Protest gegen Kürzung von Psychotherapie-Vergütung
Depressionen, Angsterkrankungen, Zwangsstörungen - psychische
Erkrankungen nehmen seit Jahren zu. Dass Honorare ausgerechnet für
Psychotherapeuten gekappt werden sollen, sorgt für Empörung.
Erfurt (dpa/th) - Therapeuten und Patienten haben in Erfurt gegen
drohende Einschnitte bei der Vergütung psychotherapeutischer
Behandlungen demonstriert. Etwa 150 Menschen versammelten sich dazu
vor dem Landtag in Erfurt, wie ein Polizeisprecher sagte. Hintergrund
ist ein Beschluss des erweiterten Bewertungsausschusses, eines
Bundesgremiums aus Kassen- und Ärztevertretern, wonach die Vergütung
psychotherapeutischer Leistungen von April an um 4,5 Prozent gekürzt
wird.
Der Beschluss war vor zwei Wochen gegen die Stimmen der Ärzte- und
Psychotherapeutenvertreter gefallen. Die Kassen begründeten ihn
damit, dass niedergelassene Psychotherapeuten mit einer eigenen
Praxis in den vergangenen Jahren überproportionale Honorarerhöhungen
erhalten hätten.
Mehr Therapeuten, trotzdem lange Wartezeiten
In Thüringen sind nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung
derzeit 586 Psychotherapeuten in der ambulanten Versorgung tätig. Sie
behandeln unter anderem Depressionen, Angsterkrankungen, Zwangs- und
Essstörungen. Gängige Verfahren sind etwa die Verhaltenstherapie oder
die tiefenpsychologisch fundierte Gesprächstherapie.
Die Therapeutenzahl hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich
erhöht, 2019 waren noch 457 Therapeuten tätig. Beim Warten auf einen
Therapieplatz bei den niedergelassenen Fachärzten oder Psychologen
müssen Patienten trotz des Anstiegs weiterhin viel Geduld aufbringen.
Das hat neben dem gestiegenen Behandlungsbedarf auch mit den
Besonderheiten von Psychotherapien zu tun, die sich strukturell von
ambulanten Behandlungen körperlicher Beschwerden unterscheiden. Die
Patienten kommen während eines festgelegten Zeitraums in der Regel
ein- bis zweimal wöchentlich zur Behandlung, die von der Krankenkasse
vorab genehmigt werden muss. Je nach Verfahren sind 24 bis 100
Behandlungsstunden nötig, teils auch mehr. Erst wenn ein
Therapiezyklus abgeschlossen ist, können neue Patienten nachrücken.
Bundesweit protestieren Therapeuten
Nach dem KV-Honorarbericht belief sich das von den gesetzlichen
Krankenkassen 2024 in der ambulanten Psychotherapie in Thüringen
gezahlte Bruttohonorar auf knapp 74,7 Millionen Euro - bei einer
Gesamthonorarsumme von 1,3 Milliarden Euro für alle Haus- und
Fachärzte. Gegen den Beschluss zur Honorarkürzung in der
Psychotherapie regt sich dieser Tage bundesweit Protest.
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