Zwei Jahre legal kiffen - Anbauvereinigungen frustriert Von Mia Bucher, dpa

Der Hype um die neuen Anbauvereinigungen für Cannabis war groß. Doch
die Vereine klagen über strenge Regeln und Werbeverbote. Das größte
Problem liegt aus ihrer Sicht aber noch woanders.

Berlin (dpa/bb) - Als Cannabis am 1. April 2024 legalisiert wurde,
war der Andrang auf Anbauvereinigungen groß: Interessenten standen
Schlange für eine Mitgliedschaft in den zahlreichen neuen Vereinen,
um gemeinschaftlich Gras anzubauen. Heute macht sich in Berlin
Ernüchterung breit. «Wir sind als Anbauvereinigung unglaublich
unsexy», sagte Mario Gäde, Vorstandsvorsitzender des Berliner Vereins
White Lake Weed aus Weißensee, der Deutschen Presse-Agentur.

Damit meint Gäde nicht das Angebot per se, natürlich ist er von dem
Konzept überzeugt, sondern die strengen Auflagen, die den Vereinen
ihre Arbeit erschweren, wie er sagt. «Man würde denken, in Berlin ist
man sofort voll, aber im Gegenteil», erklärt Gäde mit Blick auf die
Mitgliederzahlen. Die Vereine dürften zum Beispiel keine Werbung
machen. Wer sich über das Angebot auf der Website informieren will,
muss Mitglied sein. «Viele Leute wissen gar nicht, dass es uns gibt.»

Schwarzmarkt und Online-Bestellungen machen Konkurrenz

Zur Erinnerung: Seit dem 1. April 2024 dürfen Erwachsene bis zu 25
Gramm Cannabis in der Öffentlichkeit mit sich führen, bis zu 50 Gramm
in ihrer Wohnung aufbewahren und bis zu drei Cannabis-Pflanzen privat
anbauen. Drei Monate später, am 1. Juli, konnten die ersten
Cannabis-Anbauvereinigungen an den Start gehen. Sie bauen
gemeinschaftlich Gras an und geben es zum Eigenkonsum an ihre
Mitglieder ab. Nach Angaben des Berliner Landesamts für Gesundheit
und Soziales (Lageso) gibt es in Berlin elf Vereine mit einer
Anbaugenehmigung. Sieben weitere Anträge seien in der Prüfung.

Für Vereine in Berlin sei der etablierte Schwarzmarkt und vor allem
die leichte Verfügbarkeit von Cannabis für medizinische Zwecke eine
der größten Herausforderungen, so Gäde. Auf riesigen Plakaten werde
dafür geworben, während die Anbauvereine, die lokal und
bedarfsgerecht anbauten und kurze Produktionswege hätten, keine
Werbung machen dürften. 

Bestellung mit wenigen Klicks

Immer mehr Menschen, die Cannabis zu Genusszwecken konsumieren,
nutzen Privatrezepte aus dem Internet, um sich den Zugang auf
scheinbar legalem Weg zu verschaffen. Mit wenigen Klicks und einem
kurzen Online-Fragebogen ist das sogenannte Medizinal-Cannabis
bestellt. Die Verschreibungszahlen sind seit der Legalisierung
explodiert. Importe nahmen laut der Regierung im ersten Halbjahr 2025
im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um über 400 Prozent zu: auf 80
Tonnen Medizinal-Cannabis. Die Regierung will die Regeln verschärfen.

Auch Jana Halbreiter, Vorstandsvorsitzende der Anbauvereinigung Green
Leaf Society, ist frustriert. «Nicht die Idee der Anbauvereinigung
ist unattraktiv, sondern die Politik hat dieser legalen,
kontrollierten und nicht kommerziellen Bezugsform Bleigewichte an die
Füße gebunden, während bequemere Alternativen vielerorts den roten
Teppich ausgerollt bekamen», so ihre Kritik. Die Anbauvereinigungen
würden wie Schwerkriminelle behandelt, sagt sie.

«Vereine brauchen vor allem Leidensfähigkeit»

Die Green Leaf Society habe 200 aktive Mitglieder und baue bis zu
zehn verschiedene Sorten an. Monatlich würden zwei bis drei Kilogramm
Cannabis geerntet und an die Mitglieder ausgegeben. In den
vergangenen Monaten hätten sie ihre Anbaufläche vergrößert.

Doch noch etwas nervt sie. «Das Absurde ist doch: Während
Cannabissamen inzwischen ganz legal im regulären Handel angeboten
werden können, sollen Anbauvereinigungen personenbezogene
Dokumentationen über erwachsene Mitglieder führen und diese über
Jahre aufbewahren», sagte Halbreiter. Wer sich als Verein überhaupt
noch auf den Weg mache, brauche vor allem Leidensfähigkeit. Die
Vereine würden mit Auflagen, Misstrauen und Kontrollen überzogen
werden, während andere, deutlich bequemere Bezugswege lange wachsen
konnten.

Halbreiter und Gäde wollen trotzdem nicht aufgeben. Beide planen,
neue Mitglieder aufzunehmen und wollen weiter wachsen.

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