Bluttests bei Schwangeren: Darum geht es im Bundestag Von Sarah Knorr, dpa

Im Bundestag wird diskutiert, wie Bluttests auf Trisomien bei
Schwangeren künftig überwacht werden sollen. Wichtige Fragen und
Antworten im Überblick.

Berlin (dpa) - Der Bundestag hat sich mit Tests während einer
Schwangerschaft auf das Trisomie-Risiko befasst. In einem
fraktionsübergreifenden Antrag fordern Abgeordnete, dass die
Umsetzungspraxis der Bluttests genauer beobachtet werden soll. Am
Samstag (21. März) ist Welt-Down-Syndrom-Tag. Die Debatte verlief
sachlich und ohne sonst übliche Fraktionslinien. Einige Antworten zu
dem Thema im Überblick:

Was ist Down-Syndrom?

Down-Syndrom wird auch Trisomie 21 genannt. Dabei ist das Chromosom
21 in den Körperzellen dreifach statt zweifach vorhanden. Diese
angeborene, zufällige Veränderung ist keine Krankheit - geht aber oft
mit bestimmten gesundheitlichen und individuell unterschiedlichen
kognitiven Beeinträchtigungen einher. Auch körperliche Merkmale, wie
etwa mandelförmige Augen, sind charakteristisch. 

Was gilt bei den Tests?

Seit Juli 2022 übernimmt die Krankenkasse unter bestimmten
Voraussetzungen die Kosten für den sogenannten nicht-invasiven
Pränataltest (NIPT). Mit dem Test kann die Wahrscheinlichkeit für
Trisomie 13, 18 und 21 (Down-Syndrom) beim ungeborenen Kind bestimmt
werden. Zuvor war der Test eine Selbstzahlerleistung. 

«Ein solcher Bluttest kann dann zulasten der gesetzlichen
Krankenkasse angewendet werden, wenn im Rahmen der ärztlichen
Schwangerenbetreuung die Frage entsteht, ob eine fetale Trisomie
vorliegen könnte und die Ungewissheit für die Frau eine unzumutbare
Belastung darstellt», heißt es vom Gemeinsamen Bundesausschuss
(GBA). 

Was passiert bei den Tests?

Ab der zehnten Schwangerschaftswoche kann Schwangeren eine Blutprobe
entnommen werden. Dafür wird Blut aus der Armvene abgenommen und im
Labor untersucht. «Beim NIPT auf Trisomien wird die im Blut der
Schwangeren vorhandene zellfreie fetale DNA molekulargenetisch
analysiert», schreibt der GBA. Wenn der Test unauffällig ist, sei es
«sehr unwahrscheinlich», dass das ungeborene Kind eine Trisomie 13,
18 und 21 habe.

 «Ist der Test auffällig, ist das ein starker Hinweis darauf, dass
beim Kind eine Trisomie vorliegt», schreibt der GBA. «Das Ergebnis
kann aber auch falsch sein». Bei einem positiven Befund wird eine
Abklärung empfohlen - etwa eine Fruchtwasseruntersuchung, die mit
einem geringen Risiko für eine Fehlgeburt einhergeht.

Warum gibt es eine Diskussion?

Die Tests werden zu breit in Anspruch genommen, ist die Sorge von
Kritikern. «Was ursprünglich als gezielte Untersuchung gedacht war,
entwickelt sich zunehmend zu einem flächendeckenden Screening», sagte
der CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger im Bundestag.

«Aktuelle Zahlen belegen, dass der NIPT schon jetzt zur
Regeluntersuchung in der Schwangerschaftsvorsorge geworden ist», sagt
Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und frühere
Bundesgesundheitsministerin, laut Mitteilung. «Menschen mit
Beeinträchtigung und ihre Angehörigen fühlen sich dadurch
diskriminiert.» Der NIPT solle auf Kosten der Krankenkassen nicht
standardmäßig, sondern nur bei Risikoschwangerschaften angewandt
werden. In vielen Fällen führe die Diagnose Trisomie 21 zur
Abtreibung des Kindes. 

Im Antrag der Bundestagsabgeordneten wird auf Daten der Krankenkasse
Barmer verwiesen, nach denen fast 50 Prozent der Schwangeren 2024
einen NIPT in Anspruch genommen haben sollen. Ein Jahr zuvor seien es
32 Prozent gewesen. «Damit ist der Test faktisch zu einem
Screeningtest geworden», heißt es in dem Antrag. Die Barmer ist mit
rund 8,3 Millionen Versicherten die zweitgrößte gesetzliche Kasse.

Aus Sicht des Berufsverbands Niedergelassener Pränatalmediziner
(BVNP) müssen die Tests differenziert bewertet werden. Der GBA habe
den NIPT ausdrücklich nicht als Screening- oder Routineuntersuchung
in die Mutterschafts-Richtlinien aufgenommen, sondern als Test für
begründete Einzelfälle, sagt Thomas von Ostrowski vom BVNP. In der
Praxis zeige sich jedoch ein anderes Bild. «Die verfügbaren
Routinedaten weisen darauf hin, dass der NIPT inzwischen in einem
Umfang genutzt wird, der funktional einer Screening-Situation
nahekommt.» 

Die Debatte sei wichtig, sagt Marcus Graubner, Vorsitzender des
Allgemeinen Behindertenverbandes in Deutschland (ABID). Denn die
Gesellschaft sei vielfältig und dazu gehöre auch ein Leben mit
Behinderung. «Wir brauchen eine gesellschaftliche Situation, wo
Kinder mit Trisomie 21 nicht als Stigma angesehen werden, sondern als
eine Bereicherung», so Graubner.

Was passiert im Bundestag? 

Die Initiative, die von Parlamentariern von CDU, CSU, SPD, Grünen und
Linken unterstützt wird, zielt auf eine genauere Untersuchung der
Umsetzung. Konkret sieht ein Antrag der Gruppe vor, dass das
Parlament die Regierung zu einem Monitoring auffordern soll, um zu
belastbaren Daten zu kommen. Außerdem solle ein Expertengremium
eingesetzt werden, das rechtliche, ethische und gesundheitspolitische
Grundlagen der Kassenzulassung prüft. Über den Antrag soll nun
zunächst in den Ausschüssen beraten werden.

Bereits 2024 gab es in der vergangenen Wahlperiode einen Anlauf für
eine solche Initiative. Es kam dann aber zur vorzeitigen Auflösung
des Bundestags wegen des Bruchs der Ampelkoalition.

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