IAB-Prognose: Wenig Wachstum und größerer Fachkräftemangel
Der Bund steuert zwar mit seinen Finanzspritzen gegen - doch die
großen Probleme der deutschen Wirtschaft bleiben: kaum Wachstum,
schleppende Transformation und zu wenig Fachkräfte.
Nürnberg (dpa) - Die deutsche Wirtschaft, befeuert durch die
milliardenschweren Fiskalpakete der Bundesregierung, wird im
laufenden Jahr 2026 nach einer Prognose des Instituts für
Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) kaum vom Fleck kommen. Die
Nürnberger Arbeitsmarkt- und Konjunkturexperten gehen von einem
Wachstum in Höhe von 0,8 Prozent aus.
Gegenwind komme vor allem von geopolitischen Risiken wie dem Krieg im
Iran. Allein die Krise in Nahost lasse das Wachstum um 0,2 bis 0,3
Punkte geringer ausfallen. Negativ wirke auch die Demografie: Das
Erwerbspersonenpotenzial, also die Personen, die grundsätzlich dem
Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, sinkt erstmals um 40.000 auf 48,62
Millionen - der Fachkräftemangel wird durch den Renteneintritt der
Babyboomer-Jahrgänge verschärft.
Mehr Arbeitslose in erster Jahreshälfte
Die Zahl der Arbeitslosen werde im Jahresdurchschnitt um 40.000
steigen - der Anstieg werde jedoch nur in der ersten Jahreshälfte
wirksam. In der zweiten Hälfte könne es zu einem leichten Rückgang
kommen.
Neue Jobs gebe es fast ausschließlich bei öffentlichen
Dienstleistern, im Gesundheitsbereich und in der Erziehung. In der
Industrie schrumpfe die Beschäftigung dagegen weiter. «Der Irankrieg
und die damit verbundenen Energiepreissteigerungen und
Handelsstörungen belasten die Beschäftigungsentwicklung in der
Industrie zusätzlich», sagte IAB-Forscher Enzo Weber. Allein in
diesem Sektor gehen der Prognose zufolge 140.000 Arbeitsplätze
verloren.
Sozialverband: «Beunruhigend»
Der Sozialverband Deutschland bezeichnete die Ergebnisse der Prognose
als «beunruhigend». Sie zeigten ganz klar, dass der Fokus auf der
Qualifizierung von Beschäftigten, Erwerbslosen und jungen Menschen
liegen müsse, sagte die Vorstandsvorsitzendes des Verbandes Michaela
Engelmeier. «Einerseits fehlen Fachkräfte, auf der anderen Seite
brechen ganze Industrien weg», sagte sie.
Nicht aus jedem Industriearbeiter werde eine Pflegekraft, dennoch
liege darin ein Potenzial, dass gezielt gehoben werden müsse. «Der
Blick muss aber genauso in Richtung Frauen, ältere Beschäftigte und
Menschen mit Behinderungen gehen. Auch hier gibt es Potenziale, die
an fehlenden Rahmenbedingungen und mangelnder Vereinbarkeit von
Familie und Beruf scheitern», betonte sie.
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