Fehlendes US-Geld gefährdet Tuberkulose-Bekämpfung

Tuberkulose ist die tödlichste Infektionskrankheit der Welt. Die Zahl
der Todesfälle ist in den vergangenen Jahren stark gesunken - aber
nicht genug.

Würzburg (dpa) - Die weltweite Bekämpfung von Tuberkulose befindet
sich zwischen Hoffen und Bangen. Trotz eines guten Trends könnte es
wieder deutlich mehr Todesfälle geben, befürchtet die Deutsche Lepra-
und Tuberkulosehilfe DAHW mit Sitz in Würzburg. Grund sind
weggebrochene Finanzmittel. Im vergangenen Jahr fiel mit den USA ein
zentraler Geldgeber weg, heißt es von der DAHW. Seither könnten sich
viele Länder Labortests, Röntgenuntersuchungen und spezielle
Therapien nur noch eingeschränkt leisten.

Studien prognostizieren, dass die fehlenden Gelder in den kommenden
fünf Jahren zu bis zu 11 Millionen mehr Neuerkrankungen und zu bis zu
2 Millionen mehr Todesfällen führen könnten, darunter viele Kinder.
 

USA bisher Hauptgeldgeber

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO hatten die US-Gelder zuvor die
Hälfte aller internationalen Finanzmittel in diesem Bereich
ausgemacht. Bilaterale Unterstützung an einzelne Länder hätten die
USA nun komplett eingestellt. Die Mittel für den globalen Fonds seien
um 11 Prozent reduziert worden. Besonders Länder mit bisher hohen
direkten Finanzzuschüssen der USA wie Sambia, Kambodscha und Malawi
dürften das spüren.

«Tuberkulose wird oft als Krankheit der Vergangenheit wahrgenommen -
das Gegenteil ist richtig», sagt DAHW-Vorstand Patrick Georga
anlässlich des Welttuberkulosetages am 24. März. «Wenn TB-Programme
ausreichend finanziert werden, sinken die Infektionszahlen. Wenn
Mittel fehlen, sterben Menschen. Es liegt am politischen Willen.» 

Weit hinter WHO-Zielen zurück

Dabei befindet sich die Tuberkulosebekämpfung eigentlich auf einem
guten Weg - zumindest teilweise: Im Jahr 2024 sind die Fallzahlen
erstmals sei dem Start der Corona-Pandemie 2020 wieder gesunken. Vor
allem im langjährigen Vergleich stehen die Zeichen auf Hoffnung. Die
Neuerkrankungen sind laut WHO seit 2015 um 12 Prozent zurückgegangen,
die Todesfälle um 29 Prozent. 

Allerdings bleibt die Entwicklung weit hinter den Zielen zurück:
Angestrebt waren eigentlich 50 Prozent weniger Neuerkrankungen und 75
Prozent weniger Todesfällen bis 2025. Die Einschnitte in der
Finanzierung treffen daher besonders stark.

Schon bisher gab es weniger Geld für Prävention, Diagnostik und
Behandlung als geplant. Bis zum kommenden Jahr sollten laut WHO
eigentlich 22 Milliarden US-Dollar jährlich bereitstehen - aber 2024
waren es nur knapp 6 Milliarden, also weniger als ein Viertel. «Die
Finanzierung bleibt grob unzureichend», heißt es von der WHO. 

In Deutschland selten, aber nicht ausgestorben

Tuberkulose ist laut WHO die am häufigste tödliche
Infektionskrankheit der Welt. Weltweit erkrankten 2024 etwa 11
Millionen Menschen. Mehr als 1,2 Millionen Menschen starben. Damit
zählt Tuberkulose zu den weltweit zehn häufigsten Todesursachen.
Besonders betroffen sind Länder wie Indien, Indonesien, China,
Pakistan und die Philippinen.

Ohne Behandlung bedeutet die Infektion für fast jeden zweiten
betroffenen Mensch den Tod. Die Behandlung hingegen führt bei 9 von
10 Personen zur Heilung. Auch Impfungen sind in der Entwicklung.

In Deutschland gab es laut Robert Koch-Institut (RKI) 2024 knapp 4400
Fälle. Sechs Jahre zuvor waren es noch 5500 gewesen. Ein Großteil der
Patientinnen und Patienten hat einen Migrationshintergrund. Im
internationalen Vergleich ist Tuberkulose in Deutschland selten. 

Tuberkulose-Tag am 24. März

Tuberkulose kann unter anderem über die Luft übertragen werden. Zu
den Symptomen zählt vor allem Husten. Andere Symptome wie
Brustschmerzen oder Appetitverlust können hinzukommen. Die Bakterien
können neben der Lunge auch andere Organe befallen. «Bei Symptomen
wie länger bestehendem Husten, Nachtschweiß, Fieber und
Gewichtsabnahme sollte immer auch an Tuberkulose gedacht werden»,
heißt es vom RKI. 

Der Tuberkulose-Gedenktag fällt auf den 24. März, da das Bakterium am
24. März 1882 entdeckt wurde.

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