Ältere Männer auf E-Bikes oft schwer verletzt - Helm schützt

Immer mehr Menschen sind mit E-Bikes unterwegs. Warum laut einer
Studie bei Unfällen zumindest in der Stadt vor allem ältere Männer
betroffen waren - und warum ein Helm so wichtig ist.

München (dpa/lby) - Immer mehr Menschen sind mit E-Bikes auf den
Straßen unterwegs - entsprechend häufen sich Unfälle. Ein besonders
hohes Risiko für sehr schwere Verletzungen haben ältere Männer, wie
Ärztinnen und Ärzte des Klinikums der Technischen Universität Münch
en
(TUM Klinikum) feststellten. Sie hatten Unfälle mit E-Bikes
untersucht und dabei deutliche Muster bei den Risikofaktoren
identifiziert.

Michael Zyskowski, Oberarzt in der Unfallchirurgie der TUM, hatte mit
seinem Team die Unfälle von 103 E-Bike-Fahrern unter die Lupe
genommen, die zwischen 2017 und 2023 in der Unfallchirurgie behandelt
wurden. 

Über ein Drittel von ihnen musste stationär aufgenommen werden. Elf
Menschen, also etwa zehn Prozent, kamen auf die Intensivstation, fast
alle mit schweren Hirnverletzungen. Das Durchschnittsalter dieser
Intensiv-Patienten, nahezu ausschließlich Männer, lag bei 77 Jahren.
Keiner von ihnen hatte einen Helm getragen. Die Studie wurde in dem
Fachjournal «Injury» veröffentlicht. 

Helm tragen! 

«Mein Appell an E-Bike-Fahrerinnen und -Fahrer jeden Alters ist:
Tragt auf jeden Fall einen Helm - das ist die einfachste und
effektivste Schutzmaßnahme», sagte Zyskowski. «Helme hätten
vermutlich die meisten schweren Kopfverletzungen und die damit
verbundenen Intensivbehandlungen verhindern können.» 

Alle gut hundert Betroffenen seien tendenziell eher für Besorgungen
oder andere Alltagsfahrten unterwegs gewesen, ergänzte Zyskowski.
«Das ist aber auch unserer Lage in der Münchner Innenstadt
geschuldet. Kliniken, die näher an Mountainbike-Routen in den Alpen
liegen, werden vermutlich andere Beobachtungen machen.»

Bei Älteren eine Kaskade von Problemen

Wenn das Radeln anstrengender werde, eröffneten Räder mit
elektrischen Hilfsmotoren neue Möglichkeiten. «Gerade bei Herz- und
Kreislaufproblemen helfen E-Bikes den Betroffenen, sich trotz der
Einschränkungen im Alltag viel zu bewegen», sagte Zyskowski. Die
Motorunterstützung könne aber dazu führen, dass ein Fahrer nicht so
schnell merke, wie anstrengend eine Fahrt sei und dass etwa der
Zuckerspiegel in den Keller gehe. Dann könne sich das Gewicht der
Räder negativ bemerkbar machen. Mit um die 20 Kilo seien sie schwerer
zu kontrollieren als herkömmliche Fahrräder.

«Wir haben es oft mit einer folgenschweren Kaskade zu tun», erläutert

Zyskowski weiter. «Wenn E-Bike-Fahrerinnen und -Fahrer keinen Helm
tragen und sich zudem bei einem Sturz nicht abstützen können, werden
Kopfverletzungen wahrscheinlicher. Viele ältere Menschen nehmen wegen
Herz- und Kreislauferkrankungen regelmäßig Blutverdünner ein. Diese
können bei Verletzungen leider zu besonders starken Blutungen
führen.» Knapp die Hälfte der Intensivpatienten in der Studie hatten

Blutverdünner genommen.

Die Ärzte machten auch auf den erheblichen Anstieg der Unfallzahlen
allein im Untersuchungszeitraum aufmerksam. Knapp die Hälfte der
Unfälle ereignete sich allein 2023 - ein Anstieg um das
Anderthalbfache im Vergleich zum Vorjahr. «Dieser Trend setzt sich in
unserer Wahrnehmung fort», sagt Zyskowski. Gerade über die Ostertage
könnte es viele auf die Straße ziehen, wenn das Wetter passt - und
damit könnten die Ärzte erneut zu tun haben.

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