«Artemis 2»: Start der bemannten Mondumrundung steht bevor Von Christina Horsten, dpa

Erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert sollen wieder
Menschen in die Nähe des Mondes fliegen. Nach Verzögerungen wegen
technischer Probleme soll es nun endlich losgehen.

Washington (dpa) - Mit der «Artemis 2»-Mission der
US-Raumfahrtbehörde Nasa sollen erstmals seit mehr als einem halben
Jahrhundert wieder Menschen in die Nähe des Mondes fliegen. Nach
zahlreichen Verzögerungen wegen technischer Probleme ist der
frühestmögliche Start nun für den 1. April 2026 um 18.24 Uhr Ortszeit

vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida geplant.
Das entspricht 00.24 Uhr am 2. April in Deutschland. Das Startfenster
beträgt zwei Stunden. 

Wer soll fliegen?

Die Crew der «Artemis 2»-Mission besteht aus der US-Astronautin
Christina Koch (47), ihren US-Kollegen Victor Glover (49) und Reid
Wiseman (50) und dem kanadischen Raumfahrer Jeremy Hansen (50). 

Für Glover, Koch und Wiseman wäre es der zweite Flug ins All, für
Hansen der erste. Koch wäre die erste Frau an Bord einer Mond-Mission
der Nasa, Glover der erste nicht-weiße Mensch und Hansen der erste
Kanadier. 

«Artemis 2» sei «mehr als eine Mission», hatte Glover nach der
Crew-Bekanntgabe im April 2023 gesagt. «Es ist der nächste Schritt
auf dem Weg, der die Menschheit zum Mars bringen wird, und diese Crew
wird das nie vergessen.» 

Für wann war der Start eigentlich geplant? 

Das Mond-Programm wurde 2017 von der Nasa verkündet. Später erhielt
es den Namen Artemis nach der Göttin des Mondes und
Zwillingsschwester des Gottes Apollo aus der griechischen Mythologie.
Ursprünglich sah es eine bemannte Mondlandung («Artemis 3») bis 2024

vor. Seitdem kam es aber schon mehrfach zu Verschiebungen. 

Nach dem erfolgreichen unbemannten Testflug «Artemis 1» im Jahr 2022
- der auf zahlreiche technische Schwierigkeiten, Kostenexplosionen
und Verschiebungen folgte - sollte «Artemis 2» ursprünglich ab 6.
Februar starten. Nach weiteren technischen Problemen ist nun der
nächste mögliche Start für den Zeitraum vom 1. bis 6. April
(Ortszeit) vorgesehen. 

Wie soll der Flug genau ablaufen?

«Artemis 2» baut auf den Erfahrungen von «Artemis 1» auf. Mit der
Rakete «Space Launch System» sollen die vier Astronauten an Bord der
«Orion»-Kapsel vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat
Florida abheben. Der Flugverlauf ähnelt zu einem großen Teil einer
Acht um Erde und Mond. Nach etwa zehn Tagen soll die Kapsel wieder im
Meer auf der Erde aufkommen. 

Die vier Astronauten sollen insgesamt mehr als 2,3 Millionen
Kilometer zurücklegen. Am weitesten Punkt sollen sie sich etwa
370.000 Kilometer von der Erde entfernt und etwa 7.500 Kilometer
hinter der erdabgewandten Seite des Mondes befinden. Von dort aus
können sie dann Erde und Mond gleichzeitig sehen. Die Astronauten der
«Apollo 8»-Mission näherten sich bei ihrer Umrundung dem Mond 1968
sogar bis auf etwa 113 Kilometer an.

Was machen die Astronauten währenddessen in der «Orion»-Kapsel?

Die «Orion»-Kapsel fliegt größtenteils vollautomatisch. Zu
Testzwecken werden die Astronauten sie aber immer wieder auch manuell
steuern. Zudem müssen sie stets alle Systeme und auch ihren eigenen
Gesundheitszustand mit Hilfe zahlreicher Tests, Sensoren und
Messungen überprüfen, auch für wissenschaftliche Forschungen. Auch
Fotos und Analysen von Erde und Mond gehören zu ihren Aufgaben.

Außerdem müssen sie in der Enge der Kapsel leben und arbeiten.
Schlafen sollen sie in an der Wand befestigten Schlafsäcken. Reinigen
können sie sich unter anderem mit Feuchttüchern, Flüssigseife,
Waschlappen sowie Zahnbürsten und Zahnpasta. Es gibt ein eigenes Klo
mit Tür.

Das Essen ist ähnlich dem auf der ISS, nur noch etwas limitierter.
Beispielsweise muss das meiste bei Raumtemperatur verzehrt werden,
denn der Essenswärmer hat nur sehr begrenzte Kapazitäten. 

Mindestens eine halbe Stunde pro Tag sollen die Astronauten mit Sport
verbringen. Ein Gerät hilft ihnen dabei, beispielsweise Ruder-Übungen
zu machen. Außerdem haben die Raumfahrer Tablets und Laptops, mit
denen sie per Wifi mit der Erde kommunizieren können. Auch ein paar
Filme und Spiele sind heruntergeladen.

Wie soll es danach mit dem «Artemis»-Programm weitergehen?

Der neue Nasa-Chef Jared Isaacman hat die «Artemis»-Pläne gerade
komplett umgeschmissen. Die Mission «Artemis 3», mit der ursprünglich

frühestens 2028 eine Crew auf dem Mond landen sollte, soll nun
bereits im kommenden Jahr starten, aber nicht auf dem Mond landen.

Anstelle dessen solle die «Orion»-Kapsel sich bei dieser Mission im
Weltraum mit einem oder zwei Mondlandern zusammendocken. Zudem solle
es dann 2028 möglicherweise sogar gleich zwei Mondlandungsversuche
geben - «Artemis 4» und «Artemis 5». Außerdem werde eine dauerhaf
te
menschliche Präsenz auf dem Mond anvisiert. 

Was kostet das Ganze?

2021 hatte der damalige Generalinspekteur der Nasa geschätzt, dass
die Kosten für das «Artemis»-Programm bis 2025 auf 86 Milliarden
Dollar steigen würden, deutlich mehr als anfangs veranschlagt. Es sei
die «ehrgeizigste und teuerste Aktivität» der Nasa, hieß es. Seitde
m
dürfte noch einiges an Kostensteigerungen hinzugekommen sein,
zusätzlich zu den weiter laufenden Kosten. «Artemis 2» alleine dürf
te
sich laut Expertenschätzungen auf etwa vier Milliarden Dollar
belaufen.

Vorherige Pläne für eine Rückkehr der USA zum Mond waren ebenfalls

krisengeplagt und letztendlich immer wieder gescheitert. Das vom
früheren US-Präsidenten George W. Bush unterstützte
«Constellation»-Programm beispielsweise, das bemannte Mondlandungen
vorgesehen hatte, wurde von seinem Nachfolger Barack Obama wegen zu
hoher Kosten wieder abgesägt.

Das «Apollo»-Programm hatte insgesamt rund 28 Milliarden Dollar
gekostet, das wären heutzutage etwa 280 Milliarden. 

Wann waren zuletzt Menschen auf dem Mond?

Am 20. Juli 1969 wurde Neil Armstrong zum ersten Menschen auf dem
Mond - und kommentierte das mit dem berühmt gewordenen Satz: «Das ist
ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für
die Menschheit.»

Als bislang letzter Mensch verließ im Dezember 1972 der 2017
gestorbene Nasa-Astronaut Eugene Cernan mit der «Apollo 17»-Mission
den Erdtrabanten. «Wir gehen, wie wir gekommen sind, und so Gott es
will, werden wir so auch wieder zurückkommen - mit Frieden und
Hoffnung für die gesamte Menschheit.»

Insgesamt brachten die USA als bislang einziges Land mit den
«Apollo»-Missionen zwischen 1969 und 1972 zwölf Astronauten auf den
Mond. Das Programm brachte viele Erfolge, aber auch einige Tragödien:
Noch vor dem Start von «Apollo 1» tötete 1967 ein Feuer bei einem
Test drei Astronauten. 1970 musste die «Apollo 13»-Mission nach der
Explosion eines Sauerstofftanks umkehren. 

Warum will die Nasa Menschen zurück zum Mond schicken?

«Für wissenschaftliche Entdeckungen, wirtschaftlichen Nutzen und um
eine neue Generation von Entdeckern zu inspirieren» heißt es dazu
offiziell von der Nasa. Zudem sei die Rückkehr zum Mond auch eine Art
Sprungbrett auf dem Weg zum Mars. 

Strategisch symbolisiert die Rückkehr zum Mond technologische und
geopolitische Führung im Wettlauf um den Weltraum. Eine dauerhafte
Präsenz dort gilt als Weg, nationale Interessen in der Raumfahrt zu
sichern und internationale Kooperationen prägen zu können.
US-Präsident Donald Trump, in dessen erster Amtszeit das Programm ins
Leben gerufen worden war, würde es auch als persönlichen Erfolg
verbuchen wollen.

Wer macht bei «Artemis» noch mit - ist Europa auch dabei?

Die Nasa stemmt das «Artemis»-Programm nicht alleine. Viele private
Raumfahrtunternehmen sind involviert - darunter beispielsweise auch
Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos und SpaceX von
Tech-Milliardär Elon Musk. 

Zudem gibt es internationale Partner, vor allem die
Raumfahrtprogramme von Kanada, Japan, den Vereinigten Arabischen
Emiraten - und die europäische Raumfahrtbehörde Esa. Die Esa steuert
unter anderem ein im Bremer Airbus-Werk gefertigtes Servicemodul für
die «Orion»-Kapsel bei. 

Darüber hinaus gibt es die sogenannten «Artemis Accords», eine
internationale Vereinbarung zur Förderung der Zusammenarbeit in der
Weltraumforschung, der sich bereits mehrere Dutzend Länder
angeschlossen haben, darunter auch Deutschland. 

Darf denn auch ein deutscher Astronaut bald mitfliegen?

Die Chancen stehen nicht schlecht. Esa-Chef Josef Aschbacher hatte
vor kurzem verkündet, dass Deutschland als erstes Land an der Reihe
sei, wenn es um Esa-Astronauten für Mond-Missionen gehe. Wer genau
das sein könnte, ist noch nicht entschieden. Die deutschen
Esa-Astronauten Alexander Gerst (49) und Matthias Maurer (56) haben
beide mehrfach betont, wie gerne sie zum Mond fliegen würden. 

Welche Länder wollen sonst noch zum Mond?

Schon seit Jahren gibt es einen neuen Wettlauf von Raumfahrtnationen
zum Mond. Größter Konkurrent der USA ist China mit dem vorgegebenen
Ziel, bis 2030 Menschen auf den Mond zu bringen. Auch Russland will
mit Menschen auf den Mond, hat aber mit Verzögerungen wegen
wirtschaftlicher Schwierigkeiten zu kämpfen.

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