Kassenärztliche Vereinigung Hamburg warnt vor Sparpolitik
Weniger Termine, Aufnahmestopps und längere Wartezeiten: Das sind
laut Kassenärztlicher Vereinigung Hamburg die zu erwartenden Folgen
geplanter Kürzungen in der ambulanten Versorgung.
Hamburg (dpa/lno) - Die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH)
warnt vor dem Hintergrund geplanter Kürzungen in der ambulanten
Versorgung vor weniger Terminen, längeren Wartezeiten und
Aufnahmestopps in Arztpraxen. «Die Vertragspraxen in Hamburg leisten
heute schon deutlich mehr an Versorgung für gesetzlich Versicherte,
als sie müssten», sagt John Afful, Vorstandsvorsitzender der KV
Hamburg bei einer Pressekonferenz.
«Signifikante Anteile ihrer Leistung erhalten sie schon heute nicht
vergütet. Vor diesem Hintergrund mutet es einigermaßen befremdlich
an, wenn Kassen und Politik jetzt noch mehr Termine, mehr
Sprechstunden, mehr Praxiszeit fordern, gleichzeitig aber die
Finanzierung weiter zusammenstutzen wollen.»
Kritik an Aufhebung der Entbudgetierung der Haus- und Kinderärzte
Kritik übt die Vereinigung unter anderem, an der Rücknahme des
Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG). Dieses ist erst im Mai
2019 in Kraft getreten und soll dafür sorgen, dass Patientinnen und
Patienten schneller Arzttermine bekommen.
In Hamburg habe dieses Gesetz großen Erfolg gehabt, sagt Afful. Die
Praxen hätten sich an die Regelung angepasst und unter anderem mehr
Personal beschäftigt. Sie jetzt zu kippen, würde zu Aufnahmestopps,
weniger Terminen, längeren Wartezeiten und einem weiteren
Praxissterben führen, warnt er.
Seit dem Inkrafttreten des sogenannten
Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetzes im Oktober vergangenen Jahres
werden Leistungen von Haus- und Kinderärzten - anders als davor -
vollständig vergütet und nicht durch feste Budgets gedeckelt. Die
schwarz-rote Bundesregierung will dies nun wieder abschaffen.
Ärztlicher Nachwuchs werde abgeschreckt
Dieses Hin und Her in der Politik und die fehlende wirtschaftliche
Planungssicherheit führten auch dazu, dass angehende Ärztinnen und
Ärzte davor zurückschrecken würden, eine eigene Praxis zu öffnen,
sagt Michael Reusch, niedergelassener Facharzt für Dermatologie und
Vorsitzender der Vertreterversammlung der KV Hamburg. Und das, obwohl
das ambulante System auf ärztlichen Nachwuchs, der den Mut habe sich
niederzulassen, angewiesen sei.
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