Landesregierung erwartet langfristig weniger Tierversuche

Mini-Organe, KI und Zelltests: Auch in Hessen setzen Forscher auf
Alternativen zu Tierexperimenten. Was bringen Tierversuche? Was
geschieht mit den Mäusen oder Kaninchen danach?

Wiesbaden (dpa/lhe) - Tierversuche sind umstritten. Auch hessische
Universitäten und Forschungsinstitute machen sie - doch langfristig
wird ihre Zahl nach Einschätzung der Landesregierung zurückgehen.

Umweltstaatssekretär Daniel Köfer (CDU) teilte auf Anfrage der
AfD-Landtagsopposition mit, gesetzlich verpflichtende Tierversuche
verlören mit zunehmender Forschung zu Alternativmethoden
perspektivisch an Bedeutung. Er verwies etwa auf gezüchtete
Mini-Organe, sogenannte Organoide, Organchips, Zelltests und
KI-Modelle. 

Für die Entwicklung von Kosmetikprodukten sind Tierversuche laut
Köfer aufgrund wissenschaftlich anerkannter Alternativmethoden
inzwischen bedeutungslos und seit 2013 in der EU verboten. 

Wo sind Tierversuche vorgeschrieben?

Für die Sicherheitsbewertungen etwa bestimmter Arzneimittel und
Chemikalien aber seien Tierversuche noch gesetzlich verpflichtend.
Beispielsweise bei länger dauernden wissenschaftlichen Untersuchungen
schädlicher Wirkungen von Substanzen auf Menschen gebe es bisher noch
wenige anerkannte alternative Methoden. 

Mit Blick auf eine Abfrage an hessischen Hochschulen und
Forschungsinstitutionen mit Stand von Dezember 2025 teilte
Staatssekretär Köfer etwa zur Frankfurter Goethe-Universität mit,
dort gebe es an drei Fachbereichen Tierexperimente. Diese hätten in
den vergangenen zehn Jahren zur Veröffentlichung von mehr als 750
Publikationen beigetragen. Zudem hätten sie die Grundlage für 26
Patentanmeldungen gebildet, ergänzte der CDU-Politiker. 

Tierversuche für Hirnforschung

Das Ernst Strüngmann Institut in Frankfurt mit dem Fokus auf
Hirnforschung meldete laut Köfer die Veröffentlichung von jährlich
durchschnittlich 40 Publikationen in begutachteten internationalen
Fachzeitschriften. «Davon beruhen etwa 25 Prozent auf Daten, die
direkt in Tierversuchen erhoben wurden», berichtete Köfer. 

Bei Tierexperimenten werden in Deutschland sehr viele Mäuse
eingesetzt, aber auch etwa Fische, Kaninchen oder bestimmte
Affenarten. Tierversuche haben zum Beispiel bei der Entwicklung von
Medikamenten gegen Brustkrebs, Narkosemitteln und Impfstoffen gegen
Corona geholfen. Viele Tiere werden nach den Versuchen getötet, um
Organe zu entnehmen und zu untersuchen.

Ärzteverein: «Tierversuche sind der falsche Weg»

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche setzt sich nach
eigenen Worten bereits sei 1979 für einen Verzicht darauf ein. Sein
Motto lautet: «Medizinischer Fortschritt ist wichtig - Tierversuche
sind der falsche Weg!» Der richtige Weg seien moderne Methoden, die
etwa auf menschliche Zellkulturen und Organchips sowie auf
Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten setzten. 

Tierversuche sind dem Verein zufolge veraltet, hätten aber eine lange
Tradition. Junge Forscherinnen und Forscher würden kaum in
tierversuchsfreien Verfahren ausgebildet.

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