«Er hört Stimmen» - Prozess um Polizisten-Mord fortgesetzt
Im Prozess um den tödlichen Schuss auf einen Polizisten schildern
Experten die psychische Verfassung des Angeklagten. Mediziner nennen
einige Details.
Saarbrücken (dpa/lrs) - Im Prozess um den Mord an einem Polizisten im
Saarland haben vor dem Landgericht Saarbrücken mehrere medizinische
Experten zum Gesundheitszustand des 19-jährigen Angeklagten
ausgesagt. Im Zentrum stand dabei seine psychische Verfassung vor der
Tat im August 2025 sowie während seiner Haft.
Ein Psychiater berichtete dabei, der Angeklagte leide unter
Verfolgungswahn und akustischen Halluzinationen. «Er hört Stimmen»,
sagte er. Diese hätten ihm nach Angaben des Angeklagten auch den
Tankstellenüberfall befohlen. Der 19-Jährige habe zudem angegeben, er
habe bei der Tat Angst gehabt, erschossen zu werden, wie er es aus
den USA kenne. Der Arzt ging davon aus, dass die Erkrankung bereits
mindestens sechs Monate vor der Tat bestanden habe.
Behandlung seit 2022
Ein weiterer Experte berichtete, dass er den Angeklagten seit 2022
behandelt hatte. Dieser habe sich zunächst wegen Ängsten vorgestellt,
damals begleitet von seiner Mutter. Es sei eine Angststörung
diagnostiziert worden. Später habe eine stationäre Einweisung
zeitweise im Raum gestanden, ein geplanter Termin im Mai 2025 sei
jedoch nicht wahrgenommen worden.
Auf die Frage der Nebenklägerin, ob die Tat anhand der
Behandlungsverläufe vorhersehbar gewesen sei, antwortete der
Mediziner: «Ich hätte damit nie gerechnet, dass es zu einer solchen
Tat kommt.»
17 Schüsse nach Überfall
Dem 19-jährigen Angeklagten mit deutscher und türkischer
Staatsangehörigkeit werden Mord, versuchter Mord und besonders
schwerer Raub vorgeworfen. Er soll am 21. August 2025 nach einem
Tankstellenüberfall in Völklingen einem Polizeianwärter die
Dienstwaffe entrissen und 17 Schüsse abgegeben haben. Sechs Kugeln
trafen den 34-jährigen Polizeioberkommissar Simon Bohr, der an den
schweren Verletzungen starb.
Die Aussagen der medizinischen Experten gelten als zentral für die
Frage, ob der Angeklagte zum Tatzeitpunkt möglicherweise psychisch
krank war. Dies könnte Einfluss auf das Strafmaß oder eine mögliche
Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung haben.
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