Operation mit 3D-Bild - wie eine Rentnerin den Krebs besiegt
Antonie Deussen galt als hoffnungsloser Fall. Bis Ärzte mit einer
besonderen Technologie ihr Leben retteten - und sie sich selbst ein
Traum erfüllt.
Oldenburg/Hinte (dpa/lni) - Antonie Deussen sollte längst tot sein.
«Ich wurde mehr oder weniger abgeschrieben», erinnert sich die
79-Jährige aus Hinte (Landkreis Aurich). Ihre Ärzte hatten keine
Hoffnung mehr und empfahlen ihr eine palliative Behandlung. «Ich
hatte innerlich mit allem abgeschlossen.» Doch es kam anders: Dank
Holomedizin ist die Rentnerin wieder gesund.
Mit der Methode arbeitet das Oldenburger Pius-Hospital als eines von
weltweit fünf Holomedizin-Zentren. Dabei setzen Mediziner spezielle
Brillen auf, mit der sie Organe von Patienten dreidimensional vor
sich in der Luft sehen, vergrößern und wenden können. Möglich ist d
as
mit Augmented Reality: Mit einer Software werden radiologische Bilder
in dreidimensionale Hologramme umgewandelt. Dank der Technologie
können die Ärzte Tumore besser erkennen und entsprechend operieren.
Vom Versuchskaninchen zur Erfüllung eines Lebenstraums
Die vernichtende Diagnose kam 2019, wie Deussen erzählt. Darmkrebs,
auch die Leber war betroffen. «Wenn man hört: Da kann man nichts mehr
machen, das muss man palliativ behandeln ... .» Die Stimme der
79-Jährigen bricht ab. «Man weiß: Das kann auf einmal ganz schnell
gehen.» Ein Arzt überbrachte ihr die schlechte Nachricht. «Er hat
gesagt: Mein Gott, da kann man nicht drangehen. Die Leber sieht ja
aus wie ein Schweizer Käse.»
Doch ihr Sohn wollte sich damit nicht abfinden - und kam zufällig mit
einem Spezialisten der Oldenburger Klinik ins Gespräch, die den
Eingriff mit Holomedizin wagten. Antonie Deussen war eine der ersten
Patientinnen der Studie. «Es war mir bewusst, dass ich so eine Art
Versuchskaninchen sein werde», sagt die 79-Jährige. «Aber wenn man
keine andere Wahl hat, dann riskiert man alles.» Nach einer ersten
Operation kam der Krebs zurück, Deussen vertraute sich ein weiteres
Mal den Ärzten an.
Seitdem gehe es ihr viel besser, sagt Deussen. «Ich habe wirklich das
Gefühl, als hätte ich ein zweites Leben geschenkt gekriegt.» Die
Rentnerin nützt ihre Zeit für eine Reise nach Island. «Das war schon
immer mein Traum.» An manchen Tagen könne sie ihr Glück kaum fassen.
«Da bin ich selber ganz perplex.»
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