Eier knapp vor Ostern? Newcastle-Krankheit trifft Legehennen Von Monika Wendel, dpa
Plötzlich wieder da: Nach 30 Jahren trifft die Newcastle-Krankheit
große Geflügelbetriebe. Allein in Brandenburg wurden rund 1,2
Millionen Tiere getötet. Was das auch für das Eier-Angebot heißt.
Potsdam (dpa/bb) - Geflügelbetriebe sind in Alarmstimmung: Nach der
Ausbreitung der Vogelgrippe seit Herbst 2025 sorgt jetzt die
sogenannte Newcastle-Krankheit für hohe Verluste in Agrarbetrieben.
Zuletzt trat die hochansteckende Tierseuche vor rund 30 Jahren in
Deutschland auf. «Die Infektionen kamen aus heiterem Himmel», sagte
Brandenburgs Landesbauernpräsident Henrik Wendorff der Deutschen
Presse-Agentur.
Seit Ende Februar mussten bereits rund 1,2 Millionen Tiere wegen der
Newcastle-Krankheit allein in Brandenburg getötet werden, wie das
Agrarministerium in Potsdam mitteilte. Bislang wurden fünf Fälle in
dem Bundesland gemeldet, darunter sehr große Betriebe mit Hennen, die
Eier legen.
Dazu kommen Ausbrüche in Bayern. In anderen Bundesländern wächst die
Sorge. Fälle gab es laut Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) zudem in
Polen, Tschechien und der Slowakei.
Werden Eier knapp vor Ostern?
Beim Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) hieß es:
«Das Angebot an Eiern im Handel ist zwar knapp, aber stabil.» Eier
seien in den letzten Jahren immer beliebter geworden, der
Pro-Kopf-Verbrauch sei in Deutschland auf 252 Eier im Jahr gestiegen.
«Diese hohe Nachfrage trifft auf ein geschwächtes Angebot durch das
Seuchengeschehen», sagte der Präsident des ZDG, Hans-Peter Goldnick.
Allein in zwei Legehennen-Betrieben im brandenburgischen Landkreis
Dahme-Spreewald mussten 510.000 sowie 375.000 Tiere getötet werden.
Wo liegt die Ursache?
Gegen die Newcastle-Krankheit, die wegen der ähnlichen Symptome auch
«atypische Geflügelpest» genannt wird, gilt in Deutschland eine
Impfpflicht. Wie genau das Virus in die Betriebe kommt, war bislang
nicht geklärt.
Es gibt aber mögliche Quellen: Untersuchungen aus anderen
osteuropäischen Ländern wie Polen, Tschechien und Litauen weisen dort
auf einen hohen Infektionsdruck in Geflügelhaltungen und
Kleinhaltungen hin, wie das Friedrich-Loeffler-Institut als
nationales Referenzlabor mitteilte. «Betroffen sind in Deutschland
derzeit die Bundesländer Brandenburg und Bayern, was auf einen
Eintrag beispielsweise durch Waren oder Personenverkehr aus bereits
betroffenen Regionen hindeuten könnte.»
Das Virus wird laut FLI in hohen Mengen über die Körpersekrete und
den Kot erkrankter Tiere ausgeschieden. Auch Eier könnten
kontaminiert sein.
Wieso gibt es Infektionen trotz Impfungen?
Eine Infektion ist trotz Impfung möglich. Geimpfte Tiere sind laut
den Experten allerdings schwerer zu infizieren, scheiden weniger
Virus aus und dies über einen kürzeren Zeitraum. «Wenn
Krankheitszeichen auftreten, sind sie geringer ausgeprägt. Dies
erschwert die frühzeitige Erkennung eines Seuchengeschehens im
Bestand», so das FLI. Außerdem seien Jungtiere während der
Aufzuchtphase noch nicht oder ungenügend geschützt.
Lückenhafte Impfungen sehe er nicht als Auslöser, sagte der Präsident
des Geflügelwirtschaft-Zentralverbandes, Goldnick. Es müsse ein
Erreger unterwegs sein, der nicht durch den Impfschutz abgedeckt sei,
meinte Bauernpräsident Wendorff.
Wie groß ist die Gefahr der Ausbreitung und der Schaden?
«Das passiert zur Unzeit», meinte Bauernpräsident Wendorf auch mit
Blick auf die Osterzeit. Für Legehennen-Betriebe sei es ein besonders
herber Verlust. Es dauere längere Zeit, bis die Zuchttiere ersetzt
werden könnten. «Das Loch, das dadurch entsteht, ist größer als bei
m
reinen Mastbetrieb», so Wendorff.
Wie groß der wirtschaftliche Schaden ist, konnte der
Geflügelwirtschaft-Verband bislang nicht sagen. «Für die betroffenen
Betriebe und deren Mitarbeiter sind das immer auch persönliche
Schocksituationen», so Goldnick.
Das Friedrich-Loeffler-Institut sieht derzeit eine erhöhte
Gefährdungslage für Geflügelhaltungen sowie andere Vogelhaltungen,
beispielsweise in Zoos und Tierparks, weil auch immer noch die
klassische Geflügelpest grassiert. Eine Entspannung der Lage in
Brandenburg und Bayern sei momentan nicht erkennbar.
Was ist zu tun?
Die betroffenen Landkreise legen wie bei der Geflügelpest eine
Schutz- und eine Überwachungszone fest. Sie wird im Radius von
mindestens drei Kilometern und zehn Kilometern um den
Ausbruchsbestand gezogen. Tierhalter müssen die Hygienemaßnahmen
hochfahren etwa bei der Desinfektion und der Schutzkleidung, um eine
Ausbreitung zu verhindern.
Wer Vögel hält, muss sie in eine Stallung bringen, also von
wildlebenden Tieren absondern. Vögel, Fleisch von Geflügel und Eier
dürfen innerhalb der eingerichteten Sperrzonen nicht aus dem Bestand
heraus gebracht werden. Geflügel muss verstärkt überprüft werden,
Auffälligkeiten müssen sofort dem Veterinäramt gemeldet werden.
«Wenn man sich internationale Daten anschaut, dann schneiden wir in
Deutschland mit unseren Biosicherheitsmaßnahmen im Seuchenschutz
immer gut ab», sagte ZDG-Präsident Goldnick. Jetzt sei es wichtig,
dass - vom Kleinstbetrieb mit einigen Tieren bis hin zu großen
Anlagen - alle die Maßnahmen konsequent umsetzen.
Eine Infektion des Menschen gilt als sehr selten, aber möglich. Meist
beschränken sich gesundheitliche Folgen laut Experten auf eine
Bindehautentzündung.
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