Sonne, Mond und Sterne im April - Ostervollmond und Sternschnuppen Von Hans-Ulrich Keller, dpa
Am Nachthimmel strahlen nun Frühlings-Sternbilder. Ab Monatsmitte
lohnt es, nach Sternschnuppen Ausschau zu halten. Und der Große Wagen
ist hoch über unseren Köpfen fast im Zenit zu sehen.
Stuttgart (dpa) - Der April bringt den ersten Vollmond nach
Frühlingsbeginn: Bereits am 2. April erreicht unser Nachbar im
Weltall um 4.12 Uhr im Sternbild der Jungfrau seine Vollmondposition.
Einer alten Regel nach ist der folgende Sonntag der Ostertermin, in
diesem Jahr also der Sonntag, 5. April.
Die Berechnung des Ostervollmondes erfolgt über eine
Rechenvorschrift, die man abgekürzt als «Computus» bezeichnet. Diese
kirchliche Osterrechnung wurde auf dem Konzil von Nicaea im Jahre 325
eingeführt und im Laufe der Jahre wiederholt verbessert. Letztmals
hat sie der Göttinger Mathematiker Carl Friedrich Gauß (1777-1855)
überarbeitet und vereinfacht. Dieser Algorithmus ist unter der
Bezeichnung «Gaußsche Osterformel» bekannt.
Der damit berechnete Vollmondtermin ergibt einen zyklischen Vollmond,
der nur den Tag - ohne Uhrzeit - ermittelt. Der wahre, astronomische
Vollmondtermin enthält auch die Uhrzeit. Somit ergibt sich eine
Differenz zwischen dem zyklischen Vollmondtermin und dem Zeitpunkt
des wahren Vollmondes. Sie kann einen Tag erreichen - eine solche
gelegentliche Abweichung zwischen dem kirchlich berechneten
Osterdatum und dem tatsächlichen astronomischen Ereignis wird
Osterparadoxie genannt.
Am 7. April befindet sich der Mond mit 404.970 Kilometern in
Erdferne, während er am 19. mit 361.630 Kilometern in Erdnähe kommt.
Neumond tritt am 17. um 13.52 Uhr ein. Damit beginnt die Lunation Nr.
1278. Eine Lunation ist die Zeitspanne von Neumond bis zum nächsten
Neumond, das sind 29,5 Tage. Seit dem Neumond vom 16. Januar 1923
werden auf Vorschlag von Ernest William Brown die Lunationen
durchnummeriert.
Der Jupiter ist ein Hingucker
Glanzpunkt des Nachthimmels ist Jupiter. Der Riesenplanet steht in
der ersten Nachthälfte im Sternbild der Zwillinge hoch am Himmel. Aus
der zweiten Nachthälfte zieht sich Jupiter allmählich zurück. Ende
April erfolgt der Jupiteruntergang bereits eine Viertelstunde nach
ein Uhr morgens. In der Nacht vom 22. auf 23. wandert der zunehmende
Halbmond nördlich am Riesenplaneten vorbei.
In der fortschreitenden Abenddämmerung macht sich knapp über dem
Westhorizont die Venus als heller Lichtpunkt bemerkbar. Sie baut ihre
Stellung als Abendstern aus. Im Laufe des April verspäten sich ihre
Untergänge um eineinhalb Stunden. Allerdings nimmt auch die
Tageslänge zu, die Sonne geht immer später unter, weshalb der
Abendstern auch immer später sichtbar wird. Mars, Saturn und Merkur
bleiben im April unsichtbar.
Sternschnuppen ab Mitte des Monats
Vom 16. bis 25. April tauchen die Meteore der Lyriden auf. Der
Ausstrahlungspunkt dieses Stromes liegt im Sternbild Leier etwa
sieben Grad südwestlich von Wega, dem Hauptstern der Leier. Das
Maximum der Lyriden-Aktivität ist in der Nacht vom 22. auf 23. zu
erwarten, wobei mit rund 20 Sternschnuppen pro Stunde zu rechnen ist.
Die Meteoroide tauchen mit rund 50 Kilometern pro Sekunde
Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre ein und verglühen. Dies sind
180.000 Kilometer pro Stunde. Die beste Beobachtungszeit sind die
Stunden nach Mitternacht.
Nach Einbruch der Nacht sieht man den Großen Wagen hoch über unseren
Köpfen, fast im Scheitelpunkt oder Zenit des Himmelsgewölbes. Vom
Großen Wagen ausgehend findet man schnell den Polarstern. Man
verlängert die Strecke zwischen den beiden hinteren Kastensternen
etwa fünf Mal in der Biegerichtung der Deichsel. Dann trifft man auf
den Polarstern, auch als Nordstern bekannt. Er steht ganz in der Nähe
des Himmelsnordpols, um den sich das Himmelsgewölbe mit allen
Gestirnen täglich dreht.
Polarstern - Helfer bei der Richtungssuche
Der Polarstern ist nicht der hellste Stern am Firmament. Seine
Helligkeit ist ähnlich der Helligkeit der Wagensterne, weshalb er gut
zu erkennen ist. Der Polarstern hilft, die Himmelsrichtungen zu
finden.
Der mittlere Stern in der Deichsel des Großen Wagens heißt Mizar und
dient als Augenprüfer: Normalsichtige sollten neben Mizar ein
lichtschwaches Sternchen sehen, Alkor oder das Reiterlein genannt.
Denn Alkor reitet gewissermaßen auf der Deichsel des Großen Wagens.
Wie ein riesiger Zeigefinger deutet die Deichsel des Großen Wagens
auf einen hellen, orangen Stern am Osthimmel. Er wird Arktur - der
Bärenhüter - genannt und ist der hellste Stern im Bild des Bootes,
dem Rinderhirt. Arktur ist 37 Lichtjahre von uns entfernt.
Der Bootes treibt die sieben Wagensterne um den Himmelspol wie ein
Hirte die Ochsen um einen Göpel, eine meist tierbetriebene Apparatur,
mit der Winden oder Mahlwerke angetrieben wurden. Die alten Römer
sahen die sieben Wagensterne als Dreschochsen an, die um einen Göpel
traben, der durch den Polarstern markiert wird. Sie nannten die
Wagensterne Septemtriones, die sieben Ochsen. Die Bezeichnung
Septemtriones galt bei ihnen auch als Synonym für Norden.
Der Löwe - Herrscher des Frühlingshimmels
Den Südhimmel beherrscht der Löwe. Er ist das Leitsternbild des
Frühlingshimmels. Ein großes Sterntrapez markiert den Rumpf dieses
königlichen Tieres, ein kleines, aufgesetztes Trapez den Kopf mit der
Mähne. Der Hauptstern des Löwen heißt Regulus, was so viel wie
kleiner König bedeutet. An ihm zieht die Sonne jährlich am 23. August
vorbei. Der Löwe gehört zu den 13 Tierkreis-Sternbildern. Regulus ist
eine bläuliche, heiße Sonne in 79 Lichtjahren Entfernung.
Im Südosten ist das Sternbild Jungfrau mit ihrer bläulichen Sonne
Spica aufgegangen. Mit Spica ist das Frühlingsdreieck nun komplett.
Spica ist mit 250 Lichtjahren der entfernteste der drei Sterne des
Frühlingsdreiecks, zu dem noch Arktur und Regulus gehören.
Die Wintersternbilder verabschieden sich
Die Wintersternbilder haben weitgehend das Feld geräumt. Orion ist
eben untergegangen, Sirius ist bereits von der Himmelsbühne
abgetreten. Tief im Südwesten erinnert noch Prokyon im Kleinen Hund
an vergangene Wintertage. Noch relativ hoch im Westen steht das
Brüderpaar der Zwillinge. Die helle Kapella im Fuhrmann blinkt im
Nordwesten.
Die Sonne steigt im Tierkreis immer höher. Am 19. April wechselt sie
morgens aus dem Sternbild Fische in den Widder. Einen Tag später
tritt sie in das Tierkreiszeichen Stier. Ihre Mittagshöhe nimmt um
zehn Grad zu, die Tageslänge wächst in Hamburg um genau zwei Stunden,
in Berlin um eine Stunde und 54 Minuten und in München um eine Stunde
und 31 Minuten.
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