Designerdrogen inzwischen auch bei Älteren verbreitet Von Elke Richter, dpa

Kräutermischung, Badesalz oder Forschungschemikalien: Designerdrogen
sprechen längst nicht mehr nur die Jugend an, wie die neuesten Zahlen
zeigen. Was man über «Legal Highs» wissen sollte.

München (dpa/lby) - Designerdrogen haben sich in Bayern ihren festen
Platz unter den Rauschmitteln erobert. Fachleute des
Landeskriminalamtes gehen davon aus, dass die Beliebtheit der leicht
zugänglichen Mittel in den nächsten Jahren weiter steigen wird.
Darauf deuten nicht nur die blanken Zahlen, sondern auch bestimmte
Entwicklungen hin, wie eine Sprecherin der Behörde auf Anfrage der
Deutschen Presse-Agentur erläuterte. Doch worum genau handelt es sich
bei diesen Drogen eigentlich - und wie ist die Lage im Freistaat?

Was versteht man unter Designerdrogen?

Designerdrogen werden synthetisch hergestellt und ähneln in ihrer
psychoaktiven Wirkung herkömmlichen Drogen, indem sie die Wirkung
etwa von Cannabis, Ecstasy oder Amphetaminen imitieren. «Jedoch
achten die Hersteller akribisch darauf, dass die einzelnen
Inhaltsstoffe nicht ausdrücklich verboten sind - daher das
irreführende Synonym «Legal Highs» (legale Rauschmittel)», wie die

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) erläutert. 

Die Substanzmischungen werden in der Regel unter Fantasienamen
zweckentfremdet als Fertigprodukte wie Badesalze, Düngerpillen oder
Kräutermischungen angeboten. Oft dienen pflanzliche Grundstoffe als
Träger für synthetische Substanzen. Unter den offiziellen Oberbegriff
«Neue psychoaktive Stoffe (NpS)» fallen auch die sogenannten
Forschungschemikalien - leicht veränderte Produkte aus der
Pharmaforschung, die meist als Einzelsubstanzen konsumiert werden.

Wie gefährlich sind Designerdrogen?

«Der Konsum von NpS kann schwere Folgen nach sich ziehen: Die
Symptome reichen von Übelkeit, heftigem Erbrechen, Herzrasen und
Orientierungsverlust über Kreislaufversagen, Ohnmacht,
Lähmungserscheinungen und Wahnvorstellungen bis hin zum Versagen der
Vitalfunktionen», warnt das Bundesministerium für Gesundheit. Auch
die DHS betont: «Neue psychoaktive Substanzen sind alles andere als
harmlose Partydrogen.»

Von den meisten NpS seien weder genaue Wirkweisen noch Langzeitfolgen
ausreichend dokumentiert, ergänzen die Fachleute. «Die irreführende,

fast immer unvollständige oder nicht wahrheitsgemäße Etikettierung
macht viele NpS zu Hochrisiko-Drogen mit einer enormen Gefahr von
Überdosierung, riskanten Wechselwirkungen bis hin zu irreversiblen
Folgeschäden.»

Allein im vergangenen Jahr starben in Bayern 23 Menschen offiziell an
Designerdrogen, wobei bei den meisten eine Kombination mit noch
mindestens einem weiteren todesursächlichen Stoff vorlag. Am Mittwoch
gab das bayerische Landeskriminalamt (BLKA) zudem eine aktuelle
Warnung heraus: In weniger als einem Monat habe es in Oberbayern und
der Oberpfalz einen Todesfall nach dem Konsum von Vapes gegeben, die
mit dem synthetischen Opioid Etodezitramid und anderen psychoaktiven
Stoffen versetzt waren. Zusätzlich wurden zwei weitere Menschen auf
diese Weise vergiftet, einer davon musste wiederbelebt werden.

Wie verbreitet sind Designerdrogen in Bayern?

Der Zugang zu Designerdrogen ist einfach: Sie können problemlos
online bestellt werden, zudem sind sie oftmals erheblich billiger als
ihre Pendants. Angesichts der Fallzahlen könne «zweifelsfrei belegt
werden, dass NpS sich auf dem Rauschgiftmarkt zwischenzeitlich
etabliert haben. Und es steht zu befürchten, dass die zahlreichen
Derivate den klassischen Rauschgiften weiterhin Marktanteile abringen
werden», schildert die BLKA-Sprecherin.

Im vergangenen Jahr registrierten die Ermittler 1.308 Verstöße, bei
denen die Beteiligten unter Einfluss von NpS standen. Das entspricht
laut BLKA einer Steigerung von 59 Prozent zum Vorjahr. Da der reine
Konsum dieser Stoffe nicht strafbar ist, fallen die Zahlen der
expliziten Verstöße gegen das eigens geschaffene NpS-Gesetz niedriger
aus. Doch der Anstieg ist hier noch einmal deutlich stärker: 2025 gab
es ein Plus von knapp 85 Prozent auf 273 Fälle.

Wer nimmt Designerdrogen?

«Grundsätzlich bedienen die verschiedenen Stoffgruppen der NpS völlig

unterschiedliche Konsumentengruppen», erläutert das BLKA. Die NpS
würden «immer häufiger als Alternative zu den klassischen
Rauschgiften wahrgenommen», entsprechend hätten sich auch Marketing
und Image über die letzten Jahre angepasst. Während das Angebot
früher vor allem junge Menschen angesprochen habe, registrieren die
Ermittler inzwischen immer mehr über 30-Jährige. 

«Insbesondere bei den synthetischen Opioiden, synthetischen
Cathinonen sowie LSD-Derivaten ist zu beobachten, dass
zwischenzeitlich auch Personen mittleren Alters vermehrt zu diesen
Substanzen greifen», schilderte die Behördensprecherin. «Gleichwohl
scheinen junge Menschen - oftmals in Ermangelung eines gereiften
Risikobewusstseins - zunehmend Gefallen an hochpotenten
Forschungschemikalien zu finden.»

In Zahlen: Von den 973 Tatverdächtigen, die 2025 im Freistaat wegen
Verstößen im Zusammenhang mit NpS aufgefallen waren, waren 89 unter
21 Jahren. Die Alterskohorte der 30- bis 39-Jährigen war mit 330
Tatverdächtigen überrepräsentiert, selbst bei den 40- bis 49-Jährig
en
waren es noch 194 Personen. 856 männlichen Tatverdächtigen standen
117 weibliche gegenüber.

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