Geburtsraum darf wegen lauter Schreie nicht genutzt werden
Wegen angeblicher Lärmbelästigung darf ein zentraler Raum im
Geburtshaus Trier nicht mehr für Geburten genutzt werden. Was das für
Schwangere und das Team bedeutet.
Trier (dpa/lrs) - Ein neues Geburtshaus in Trier bangt nach einem
Rechtsstreit um seine Zukunft: Die Einrichtung darf ihren großen
Geburtsraum nach der Klage eines Nachbarn wegen angeblich lauter
Schreie von Gebärenden nicht mehr für Entbindungen nutzen. «Die
Entscheidung hat uns schockiert. Wir können nun nicht mehr so viele
Frauen annehmen», sagte die Geschäftsführerin des Geburtshauses,
Sarah Wolff.
Was ist passiert? Der Nachbar hatte sich wegen Lärms belästigt
gefühlt. Seine Wohnung liegt etwa zehn Meter von dem Geburtszimmer
entfernt. Daher hatte der Mann laut Verwaltungsgericht Trier gegen
eine von der Stadt Trier erteilte Baugenehmigung zur Umnutzung von
Studentenwohnungen in ein Geburtshaus geklagt. Das Geburtshaus hatte
im Sommer 2025 eröffnet.
Raum soll jetzt als Vorsorgeraum genutzt werden
In einer mündlichen Verhandlung hatte das Gericht jüngst darauf
hingewiesen, dass bei diesem Raum bei der Erteilung der
Baugenehmigung möglicherweise die Nachbarrechte nicht genügend
berücksichtigt worden seien. So habe es vorher dort keine
Schallmessungen zum Nachbarn gegeben. Fakt sei, dass sich dieser
Geburtsraum an einer Engstelle zum Nachbarn befinde.
Nach diesem Hinweis hatte sich der Bauträger des Geburtshauses bereit
erklärt, den Raum nicht mehr als Geburtsraum, sondern als
Vorsorgeraum zu nutzen. Daraufhin hätten die Beteiligten den
Rechtsstreit für erledigt erklärt, sagte eine Gerichtssprecherin.
Daher habe es auch kein Urteil vom Gericht gegeben.
Geburtshaus: «Schreien ist der Ausnahmefall»
Nun kämpft das Geburtshaus mit den Folgen. Man habe noch einen
anderen kleineren Geburtsraum, sagte Wolff. Dieser verfüge aber nicht
über eine feste Badewanne. Die große Wanne sei für das Geburtshaus
sehr wichtig, da sie die größte schmerzlindernde Maßnahme für die
Mütter darstelle. «Wir geben hier keine Schmerzmittel, keine
Medikamente.»
Seit der Eröffnung des Hauses habe es 34 Geburten gegeben. «Bei uns
schreien die Frauen einfach hier nicht», sagte sie. Schreien sei der
Ausnahmefall: «Und das ist wenn, wirklich nur ganz kurz, wenn der
Kopf rauskommt.» Zudem habe man in der Regel auch die Fenster
geschlossen. Nur zwischen den Wehen könne man «stoßlüften».
Nach Angaben des Gerichts gibt es in der Einrichtung neben den beiden
Geburtsräumen noch weitere Räume.
In dem Geburtshaus finden Geburten statt, die von Hebammen geleitet
werden. Ein Arzt sei nicht dabei. «Wir haben also nur Geburten, bei
denen es kein Risiko gibt», sagte Wolff. Das Angebot nutzen Frauen
nicht nur aus Trier, sondern auch aus der Eifel, dem Saarland und
Luxemburg.
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