Apotheken bleiben zu - Protesttag für mehr Geld
Zahlreiche Apotheken öffneten für einen Tag nicht für die
Patientinnen und Patienten. Im politischen Ringen um eine bessere
Bezahlung will die Branche Druck machen.
Berlin (dpa) - Wegen bundesweiter Protestaktionen für höhere
Vergütungen sind viele Apotheken am Montag geschlossen geblieben.
«Der Honorarstillstand muss endlich ein Ende haben», sagte der
Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda),
Thomas Preis. Die Branche beklagt eine seit Jahren bestehende
«chronische Unterfinanzierung» der Apotheken und gestiegene Betriebs-
und Personalkosten. In mehreren Städten versammelten sich
Apothekerinnen und Apotheker zu Kundgebungen. Für dringend benötigte
Medikamente sollten Notdienstapotheken am Protesttag geöffnet
bleiben.
An Demonstrationen in Berlin, Düsseldorf, Hannover und München hätten
rund 25.000 Menschen teilgenommen, teilte die Abda mit. Sie hätten
das Signal ausgesandt, dass es Apotheken «nicht zum Nulltarif» gebe.
Für die Menschen in Stadt und Land verlängerten sich mit jeder
geschlossenen Apotheke die Wege.
Ministerin kündigte Erhöhung schon an
Konkret geht es der Branche darum, einen lange nicht erhöhten
Fix-Bestandteil des Honorars von 8,35 Euro pro Packung auf 9,50 Euro
anzuheben. Union und SPD hatten es im Koalitionsvertrag vereinbart,
die Umsetzung dann aber wegen der angespannten Finanzlage der
gesetzlichen Krankenkassen zurückgestellt.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte jedoch
kürzlich an, die Erhöhung jetzt anzugehen und im Frühjahr eine
Verordnung vorzulegen.
Der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen betonte, die Apotheken
erhielten bereits Jahr für Jahr mehr Geld. Die Vergütung aus den
Portemonnaies der Beitragszahler sei von 2013 bis 2024 um 26 Prozent
auf 7,1 Milliarden Euro pro Jahr gestiegen, erläuterte Verbands-Vize
Stefanie Stoff-Ahnis. Es brauche in der Summe keine Anhebung, aber
eine bessere Verteilung. «Apotheken in Ballungsräumen mit
Millionenumsätzen brauchen keine Vergütungserhöhung, umsatzschwache
Apotheken in strukturschwachen Regionen hingegen schon.»
Netz der Apotheken schrumpft
Die Zahl der Apotheken schrumpft seit längerem. Zum Jahresende 2025
gab es bundesweit noch 16.601 Apotheken, 440 weniger als zum Ende des
Vorjahres. Die Barmer Krankenkasse wandte sich gegen «Alarmismus»
wegen dieser Entwicklung und verwies auf eine eigene Analyse zur
Erreichbarkeit. Demnach könnten 78 Prozent der Bevölkerung in maximal
zwei Kilometern eine Apotheke erreichen, im Radius von sechs
Kilometern 96 Prozent der Bundesbürger. Von Apothekenschließungen
seien Städte stärker betroffen als ländliche Regionen.
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