Unfallflucht auf Pisten - Skifahrer bleiben oft unerkannt
Crash auf der Skipiste - und der andere fährt einfach weiter? Warum
Fahndungen nach Unfallfahrern oft im Sande verlaufen und welche
Strafen drohen.
Garmisch-Partenkirchen/Innsbruck (dpa) - Unfallflucht auf Skipisten
beschäftigt immer wieder die Alpinpolizei. Der Ermittlungsaufwand ist
hoch - die Aufklärungsrate eher niedrig. In der vergangenen Saison
zählten die Beamten in den Skigebieten in Oberbayern von
Berchtesgaden bis Garmisch-Partenkirchen 96 Unfälle mit
Fremdverschulden. In elf Fällen fuhren die Unfallverursacher einfach
davon, wie Leonhard Habersetzer, Leiter der Alpinen Einsatzgruppe
West bei der Grenzpolizeiinspektion Murnau, berichtet.
Die allermeisten blieben unerkannt - nur in drei oder vier Fällen
seien die Unfallfahrer ermittelt worden. Vieles sei Dunkelfeld: Oft
komme ein solcher Unfall gar nicht zur Anzeige, die Betroffenen
gingen einfach zum Arzt.
Doch Unfallflucht ist auch auf der Piste kein Kavaliersdelikt. Je
nach Fall können Strafverfahren drohen, etwa wegen fahrlässiger
Körperverletzung, unter Umständen auch wegen unterlassener
Hilfeleistung. Außerdem können in Bayern Bußgelder wegen einer
Ordnungswidrigkeit fällig werden.
In Österreich mit einem Vielfachen an Pistenkilometern sind die
Zahlen deutlich höher als im südlichen Oberbayern. Im Bundesland
Tirol registrierte die Polizei in diesem Winter bisher etwa 1.600
Vorfälle auf Pisten und gesicherten Tiefschneehängen. Der Anteil der
Unfälle mit Fahrerflucht liege bei etwa 18 bis 20 Prozent, sagt
Viktor Horvath, Leiter der Tiroler Alpinpolizei. Das sei auch in
vergangenen Jahren so gewesen.
Allerdings, so sagen Habersetzer und auch sein österreichischer
Kollege Horvath: Nicht alle Gesuchten fliehen bewusst. Manche
bemerkten etwa gar nicht, dass sie jemanden auf der Piste geschnitten
und damit zu Sturz gebracht hätten, sagt Horvath. Andere würden nach
einem Unfall im Schock weiterfahren.
Fahrkönnen wird insgesamt schlechter
In Bayern rücken die Beamten nur aus, wenn sie konkret alarmiert
werden. Trage ein gesuchter Unfallgegner nicht gerade einen «roten
Helm mit quietschgelben Klamotten», werde es kompliziert - vor allem
bei viel Betrieb.
Dabei hat die Alpinpolizei immer mehr zu tun. «Wir stellen fest, dass
die Unfallzahlen tendenziell nach oben gehen und damit auch die
Unfallfluchten. Wir haben das Problem, dass wir sehr viele Skifahrer
auf der Piste haben», sagt Habersetzer. Bei steigender Zahl der
Skifahrer und Snowboarder werde das Fahrkönnen insgesamt schlechter.
Anders stellt sich die Lage in der Schweiz dar. Dort berichten
Polizeibehörden bislang nicht von besonderen Problemen mit
Fahrerflucht auf Pisten. «Wir stellen keine Häufung von Fahrerflucht
fest. Wenn etwas verursacht wird, wird in der Regel auch
dageblieben», sagt Polizeisprecher Markus Walser aus Graubünden.
Polizeisprecher Daniel Imboden sagt für Wallis: «Das ist bei uns kein
Thema. In der Regel haben wir klassische Fahrerflucht nicht.»
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