Lauterbach: Renten für Gutverdiener deckeln

Nach der Rheinland-Pfalz-Wahl gewinnt die Reformdebatte in der
schwarz-roten Koalition an Umdrehungen. SPD-Sozialexperte Lauterbach
lanciert erneut die Idee einer Umverteilung im System.

Berlin (dpa) - SPD-Sozialexperte Karl Lauterbach fordert, künftig
Renten von Gutverdienern zu deckeln und dafür ärmeren Menschen mehr
zu zahlen. Mit diesem auch schon vorher geäußerten Vorschlag meldete
sich der frühere Gesundheitsminister nach der SPD-Wahlniederlage in
Rheinland-Pfalz in der ARD-Sendung «Caren Miosga» zu Wort. 

Menschen mit hohem Einkommen hätten im Durchschnitt eine höhere
Lebenserwartung und bezögen viel länger Rente als Ärmere. «Daher
sollten die Rentenwerte dort etwas abgeregelt werden», sagte
Lauterbach. «Dann können wir uns erstens diese Rente länger leisten
und könnten die Rente etwas verbessern für die Geringverdiener.»

Akademiker wären im Visier

Derzeit sei das System ungerecht, meinte der SPD-Politiker. «Unser
Rentensystem gibt jeden Monat Geld von den Ärmeren an die
Einkommensstärkeren, weil ich mit den kurzen Renten der Ärmeren die
langen Renten der Gutverdienenden subventioniere.» 

Er fügte hinzu: «Das sind Akademiker, die haben oft nur 35 Jahre
eingezahlt, nehmen dann aber 20 Jahre Rente mit. Diejenigen, die mit
16 angefangen haben zu arbeiten, die zahlen oft fast 50 Jahre ein und
die haben dann sieben Jahre Rente, denn die leben oft nur bis 72. Das
kann doch nicht richtig sein.»

Gerechtigkeit und Flexibilität

Die SPD hatte in Rheinland-Pfalz rund zehn Prozentpunkte und das Amt
des Ministerpräsidenten eingebüßt. SPD-Politiker im Bund hatten
angekündigt, der Partei in der laufenden Reformdebatte mehr Profil zu
verleihen.

Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) äußerte sich in der Sendung
zu dem Vorschlag nicht konkret und verwies auf die für Juli
erwarteten Ergebnisse der Rentenkommission. «Natürlich kommt es
darauf an, dass es gerecht ist», sagte der CDU-Politiker. Insgesamt
brauche man mehr Flexibilität sowie eine längere Arbeitszeit.

Wann kommt das Reformpaket?

Frei wollte sich auf Nachfrage in der Sendung nicht festlegen, ob
schon in den nächsten Tagen ein großes Reformpaket angekündigt werde.

Er sagte: «Wir müssen eine gute Politik machen, um Vertrauen
zurückzugewinnen.» In Richtung SPD sagte er: «Wir sitzen gemeinsam im

gleichen Boot.» Nun müsse man auch in die gleiche Richtung rudern.

In der Rentendebatte hatte der Wirtschaftsberater Jens Südekum
bereits vorgeschlagen, den Renteneintritt an die Jahre der
tatsächlichen Beitragszahlungen zu knüpfen. Auch eine solche Regelung
könnte Akademiker treffen, die wegen der Studienjahre oft deutlich
später eine Arbeit aufnehmen als andere. Bundeskanzler Friedrich Merz
(CDU) hat eine Koppelung des Renteneintrittsalters an die Zahl der
Beitragsjahre als «durchaus erwägenswert» bezeichnet.

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