Notdienst statt Normalbetrieb - Apotheken fordern mehr Geld

Es gibt mehr als 2.000 Apotheken im Südwesten - doch am Montag läuft
vieles nur durch die Notdienstklappe. Was steckt hinter dem
bundesweiten Protest und was bedeutet das für Patienten?

Stuttgart (dpa/lsw) - Wer dringend Medikamente benötigt, kann am
Montag in Baden-Württemberg möglicherweise Probleme bekommen. Viele
Apotheken beteiligen sich an einen bundesweiten Protesttag. Das könne
bedeuten, dass Patientinnen und Patienten nur durch die
Notdienstklappe versorgt werden, Schaufenster verhängt sind oder
Apotheken mit regional organisierten Aktionen auf ihre wirtschaftlich
prekäre Situation aufmerksam machen, wie ein Sprecher des
Landesapothekenverbands Baden-Württemberg in Stuttgart mitteilte. Wie
viele Apotheken sich an dem Protest beteiligen und ob Geschäfte
geschlossen bleiben, sei noch unklar.

Für den Fall, dass jemand am Montag erkrankt und dringend Medikamente
benötigt, halten die Apotheker einen Notdienst vor.
Notdienstapotheken können über eine bundeseinheitliche kostenlose
Rufnummer (0800 00 22 8 33) oder übers Internet
(www.aponet.de/notdienstsuche) gefunden werden. Mit der Internetsuche
lässt sich über die Postleitzahl oder den Ortsnamen die
nächstgelegene Apotheke finden.

Ein Sprecher des Sozialministeriums kritisierte die Aktion. Er sagte,
die Schließung von Apotheken an einem Montag - also unmittelbar nach
einem Sonntag, an dem bereits nur der Notdienst zur Verfügung stehe -
stelle für die Menschen, die auf Apotheken angewiesen seien, eine
besondere Belastung dar. 

Hintergrund des bundesweiten Protesttags ist nach Verbandsangaben
eine seit mehr als 13 Jahren ausbleibende Anpassung des
Apothekenhonorars. Während die Personal- und Sachkosten seit 2013 um
rund 65 Prozent gestiegen seien, liege das packungsbezogene Honorar
weiterhin bei 8,35 Euro. Der Koalitionsvertrag sehe eine Anhebung auf
9,50 Euro vor - eine verbindliche Umsetzung stehe jedoch noch aus.
Verbandspräsidentin Tatjana Zambo sagte: «Die Apotheken dürfen jetzt

nicht weiter hingehalten werden, denn die wirtschaftliche Situation
vieler Apotheken ist dramatisch.»

In Baden-Württemberg gibt es aktuell 2.067 Apotheken, wie der
Sprecher mitteilte. Seit 2013 mussten bundesweit fast 20 Prozent der
Apotheken schließen.

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