Viele Apotheken im Norden bleiben am Montag zu - und dann? Von Christiane Bosch, dpa
Ob Pflaster, Kopfschmerztablette, Krebsmedikament oder Hautcremes -
in Apotheken bekommt man rund um die Uhr wichtige Hilfe. Am Montag
aber bleiben viele zu - denn sie wollen eine bessere Bezahlung.
Hamburg/Kiel/Schwerin (dpa) - Wer am Montag in der Apotheke ein
wichtiges Medikament kaufen will, könnte vor verschlossenen Türen
stehen. Ein Großteil der Apotheken in Hamburg, Schleswig-Holstein und
Mecklenburg-Vorpommern wird zum Wochenstart nicht öffnen, wie die
Apothekerverbände der drei Länder mitteilten. Die Aktion ist Teil des
bundesweiten Protesttages. Die Apotheker wollen in Hannover, Berlin,
Düsseldorf und München auf die Straße gehen.
Wie viele Apotheken sind im Norden betroffen?
Im Norden Deutschlands wollen viele Apotheken mitmachen. 75 bis 80
Prozent der Apotheken werden geschlossen bleiben, wie es
beispielsweise von den Apothekerverbänden in Hamburg und
Mecklenburg-Vorpommern hieß. Auch in Schleswig-Holstein werde der
Großteil der 551 Häuser nicht öffnen. «In Nordfriesland ist
beispielsweise nur der Notdienst besetzt», sagte Hans-Günter Lund,
Vorsitzender des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein, der Deutschen
Presse-Agentur.
Was, wenn ich am Montag ein Medikament dringend brauche?
Es werden in allen Regionen auch Apotheken geöffnet haben.
«Patientinnen und Patienten mit dringendem Medikamentenbedarf müssen
sich keine Sorgen machen: Der Apothekennotdienst bleibt
gewährleistet», so Lund weiter. In Hamburg wird es den Angaben
zufolge acht Notdienstapotheken geben.
Außerdem seien alle größeren Kunden, wie Senioreneinrichtungen, vorab
informiert worden. «Damit niemand vor verschlossenen Türen steht, der
dringend wichtige Medikamente braucht.»
Wo sehe ich denn, welche Apotheke geöffnet hat?
Das funktioniert - wie sonst auch - am besten im Internet. Über die
Apotheken-Website kann man sich über die Postleitzahlen-Abfrage den
aktuellen Notdienst in der Nähe anzeigen lassen.
Wie viele Apotheken gibt es überhaupt im Norden?
In Hamburg gibt es den Angaben zufolge 349 Apotheken mit etwa 3.600
Mitarbeitenden, in Schleswig-Holstein sind es 551 mit etwa 6.000
Angestellten und in Mecklenburg-Vorpommern spricht die
Apothekerkammer von 350 Apotheken-Betriebsstätten mit
durchschnittlich zehn Mitarbeitenden - also mindestens 3.500
Angestellten. Bundesweit sind den Verbänden zufolge 160.000 Menschen
bei Apotheken beschäftigt.
Was wollen die Apotheker mit dem Protest erreichen?
Die Apotheker wollen vor allem ihre Existenzen sichern. Sie seien
seit Jahren unterfinanziert, sagen die Verbände dazu. «Seit 13 Jahren
wurde das Honorar bei der Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten
nicht mehr angepasst», sagte Jörn Graue, Vorsitzender des Hamburger
Apothekervereins, laut Mitteilung. Gleichzeitig aber seien die
Personalkosten massiv gestiegen. «Diese chronische Unterfinanzierung
hat dazu geführt, dass bundesweit fast jede fünfte Apotheke für immer
schließen musste.»
Die Bundesregierung habe im Koalitionsvertrag bereits versprochen,
die flächendeckende Versorgung durch eine faire Vergütung zu sichern.
Dieses Versprechen solle die Regierung nun endlich einlösen.
Mit den Protesten wollen die Apotheker ein Zeichen setzen: «Wir
möchten zeigen, wie es aussieht, wenn wir nicht da sind. Das ist in
der Großstadt sicherlich ein anderes Bild als auf dem Land», sagte
Lund weiter. Aber auch dort werde man das deutlich spüren. Den
Apothekern gehe es darum, die Apotheke um die Ecke zu erhalten.
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