Schnelle Regulierung von Ewigkeitschemikalien gefordert
Extrem langlebige Chemikalien belasten das Grundwasser und gefährden
laut Umweltminister Goldschmidt die Gesundheit kommender
Generationen. Ein Sonderprogramm soll Schutz und Monitoring stärken.
Hohn (dpa/lno) - Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias
Goldschmidt (Grüne) warnt davor, dass die sogenannten
Ewigkeitschemikalien PFAS ins Grundwasser gelangen. PFAS steht für
per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen - die künstlichen Chemikalien
sind sie in Alltagsprodukten wie Outdoor-Kleidung, Teflonpfannen oder
Löschschäumen enthalten.
«PFAS machen in vielen Anwendungen unser Leben leichter und sind
gleichzeitig eine schwere Hypothek für die Gesundheit künftiger
Generationen, weil sie sich im Wasser anreichern und krank machen
können», sagte der Grünen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Am
Nachmittag will der Minister das neue Spurenstoffzentrum in Reinfeld
im Kreis Stormarn besuchen.
Im Februar war bekanntgeworden, dass 31 Brunnen am Fliegerhorst Hohn
im Kreis Rendsburg-Eckernförde mit PFAS belastet sind. Nach Angaben
des Kreises untersucht die Bundeswehr seit längerem ihre
Militärstandorte auf Altlasten. 2019 wies man auf dem Gelände
erstmals erhöhte PFAS-Werte im Bereich des Feuerlöschübungsbeckens
nach. Die Verunreinigungen entstanden vor allem durch den Einsatz von
PFAS-haltigem Feuerlöschschaum bei Übungen, der damals noch erlaubt
war.
Sonderprogramm
Diverse Ewigkeitschemikalien stünden im Verdacht, krebserregend zu
sein, sagte Goldschmidt. Auch eine Hormonwirksamkeit sei gegeben.
«Mit solchen Stoffen ist Vorsicht geboten. Aber bis auf wenige
Ausnahmen sind PFAS bislang nicht reguliert, leider nicht mal in
unseren Wasserschutzgebieten.» Dabei bedrohten sie die
Gesundheit.«Deshalb ist völlig klar: Wir müssen uns besser vor PFAS
schützen.»
Einmal im Wasserkreislauf, blieben die Chemikalien so gut wie ewig
bestehen. «Deshalb hat der Schutz unserer Gewässer besondere
Bedeutung», sagte Goldschmidt. Notwendig sei eine Beschleunigung des
EU-Regulierungsverfahrens.
Der Minister verwies auf ein Sonderprogramm der schwarz-grünen
Landesregierung. In den kommenden fünf Jahren stehen 3,5 Millionen
Euro für das Monitoring von PFAS in Boden und Grundwasser sowie für
die Unterstützung der Kommunen für die Erkundung und Sanierung von
belasteten Standorten bereit. «Mit dem Sonderprogramm gehen wir einen
wichtigen Schritt weiter. Unsere Böden, Gewässer und unser
Trinkwasser müssen besser geschützt werden», sagte Goldschmidt.
Leberschäden
PFAS kommen nicht natürlich vor und überdauern je nach Stoff extrem
lange in der Umwelt - daher die Bezeichnung Ewigkeitschemikalien. Sie
stehen unter anderem im Verdacht, Leberschäden sowie Nieren- und
Hodenkrebs zu verursachen. Aufgrund ihrer einzigartigen Merkmale
werden die Substanzen in einer großen Zahl vor allem in industriellen
Produkten und Alltagsgegenständen verwendet.
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