Endometriose: Zahl der Diagnosen in Thüringen steigt weiter

Sie geht mit starken Unterleibsschmerzen einher: Endometriose. Immer
mehr Frauen in Thüringen erhalten diese Diagnose. Wieso Experten
dahinter aber auch eine gute Nachricht sehen.

Erfurt (dpa/th) - Die Zahl der diagnostizierten Endometriose-Fälle in
Thüringen hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten nahezu
verdreifacht. Wie aus dem aktuellen Arztreport der Krankenkasse
Barmer hervorgeht, stieg die Zahl der betroffenen Frauen von rund
3.600 im Jahr 2005 auf mehr als 10.000 im Jahr 2024. Endometriose
gilt als schwer zu diagnostizierende Erkrankung, da ihre Symptome
häufig mit gewöhnlichen Regelschmerzen verwechselt werden.
Entsprechend hoch dürfte die Dunkelziffer sein.

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, bei der
gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter
wächst. Sie kann starke Schmerzen verursachen und die Fruchtbarkeit
beeinträchtigen. Die Ursachen sind bislang nicht vollständig geklärt.

Die Behandlung reicht von Schmerz- und Hormontherapien bis hin zu
operativen Eingriffen.

Nach Einschätzung der Krankenkasse ist der deutliche Anstieg der
Fallzahlen im Freistaat jedoch auch ein positives Zeichen. Zeige er
doch, dass mehr Frauen Hilfe bekommen, sagte der Thüringer
Barmer-Landesgeschäftsführer Robert Büssow. Die Krankheit werde
inzwischen früher erkannt, was den Leidensweg vieler Frauen verkürzen
könne. Im Schnitt erhalten Betroffene den Angaben nach ihre
Erstdiagnose erst mit 37,4 Jahren. Im Vergleich dazu: 2015 lag das
Durchschnittsalter noch bei 41,2 Jahren.

Schmerzdiagnosen besonders ausgeprägt

Auffällig ist dem Report zufolge, dass Patientinnen mit Endometriose
überdurchschnittlich häufig an Begleiterkrankungen leiden. Dazu
zählten insbesondere Bauch- und Beckenschmerzen, die mehr als doppelt
so oft dokumentiert werden wie bei anderen Frauen. Auch Migräne,
Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems sowie Depressionen und
Angststörungen würden vermehrt auftreten. Zwar gehe die Erkrankung
nicht mit einer erhöhten Sterblichkeit einher, jedoch sei die
Krankheitslast hoch, betonte Büssow. Eine ganzheitliche Behandlung
sei daher entscheidend.

Im Ländervergleich liege Thüringen trotz des Anstiegs weiterhin am
unteren Ende. Dem Report zufolge sind im Freistaat 939 von 100.000
Frauen wegen Endometriose in ärztlicher Behandlung. Bundesweit liege
die Rate bei 1.212 - den höchsten Wert weise Berlin mit 1.618 Fällen
je 100.000 Frauen auf. Die Unterschiede deuteten darauf hin, dass
insbesondere in ländlichen Regionen weiterer Aufklärungsbedarf
bestehe.

Die Auswertung basiert auf anonymisierten Abrechnungsdaten von
Barmer-Versicherten aus den Jahren 2005 bis 2024 und wurde auf die
Gesamtbevölkerung hochgerechnet.

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