So bekämpfen hessische Städte den Eichenprozessionsspinner
Ob Biowirkstoffe, Industriestaubsauger oder Nematoden: Hessische
Städte kämpfen mit neuen und bewährten Methoden gegen den
Eichenprozessionsspinner - und schützen so Menschen und Tiere.
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - So schön die Natur im Frühling auch sein
mag, beheimatet sie auch einige unliebsame Arten - wie den mit
giftigen Brennhaaren ausgestatteten Eichenprozessionsspinner. Die
Raupe hat sich mittlerweile auch in Hessen ausgebreitet. Besonders
betroffen im Bundesland sind nach Angaben des Landesbetriebs Hessen
Forst die Eichenwälder, Eichenalleen oder frei stehende Eichen in den
warmen Regionen Süd- und Mittelhessens.
Zwar führt der Landesbetrieb selbst keine Maßnahmen zur Bekämpfung
der Insekts durch, jedoch finde ein genaues Monitoring und eine
Dokumentation im Waldschutz-Meldeportal statt. Und: «Aus
Sicherheitsgründen können bei starkem Befall Waldbereiche gesperrt
werden», sagte ein Sprecher.
Kitas und Schulen im Blick
Auch die hessischen Städte behalten die Raupe im Blick. Sie ergreifen
in dieser Saison vielfältige Maßnahmen gegen den Schädling, wie eine
Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.
In Frankfurt ist der Eichenprozessionsspinner nach Angaben der Stadt
vor allem im Stadtwald verbreitet. Im Frühjahr werden die Eichen
präventiv mit dem biologischen Wirkstoff Bacillus thuringiensis
behandelt. Das gilt laut einer Sprecherin in erster Linie für
«besonders sensible Bereiche», wie Spielplätze, Liegewiesen,
Parkanlagen, Schulen und Kindergärten.
Das Besprühen der Bäume stoppt die Larvenentwicklung und damit auch
die Entwicklung der gefährlichen Brennhaare. Sollten Nester entdeckt
werden, werden diese nach Angaben der Stadt von spezialisierten
Fachfirmen mit Hilfe von Industriestaubsaugern abgesaugt.
Die feinen Brennhaare des Eichenprozessionsspinners können starke
allergische Reaktionen hervorrufen, werden ab dem dritten
Larvenstadium gebildet, brechen leicht ab und enthalten das
Nesselgift Thaumetopoein.
In Darmstadt wachsen der Kommune zufolge insbesondere im Nordosten
Eichen und entsprechend finden sich dort vermehrt die Raupen. Zur
Bekämpfung wird das B.thuringiensis-basierte Sprühmittel an rund
3.600 Bäumen eingesetzt - vermutlich ab Mitte April. Zwischen Mitte
April und Anfang Mai sollen einige Gebiete außerdem mit Hilfe von
Hubschraubern aus der Luft besprüht werden, wie die Stadt mitteilte.
Verbliebene Tiere werden dann durch speziell ausgerüstetes
Fachpersonal entfernt.
Fadenwürmer gegen Raupen
Bereiche, die in den letzten Jahren besonders betroffen waren, werden
in Offenbach in diesem Frühjahr vorbeugend besprüht, wie die Stadt
mitteilte. Nester der Tiere sollen abgesaugt werden. Die präventive
Bekämpfung der Tiere mit dem biologischen Wirkstoff Bacillus
thuringiensis findet auch in Gießen statt - vor allem in kritischen
Umgebungen wie Schulen, Kitas, Sport- und Spielplätzen, wie eine
Sprecherin mitteilte.
In Kassel ist der Eichenprozessionsspinner primär im südwestlichen
Stadtgebiet verbreitet, dort ist laut Stadt auch 2026 mit einem
Befall zu rechnen. Wie ein Pressesprecher mitteilte, wendet Kassel in
diesem Jahr erstmals eine neue Methode an: In dem besonders
betroffenen Gebiet werden von Anfang April bis Ende Mai sogenannte
SF-Nematoden angebracht. Diese extrahierten, natürlich im Boden
vorkommenden Fadenwürmer tragen symbiotische Bakterien in sich, die
sich innerhalb der Raupenlarve ausbreiten und diese absterben lassen.
Durch engmaschige Sonderkontrollen sollen darüber hinaus Nester
frühzeitig lokalisiert werden.
In Fulda startet die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners nach
Angaben der Stadt zwischen Ende April und Anfang Mai. Insgesamt
werden an rund 3.100 Bäumen im Stadtgebiet biologische Mittel in den
Baumkronen verteilt. Die Stadt rechnet mit Blick auf die vergangenen
Jahre auch in diesem Jahr mit einer Erfolgsquote von etwa 95 Prozent.
In der Nähe von Gewässern kommen in Fulda nach Angaben eines
Pressesprechers Fadenwürmer zum Einsatz.
Natürliche Feinde fördern
Hessens Landeshauptstadt Wiesbaden beginnt nach Angaben eines
Pressensprechers ebenfalls zwischen April und Mai mit der
vorbeugenden Behandlung der Eichen mit dem biologischen
Bekämpfungsmittel Bacillus thuringiensis.
Die Zahlen der vergangenen Jahre zeigen: «Statistisch ist circa jede
zehnte Eiche in Marburg befallen», sagte eine Sprecherin der
mittelhessischen Stadt. Neben mechanischen Verfahren wie Verkleben,
Absaugen oder Heißwasserbehandlung wird auch in Marburg in diesem
Jahr erstmals der biologische Wirkstoff Bacillus thuringiensis
eingesetzt.
Zusätzlich soll die «biologische Vielfalt, insbesondere von
Gegenspielern des Eichenprozessionsspinners» gefördert werden. In
sensiblen Bereichen seien in diesem Frühjahr 280 Nistkästen für
Meisen und Fledermäuse angebracht worden. Auch werden dünne Äste am
äußeren Rand der Baumkrone zurückgeschnitten, um dort bereits
abgelegte Eier schon im Frühjahr zu entfernen.
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