Apotheken kämpfen mit Engpässen und Online-Konkurrenz

Das Apotheken-Netz in Sachsen dünnt weiter aus. Warum Apotheken
schließen, etliche Medikamente schwer aufzutreiben sind und Apotheker
schlecht auf Günther Jauch zu sprechen sind.

Chemnitz (dpa/sn) - Stagnierende Honorare, Medikamente, die nicht
lieferbar sind, Konkurrenz durch Online-Anbieter - Sachsens Apotheker
haben mit vielen Problemen zu kämpfen. Die Folge: Gut 30 Prozent der
Apotheken schreibt nach Zahlen des Landesverbandes rote Zahlen oder
gilt wirtschaftlich als gefährdet. Deswegen werden Investitionen
zurückgestellt und haben es solche Apotheken schwer, einen Nachfolger
zu finden, wenn der Inhaber in Rente geht. Trotz alternder
Bevölkerung hält das Apotheken-Sterben an. Weitere Wege sind die
Folge. Am 23. März ist nun eine bundesweite Protestaktion geplant. 

«Die Zahl der Apotheken geht seit Jahren zurück», beklagt Reinhard
Groß, Vorstandsmitglied im Sächsischen Apothekerverband. Allein im
vergangenen Jahr haben 18 Apotheken aufgegeben, nur fünf kamen neu
hinzu. In den vergangenen zehn Jahren sind mehr als 120 Apotheken in
Sachsen von der Bildfläche verschwunden, aktuell sind es noch 864
landesweit.

Engpässe bei zahlreichen Medikamenten 

Groß selbst betreibt eine Apotheke im Zwickauer Wohngebiet
Eckersbach. Ein Grund für die Misere sei, dass die Honorare seit
vielen Jahren trotz höherer Kosten nicht angehoben wurden, erklärt
er. Seit 2013 bekämen Apotheken pro Packung 8,35 Euro. Im selben
Zeitraum seien die Betriebskosten jedoch um 65 Prozent gestiegen.
Hinzu kommen Engpässe bei zahlreichen Arzneimitteln. «Wir haben immer
noch über 500 Medikamente, die nicht oder schlecht lieferbar sind»,
erklärt Groß. Das betreffe querbeet die ganze Palette, so etwa auch
Blutdruck- und Asthma-Medikamente.

Für die Apotheker und ihre Mitarbeiter bedeute das viel Aufwand, so
der Experte. Sie müssten Ersatz organisieren, mit Ärzten
telefonieren, Dosierungen anpassen. «Das nimmt sehr viel Raum ein.»

Kritik an wachsender Konkurrenz durch Versandapotheken 

Zusätzlich wächst die Konkurrenz von Versandapotheken. Eine davon
wirbt mit dem bekannten Fernsehmoderator Günther Jauch. Dass er sich
dafür hergebe, sei sehr ärgerlich, sagt Groß. Die Anbieter betrieben

«Rosinenpickerei». Sie schöpften Umsatz ab, hätten ihren Sitz im
Ausland und leisteten anders als stationäre Apotheken keine
Notdienste oder persönliche Beratung. Vor allem durch das E-Rezept
hätten sie Auftrieb erhalten. Er sehe aber keinen Grund, in Panik zu
verfallen. «Im Bereich der Selbstmedikation hat der Versandhandel
bereits mehr als 20 Prozent Marktanteil erreicht. Bei
verschreibungspflichtigen Arzneimitteln liegt er deutlich niedriger,
etwa bei 1,5 Prozent.» 

Immerhin hat die Bundesregierung bei den Honoraren Abhilfe
versprochen. Laut Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) soll
das Fix-Honorar auf 9,50 Euro pro Packung steigen. Ihre Reform will
den Apothekern mehr Leistungen zubilligen etwa mit Blick auf
Impfungen und Vorsorge-Angeboten. Außerdem ist von Bürokratieabbau
die Rede und soll die Gründung von Zweigapotheken erleichtert
werden. 

Protesttag: Viele Apotheken bleiben geschlossen

Die Honorarerhöhung dürfe nur ein erster Schritt sein, betont Groß.
Künftig müsse die Vergütung in einem geregelten Verfahren regelmä
ßig
angepasst werden. Positiv sei auch, dass die Rolle der Apotheken im
Gesundheitssystem insgesamt gestärkt werden solle. Kritisch sehe sein
Verband aber den Vorstoß, dass Apotheken künftig zeitweise auch von
pharmazeutisch-technischen Assistenten geführt werden können. 

So eine «Apotheke ohne Apotheker» sei eine Verschlechterung der
Leistung, konstatiert Groß. Denn dann könne nicht das komplette
Spektrum angeboten werden - etwa mit Blick auf die Abgabe von
Betäubungsmitteln oder speziellen Rezepturen. «Wir wollen keine
Zwei-Klassen-Gesellschaft, sondern dass jede Apotheke die gleichen
Leistungen anbietet.» 

Sachsens Apotheker kommen an diesem Freitag und Sonnabend in Chemnitz
zum Apothekertag zusammen. Um auf aktuelle Probleme aufmerksam zu
machen, ist zudem für den 23. März ein bundesweiter Protesttag
geplant. Dann werden laut Groß viele Apotheken auch in Sachsen
geschlossen bleiben, ein Notdienst werde aber vorgehalten.

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