten, aber nicht auf dem Mond landen.

Stattdessen soll die «Orion»-Kapsel sich bei dieser Mission im
Weltraum mit einem oder zwei Mondlandern zusammendocken. Zudem soll
es 2028 möglicherweise sogar zwei Mondlandungsversuche geben -
«Artemis 4» und «Artemis 5». Außerdem wird eine dauerhafte
menschliche Präsenz auf dem Mond anvisiert. 

Was kostet das Ganze?

2021 hatte der damalige Generalinspekteur der Nasa geschätzt, dass
die Kosten für das «Artemis»-Programm bis 2025 auf 86 Milliarden
Dollar steigen würden, deutlich mehr als anfangs veranschlagt. Es sei
die «ehrgeizigste und teuerste Aktivität» der Nasa, hieß es. Seitde
m
dürfte einiges an Kostensteigerungen hinzugekommen sein. Die Kosten
nur für «Artemis 2» dürften sich laut Experten auf etwa vier
Milliarden Dollar belaufen.

Vorherige Pläne für eine Rückkehr der USA zum Mond waren immer wied
er
gescheitert. Das vom früheren US-Präsidenten George W. Bush
unterstützte «Constellation»-Programm etwa, das bemannte
Mondlandungen vorgesehen hatte, wurde von seinem Nachfolger Barack
Obama wegen zu hoher Kosten wieder abgesägt. Das «Apollo»-Programm
hatte insgesamt rund 28 Milliarden Dollar gekostet, das wären
heutzutage etwa 280 Milliarden. 

Wann waren zuletzt Menschen auf dem Mond?

Am 20. Juli 1969 wurde Neil Armstrong zum ersten Menschen auf dem
Mond - und kommentierte das mit dem berühmt gewordenen Satz: «Das ist
ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für
die Menschheit.»

Als bislang letzter Mensch verließ im Dezember 1972 der 2017
gestorbene Nasa-Astronaut Eugene Cernan mit der «Apollo 17»-Mission
den Erdtrabanten. «Wir gehen, wie wir gekommen sind, und so Gott es
will, werden wir so auch wieder zurückkommen - mit Frieden und
Hoffnung für die gesamte Menschheit.»

Insgesamt brachten die USA als bislang einziges Land mit den
«Apollo»-Missionen zwischen 1969 und 1972 zwölf Astronauten auf den
Mond. Das Programm brachte viele Erfolge, aber auch einige Tragödien:
Noch vor dem Start von «Apollo 1» tötete 1967 ein Feuer bei einem
Test drei Astronauten. 1970 musste die «Apollo 13»-Mission nach der
Explosion eines Sauerstofftanks umkehren. 

Warum will die Nasa Menschen zurück zum Mond schicken?

«Für wissenschaftliche Entdeckungen, wirtschaftlichen Nutzen und um
eine neue Generation von Entdeckern zu inspirieren» - so heißt es
offiziell von der Nasa. Zudem sei die Rückkehr zum Mond eine Art
Sprungbrett auf dem Weg zum Mars. 

Strategisch symbolisiert die Rückkehr zum Mond technologische und
geopolitische Führung im Wettlauf um den Weltraum. Eine dauerhafte
Präsenz dort gilt als Weg, nationale Interessen in der Raumfahrt zu
sichern und internationale Kooperationen prägen zu können.
US-Präsident Donald Trump, in dessen erster Amtszeit das Programm ins
Leben gerufen worden war, würde es auch als persönlichen Erfolg
verbuchen wollen.

Wer macht bei «Artemis» noch mit - ist Europa auch dabei?

Die Nasa stemmt das «Artemis»-Programm nicht alleine. Viele private
Raumfahrtunternehmen sind involviert - darunter Blue Origin von
Amazon-Gründer Jeff Bezos und SpaceX von Tech-Milliardär Elon Musk. 


Zudem gibt es internationale Partner, vor allem die
Raumfahrtprogramme von Kanada, Japan, den Vereinigten Arabischen
Emiraten - und der europäischen Raumfahrtbehörde Esa. Diese steuert
unter anderem ein im Bremer Airbus-Werk gefertigtes Servicemodul für
die «Orion»-Kapsel bei. 

Darüber hinaus gibt es die sogenannten «Artemis Accords», eine
internationale Vereinbarung zur Förderung der Zusammenarbeit in der
Weltraumforschung, der sich bereits Dutzende Länder angeschlossen
haben, darunter Deutschland. 

Darf auch ein deutscher Astronaut bald mitfliegen?

Die Chancen stehen nicht schlecht. Esa-Chef Josef Aschbacher hatte
vor kurzem verkündet, Deutschland sei als erstes Land an der Reihe,
wenn es um Esa-Astronauten für Mond-Missionen gehe. Wer genau das
sein könnte, ist nicht entschieden. Die deutschen Esa-Astronauten
Alexander Gerst (49) und Matthias Maurer (56) haben mehrfach betont,
wie gerne sie zum Mond fliegen würden. 

Welche Länder wollen sonst noch zum Mond?

Schon seit Jahren gibt es einen neuen Wettlauf von Raumfahrtnationen
zum Mond. Größter Konkurrent der USA ist China mit dem Ziel, bis 2030
Menschen auf den Mond zu bringen. Auch Russland will mit Menschen auf
den Mond, hat aber mit Verzögerungen wegen wirtschaftlicher
Schwierigkeiten zu kämpfen.

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