Studie: Jede dritte Frau erlebt Hürden beim Schwangerwerden

Warum das Alter bei der Familiengründung eine entscheidende Rolle
spielt und weshalb Forscherinnen mehr Aufklärung über Risiken und
Möglichkeiten fordern.

Wiesbaden (dpa) - Fast jede dritte Frau im reproduktiven Alter hat
einer aktuellen Studie zufolge Schwierigkeiten beim Schwangerwerden.
Zu diesem Ergebnis kam das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung
(BiB), das sogenannte Fertilitätsbarrieren untersucht hat. Demnach
berichteten rund 28 Prozent der befragten Frauen innerhalb eines
Zeitraums von zehn Jahren über Infertilität - das heißt, dass eine
Schwangerschaft nur verzögert eintritt oder ausbleibt.

Der Studie zufolge gaben weitere 9 Prozent an, eine oder mehrere
Fehlgeburten erlebt zu haben. «Die Ergebnisse zeigen, dass etwa jede
dritte Frau im reproduktiven Alter biologische Fertilitätsbarrieren
erlebt», sagte Studienmitautorin Nadja Milewski.

Für die Analyse wurden Daten des Familienpanels «pairfam»
ausgewertet. Insgesamt begleiteten die Forscherinnen und Forscher
1.862 Frauen aus drei Geburtskohorten über einen Zeitraum von zehn
Jahren. Eine Geburtskohorte ist eine Gruppe von Menschen, die meist
im selben Jahr geboren wurden.

Deutliche Unterschiede bei Frauen ab 35 Jahren 

Ein zentraler Faktor ist laut Studie das Alter bei der
Familiengründung. In den vergangenen Jahrzehnten ist das
durchschnittliche Alter von Müttern demnach beim ersten Kind in
Deutschland auf 30,4 Jahre gestiegen. Die Väter seien meist noch
älter. Mit zunehmendem Alter nehme jedoch das Risiko für Infertilität

und Schwangerschaftsverluste deutlich zu.

«Das Risiko, dass Kinderwünsche unerfüllt bleiben, ist bei den Frauen

ab 35 Jahren erheblich», betonte Milewski. So haben in der
Altersgruppe ab 35 Jahren bereits 47 Prozent der Frauen - also fast
jede zweite - «Fertilitätsbarrieren» erlebt. Nur 8 Prozent der Frauen

in diesem Alter haben ohne solche Probleme ein Kind bekommen.

In der mittleren Altersgruppe - etwa zwischen Mitte 20 und Mitte 30 -
sieht das deutlich anders aus: Rund 63 Prozent dieser Frauen bekamen
innerhalb von zehn Jahren mindestens ein Kind.

Autorinnen empfehlen Aufklärung

Die Autorinnen der Studie sehen Handlungsbedarf in der Aufklärung.
«Ein realistisches Verständnis darüber, wie das Alter das Risiko
beeinflusst, kann Frauen und Männer bei der Familienplanung
unterstützen», sagte Mitautorin Jasmin Passet-Wittig.

Zugleich verweisen die Forschenden darauf, dass neben strukturellen
Faktoren wie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch biologische
und nicht planbare Einflüsse eine wichtige Rolle spielen. Wissen über
Möglichkeiten und Grenzen der Reproduktionsmedizin könne helfen,
informierte Entscheidungen zu treffen - «ohne normative Vorgaben dazu
zu machen, wann oder ob Kinder zu bekommen sind», heißt es in der
Studie.

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