Unfallflucht auf Pisten - Skifahrer bleiben oft unerkannt Von Sabine Dobel, Albert Otti und Christiane Oelrich, dpa
Crash auf der Skipiste - und der andere fährt einfach weiter? Warum
Fahndungen nach Unfallfahrern oft im Sande verlaufen und welche
Strafen drohen.
Garmisch-Partenkirchen/Innsbruck (dpa/lby) - Die Kurve nicht
gekriegt. Zusammenstoß. «Entschuldigung! Alles ok?» Und weiter
geht's. So enden viele Kollisionen von Wintersportlern auf Pisten.
Meistens geht es ja glimpflich aus. Doch in manchen Fällen gibt es
Verletzungen - und trotzdem fährt der Unfallpartner einfach weiter.
Unfallflucht auf Skipisten beschäftigt immer wieder die Alpinpolizei.
Der Ermittlungsaufwand ist hoch - die Aufklärungsrate eher niedrig.
In der vergangenen Saison zählten die Beamten in den Skigebieten in
Oberbayern von Berchtesgaden bis Garmisch-Partenkirchen 96 Unfälle
mit Fremdverschulden. In elf Fällen fuhren die Unfallverursacher
einfach davon, wie Leonhard Habersetzer, Leiter der Alpinen
Einsatzgruppe West bei der Grenzpolizeiinspektion Murnau, berichtet.
Die allermeisten blieben unerkannt - nur in drei oder vier Fällen
seien die Unfallfahrer ermittelt worden. Vieles sei auch Dunkelfeld:
Oft komme ein solcher Unfall gar nicht zur Anzeige, die Betroffenen
gingen einfach zum Arzt.
Bußgeld und Strafverfahren
Doch Unfallflucht ist auch auf der Piste kein Kavaliersdelikt. Je
nach Fall können Strafverfahren drohen, etwa wegen fahrlässiger
Körperverletzung, unter Umständen auch wegen unterlassener
Hilfeleistung.
Außerdem können in Bayern Bußgelder wegen einer Ordnungswidrigkeit
fällig werden. Nach Artikel 24 des Landesstraf- und
Verordnungsgesetzes (LStVG) gilt das, wenn sich ein Skifahrer,
Skibobfahrer oder Rodler grob rücksichtslos verhält, Leib oder Leben
eines anderen gefährdet - oder sich als Beteiligter vom Unfallort
entfernt, bevor er mindestens seine Personalien hinterlassen hat.
In Österreich an die 20 Prozent Unfallflucht
In Österreich mit einem Vielfachen an Pistenkilometern sind die
Zahlen deutlich höher als im südlichen Oberbayern. Im Bundesland
Tirol registrierte die Polizei in diesem Winter bisher etwa 1.600
Vorfälle auf Pisten und gesicherten Tiefschneehängen. Der Anteil der
Unfälle mit Fahrerflucht liege bei etwa 18 bis 20 Prozent, sagt
Viktor Horvath, Leiter der Tiroler Alpinpolizei. Das sei auch in
vergangenen Jahren so gewesen.
Unbekannte Unfallbeteiligte ausfindig zu machen, sei besonders in
großen Skigebieten mit vielen Tausenden Gästen sehr schwierig.
Allerdings, so sagen Habersetzer und auch sein österreichischer
Kollege Horvath: Nicht alle Gesuchten fliehen bewusst. Manche
bemerkten gar nicht, dass sie jemanden auf der Piste geschnitten und
damit zu Sturz gebracht hätten, sagt Horvath. Andere würden nach
einem Unfall im Schock weiterfahren. Laut Horvath kommt es auch immer
wieder vor, dass zwei Wintersportler zusammenkrachen und keine Daten
austauschen, weil sie im ersten Moment keine Schmerzen spüren.
«Nadel im Heuhaufen»
In Bayern rücken die Beamten nur aus, wenn sie konkret alarmiert
werden. Sie müssen also erst einmal im Skigebiet ankommen. Trage ein
gesuchter Unfallgegner nicht gerade einen «roten Helm mit
quietschgelben Klamotten», werde es kompliziert - vor allem bei viel
Betrieb in den Ferien oder an Wochenenden. Bei einer Beschreibung wie
«schwarze Hose, blaue Jacke» sei das «wie die Nadel im Heuhaufen»,
sagt Habersetzer.
Teilweise würden für die Ermittlungen Aufnahmen von Webcams
herangezogen, teilweise Liftpersonal befragt - oder Liftkarten
ausgelesen. Selbst wenn jemand gefunden werde, müssten Zeugen
ausfindig gemacht und vernommen werden.
Dabei hat die Alpinpolizei immer mehr zu tun. «Wir stellen fest, dass
die Unfallzahlen tendenziell nach oben gehen und damit auch die
Unfallfluchten. Wir haben das Problem, dass wir sehr viele Skifahrer
auf der Piste haben», sagt Habersetzer. Bei steigender Zahl der
Skifahrer und Snowboarder werde das Fahrkönnen insgesamt schlechter.
Schweiz ohne Fahrerflucht-Probleme
Anders stellt sich die Lage in der Schweiz dar. Dort berichten
Polizeibehörden bislang nicht von besonderen Problemen mit
Fahrerflucht auf Pisten.
«Wir stellen keine Häufung von Fahrerflucht fest. Wenn etwas
verursacht wird, wird in der Regel auch dageblieben. Wir erleben
keinen Wildwuchs. Problem bei Unfällen ist vielmehr die
Selbstüberschätzung. Das Material wird immer besser, man kann immer
schneller fahren, aber das Können wird selbst überschätzt», sagt
Polizeisprecher Markus Walser aus Graubünden.
Polizeisprecher Daniel Imboden sagt für Wallis: «Das ist bei uns kein
Thema. In der Regel haben wir klassische Fahrerflucht nicht.»
Skistock-Schlägerei
Ein für Habersetzer neues Phänomen sind handgreifliche
Auseinandersetzungen auf der Piste. In einem Fall habe es in dieser
Saison eine Prügelei an einer Liftschlange gegeben, in einem anderen
seien zwei Wintersportler mit Skistöcken aufeinander losgegangen.
Experten sehen eine niedrigere Schwelle für Gewalt auch in anderen
Bereichen der Gesellschaft, etwa in der Kommunalpolitik. Dort
scheinen Politiker öfter Opfer tätlicher Angriffe zu werden als
früher.
Oben wie unten
Wie im Tal, so am Berg - so sieht es der Sprecher der Bergwacht
Bayern, Roland Ampenberger. Freiheit, Verantwortung, Respekt und
Rücksicht wünschten sich alle. «Immer dann, wenn es eng wird, stehen
diese Werte jedoch in Frage oder es kommt zur Missachtung. In der
Stadt, auf der Autobahn, genauso aber auch am vollen Parkplatz, auf
der Skipiste, an übervölkerten Gipfeln und Anstiegen, sommers wie
winters», sagt Ampenberger.
Bei ihren jährlich bis zu rund 8.500 Einsätzen begegne die Bergwacht
in Bayern immer wieder diesem Phänomen. Die Berge seien hier
grundsätzlich keine Ausnahme. «Dennoch sind Entgleisungen sicherlich
weniger anzutreffen als in der urbanen Welt. Die Freiheit am Berg
fordert von uns, Verantwortung zu übernehmen, im Notfall zu helfen
und auf andere zu achten.»
BKK firmus: Auch 2026 günstigste Krankenkasse
In drei Minuten in die BKK firmus wechseln: Nutzen Sie das Online-Beitrittsformular der BKK firmus. Wechseln Sie schnell, sicher und bequem online.
Online-Wechsel: In drei Minuten in die TK
Online wechseln: Sie möchten auf dem schnellsten Weg und in einem Schritt der Techniker Krankenkasse beitreten? Dann nutzen Sie den Online-Beitrittsantrag der TK. Arbeitnehmer, Studenten und Selbstständige, erhalten direkt online eine vorläufige Versicherungsbescheinigung. Die TK kündigt Ihre alte Krankenkasse.