Schonende Therapie für Pferde: Solarium und Aquatraining Von Britta Körber und Philipp Schulze , dpa
Unweit des Reitermekkas Luhmühlen gehen auf einem Hof im Landkreis
Harburg teure Sport- und Freizeitpferde in Therapie. Die behutsamen
Methoden kommen gut an.
Eyendorf (dpa/lni) - Carmina kämpft sich mit langen Schritten durch
das bis zum Oberschenkel ansteigende Wasser. Etwa 20 Minuten muss die
Hannoveraner Stute mit hochgebundenem Schweif auf dem
Unterwasserlaufband durchhalten, dann lässt Trainerin Gabi Milkereit
es langsam wieder abfließen. Die Stute wird zum Ende hin unruhiger,
der Kopf schwenkt hin und her, sie hat genug vom Treten zum
Muskelaufbau.
«Die Pferde gehen da gern rein und lernen es schnell», erklärt Andrea
Engeler-Bading, Dressurreiterin und Besitzerin des Hofes Fehmbusch,
einer Therapiestation für Pferde. «Es ist anstrengend, richtig Arbeit
im Wasser, aber auch angenehm für sie», erzählt die 40-Jährige,
«manche mögen das sehr, planschen und freuen sich ihres Lebens».
Kein Muskelkater nach Aqua-Jogging
Nach drei Knieoperationen probierte sie im Neoprenanzug selbst die
Rehabilitation der Vierbeiner für sich aus. «Man hat hinterher keinen
Muskelkater, aber müde Muskeln», beschreibt die gebürtige Schweizerin
das Gefühl.
Das gelenkschonende Üben bei sanftem Widerstand bringe auch viel für
die Kondition. In die Aqua-Box kommen die Patienten erst, wenn sie im
Schritt lahmfrei sind, je nach Verletzung wird die Wasserhöhe
gesteigert. Hinterher werden sie mit Kamillosan abgewaschen - zur
Desinfektion und zum Schutz.
Carmina lebt schon eineinhalb Jahre auf dem Hof in Eyendorf im
Landkreis Harburg. Sie leidet an einem chronischen
Fesselträgerschaden. Möglicherweise aus Überlastung. «Trainer und
Besitzer müssen gar nichts falsch gemacht haben», erklärt
Engeler-Bading, «manchmal ist es einfach eine falsche Belastung». Die
Stute wurde einst vielseitig geritten, in der Dressur ausgebildet und
fürs Springen.
Sport- und Freizeitpferde in der Rehabilitation
Täglich wird sie nun in der Reithalle im Kreis herumgeführt, bekommt
kleine Impulse per Hand von den Trainern, damit sich die Haltung
verbessert. In der Fachsprache nennt es sich tensegrales Training -
ein ganzheitlicher, physiotherapeutischer Ansatz für Pferde, um
Verspannungen zu lösen.
«Man löst Strukturen und gibt dem Pferd eine andere Stabilität, der
Körper wird elastisch gehalten. Es ist ein wenig wie Pilates für
Pferde», erklärt Engeler-Bading. Als Carmina nach Eyendorf kam,
konnte sie überhaupt nicht mehr geritten werden. Nun, nach eineinhalb
Jahren Pflege, ist sie wieder so weit.
Das Reitermekka Luhmühlen ist um die Ecke, viele Besitzer schauen auf
dem Hof in Eyendorf mit ihren Sportpferden einmal wöchentlich zum
Aqua-Training vorbei. Auch eine Hamburger Pferdebesitzerin besucht
ihren Schützling, überzeugt sich von seinen Fortschritten im
stationären Aufbautraining. «Es gibt nicht so viele gute
Therapieställe, dieser hat einen guten Ruf, sie geben sich viel
Mühe», bestätigt sie. «Man sieht die Verbesserung am
Bewegungsablauf.»
Die 38 Boxen des Gestüts sind voll. «Ich versuche, keinem absagen zu
müssen», erzählt Engeler-Bading. «Es gibt wenige Wochen im Jahr, wo
ich freie Boxen habe». Zur Hand gehen ihr sieben Mitarbeiter auf dem
weitläufigen Gelände.
Kutschpferde werden auf die Saison vorbereitet
Kutscherin Britta Alpers aus Döhle kommt im Winter jeden Freitag mit
dem Gespann Bella und Bommel zum Wassertreten. Das bereitet die
Alt-Oldenburger Warmblüter auf die anstrengende Saison in der
Lüneburger Heide vor. «Das ist eine tolle, schonende Geschichte für
den Muskelaufbau», sagt Alpers, die auch darauf achtet, ihre
Vierbeiner in der gerade begonnenen Saison nicht zu viel zu
belasten.
Ihre Pferde haben eine Drei-Tage-Woche, dazu bekommen sie alle eine
Mittagspause, um zu fressen. Bei der siebenjährigen Bella bemerkte
die erfahrene Kutscherin vor einiger Zeit eine Muskelschwäche an
einem Bein. Tierärzte halfen ihr bei dem Stellungsfehler nicht
weiter, die Therapie von Engeler-Bading schon. Innerhalb von vier
Monaten war die Fehlbelastung behoben. «Ich schwöre darauf, die haben
so vielfältige Möglichkeiten», meint Alpers.
Das Programm habe ihr auch viele Tierarztkosten erspart. Zur
Prophylaxe reitet Engeler-Bading einmal die Woche auf Bella im
Sattel. Bei Übungen wie dem Seitwärtsreiten wird die Stute besonders
trainiert.
Solarium, Eisbäder und Salzkammer
An der Gerätestation ist auch ein höhenverstellbares Solarium
angebracht. Die Wärme soll die Muskeln vor der Reha-Arbeit aufwärmen,
erzählt Milkereit, die die Therapiestation leitet. Eisbäder,
Laserduschen und Magnetfelddecken sind andere Variationen in der
täglichen Arbeit. «Mir war das Gesunderhalten immer wichtig», meint
Engeler-Bading, die den Hof vor zehn Jahren aufbaute. «Es gibt diesen
Grundsatz: «Wer richtig reitet, betreibt Tierschutz», das finde ich
richtig.»
Auch Tiere mit Atemwegproblemen finden ihren Weg zu dem
abgeschiedenen Grundstück. In einer Salzkammer werden Husten und
Schleim behandelt. 45 Minuten atmen die Pferde das trockene Salz ein.
«Das hilft unheimlich. Je trockener das Salzmolekül, umso tiefer kann
es eindringen», sagt die Pferdephysiotherapeutin.
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