Ex-RKI-Chef dankt Mehrheit für Unterstützung in Pandemie
In der Corona-Pandemie verloren manche ihr Vertrauen ins offizielle
Krisenmanagement. Wie erklärt einer der obersten Krisenmanager von
damals das Misstrauen in Teilen der Bevölkerung?
Berlin (dpa) - Der damalige Präsident des Robert Koch-Instituts
(RKI), Lothar Wieler, hat ein gemischtes Fazit zum deutschen
Krisenmanagement in der Corona-Pandemie gezogen. Eine unzureichende
Datenlage etwa zur Krankheitslast habe zur Verunsicherung der
Bevölkerung in Deutschland beigetragen, sagte Wieler in einer
Anhörung der Enquete-Kommission des Bundestags zur Aufarbeitung der
Gesundheitskrise.
Ausdrücklich dankte Wieler «der großen Mehrheit» in Deutschland,
«deren kontinuierliche Unterstützung die Eindämmung der
Covid-19-Pandemie erst ermöglicht hat». Anfangs sei die Unterstützung
«außerordentlich groß» gewesen. Aber: «Die Unterstützung der
Bevölkerung ließ im Laufe der Pandemie nach», so Wieler.
Warum Vertrauen nachließ
Der frühere RKI-Präsident machte auf mögliche Gründe aufmerksam. So
habe man zwar gewusst, dass die Impfungen weltweit Millionen
Todesfälle verhinderten. Zahlen zur Wirksamkeit der Impfungen in
Deutschland hätten mangels ausreichender Daten aber erst mit
Verzögerung vorgelegt werden können, sagte Wieler. «Dies verzögerte
wichtige Erkenntnisse im Inland und sorgte für Unsicherheit.»
Der ehemalige RKI-Chef sagte: «Die Pandemie hat wichtige Lernprozesse
angestoßen.» Ausgebaut werden sollten der öffentliche
Gesundheitsdienst sowie die Kapazitäten des RKI und der anderen
zentralen Einrichtungen, forderte der Professor am
Hasso-Plattner-Institut. Für Wieler wichtig: eine «Verbesserung der
Gesundheitsdaten-Infrastruktur». Diese Informationen müssten in viel
stärkerem Maß automatisiert fließen sowie - «ohne exzessiven
Datenschutz» - verknüpft und ausgewertet werden können. Dies sei
wichtig für ein besseres Krisenmanagement. «Das ist aber auch
Grundlage für gesellschaftliches Vertrauen», mahnte Wieler. Hierfür
fehlten noch finanzielle, technische und gesetzliche
Voraussetzungen.
Stiko-Chef: Ressourcen nicht ausreichend
Auch der Intensivmediziner Christian Karagiannidis mahnte besser
nutzbare und automatisierte Daten an. Nutzen aus den damals
entwickelten Maßnahmen ziehe man heute etwa beim Abwassermonitoring,
bei dem Viruslast in Abwasser gemessen wird.
Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Reinhard
Berner, hob die Rolle des unabhängigen Gremiums hervor, das im Lauf
der Pandemie 25 Empfehlungen veröffentlicht habe. Er wies darauf hin,
dass die Ressourcen der Stiko-Geschäftsstelle für einen Pandemiefall
nicht ausreichend seien. Stärker berücksichtigt werden müssten
Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen.
Der Toxikologe Helmut Sterz machte deutlich, dass er damalige Studien
zu Corona-Impfstoffen als unzureichend einschätzt. Die Sicherheit der
Vakzine sei nur «vorgetäuscht» worden. Die Infektiologin Maria
Vehreschild kritisierte aus ihrer Sicht teils suboptimale Bedingungen
für Forschungsbereiche, die für Gesundheit und Pandemiebekämpfung
zentral seien.
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