Saisonstart im Vogelpark Walsrode mit Flugshow und Nachwuchs Von Britta Körber, dpa
Der Weltvogelpark Walsrode hat den Ausbruch der Vogelgrippe
überstanden. Nun steht dort die Brutzeit an - viele bedrohte Arten
erwarten Nachwuchs.
Walsrode (dpa/lni) - Der Schreck der Vogelgrippe mit mehr als 80
toten Meeresvögeln ist überwunden, der Saisonbeginn im Weltvogelpark
Walsrode lockt wieder besonders viele Familien an. Beliebt sind die
imposanten Flugshows, bei denen Weißkopfseeadler und verschiedene
Papageien von einem Trainer zum anderen über die Köpfe der Zuschauer
hinwegfliegen. Bis zu 15 Papageien sind dann gleichzeitig am Himmel
zu sehen.
Erklärschilder geben Auskunft über die Herkunft der Tiere - viele
sind vom Aussterben bedroht. So wie der Waldrapp mit dem langen,
roten Schnabel, von dem in freier Wildbahn nur noch 250 Brutpaare
leben. Kritisch ist der Status auch bei der Chinabuschwachtel und
beim Blaukronen-Häherling. «Vögel gelten als die letzten Nachfahren
der Dinosaurier», erklärt Park-Sprecherin Janina Ehrhardt, warum es
auch einen Lehrpfad zu den ausgestorbenen Riesen-Dinos gibt.
Rund 250.000 Besucher kommen pro Saison in die Lüneburger Heide, um
auf 24 Hektar einige der 4.000 Vögel aus mehr als 600 Arten zu
bestaunen. Die scheuen, südostasiatischen Loris mit Nektar füttern,
Inkaseeschwalben mit dem roten Schnabel zu fressen geben oder die
vier jungen Kiebitze unter einer Wärmelampe beobachten - die Natur
kann ganz nah erlebt werden.
Vor Ostern sind auch die verschiedenen Eier zu sehen - kleine,
mittlere und große je nach Vogelart. Wer hat schon, wer ist später
dran? Manche wirken auffällig, wie ein gesprenkeltes oder grün-türkis
farbiges Ei - oft dient die Farbe der Tarnung gegen Fressfeinde. Sind
Eier eher spitz geformt, so drehen sie sich um die eigene Achse,
rollen aber nicht unbedingt weg. Das hilft etwa den
Humboldtpinguinen, die ihre Eier in einer Bruthöhle in unwegsames
Gelände legen.
Neugierige Pinguin-Familie
Gar nicht scheu verhalten sich die mehr als 20 Pinguine, die im
Familienverbund auf einer kargen, steinigen Landschaft nah am Wasser
zusammenleben. In kurzer Distanz kann auch den Störchen zugeschaut
werden, wie sie ihre Nester bauen. Zudem siedeln sich immer mehr
wilde Storchenpaare in der Nähe des Geländes an und fliegen über die
Gehege - zu fressen finden sie nach der Rückkehr aus dem Süden immer
etwas.
Überall zwitschert und piept es im Park, richtig laut wird es an der
Voliere des Schwarzweißhäherlings aus Sumatra, der eine Melodie
trällert. «Das ist hier sehr entschleunigend», weiß Erhardt.
Neue Heidelandschaft mit Schnucken
Drei zottelige Moorschnucken - eine kleine Landschafrasse - tummeln
sich in einem der Heide nachempfundenen Areal. Die Geschichte der
heimischen Kulturpflanzen mit ihren Bewohnern hat erstmals einen
Platz zwischen den internationalen Schwerpunkten nach Kontinenten
gefunden. In der Amerika-Ecke leben viele Greifvögel, für Australien
stehen zahlreiche Sittiche und ein Buschhuhn, für Afrika unter
anderem Madagaskar-Arten.
Hohe Hygieneregeln seit Corona - Impfung im Gespräch
150 Mitarbeiter sorgen dafür, dass während der Saison bis zum 1.
November alle Vögel versorgt, die Wege freigeräumt und die Gehege
sauber sind. Der üppige Schneefall hat den Park in den vergangenen
Monaten stark gefordert. «Der Winter war ganz schwer», bestätigt
Geschäftsführer Javier Gimeno Martinez. «Und dazu der Ausbruch der
Vogelgrippe, aber wir waren ja nicht die Einzigen, es traf auch
andere Zoos.»
Seit Corona gelten hohe Sicherheitsstandards, was die Hygiene
betrifft. «Die Vogelgrippe ist ganzjährig ein Thema, die verschwindet
nicht», sagt Erhardt - auch wenn im Moment alle Volieren okay sind.
Zugvögel hätten das Virus im Frühjahr in den Park gebracht, habe ein
Veterinär bestätigt. Derzeit ist im Gespräch, an einem Pilotprojekt
zur Impfung des besonders gefährdeten Geflügels teilzunehmen.
Winteröffnung als Gewinn
Ein Großteil der Bereiche des Parks war erstmals auch an den
Wochenenden im Winter zugänglich, es lockten spezielle Events.
Indoor-Attraktionen wie die Paradieshalle, das Papageienhaus und die
Nachtwelten luden zum Entdecken tropischer Arten ein. «Das kam gut an
und wir haben den Winter über schon die Wege freigehalten. Das kam
uns im Frühjahr zugute», sagt Ehrhardt.
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