Viele Sachsen sorgen sich um Pflege im Alter

Die Pflegeversicherung ist für viele Menschen selbst ein Pflegefall.
Eine Befragung zeigt eine zunehmende Verunsicherung in der
Bevölkerung. Deshalb fordern Krankenkassen ein Gegensteuern.

Dresden (dpa/sn) - Viele Menschen in Sachsen sorgen sich um die
Pflege im Alter. Nach einer Befragung der DAK-Gesundheit gibt es in
der Bevölkerung einen großen Vertrauensverlust in die
Pflegeversorgung. Fast zwei Drittel (64 Prozent) der Befragten
bewerten die Situation derzeit als nicht oder gar nicht gut, teilte
die Krankenkasse mit. 43 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung
in den nächsten zehn Jahren. 90 Prozent fordern, dass die Pflege in
Deutschland für alle bezahlbar werden müsse. Hohe Kosten für die
Pflege im Heim werden als ein zentrales Problem benannt. 

Kasse sieht große Verunsicherung in der Bevölkerung

«Unser DAK-Pflegereport zeigt eine große Verunsicherung der
Bevölkerung in Sachsen», betonte DAK-Landeschef Stefan Wandel. Die
Ergebnisse der Befragung durch das Institut für Demoskopie Allensbach
seien «ein Weckruf an die Politik in Bund und Ländern». «Das
Vertrauen der Menschen in die Pflege muss gestärkt und die bekannten
Probleme in der Finanzierung und Versorgung müssen gelöst werden. Wir
brauchen jetzt eine Reform mit einer strukturellen Neuausrichtung der
Pflegeversicherung, die die Menschen in Sachsen ausreichend,
verlässlich und bezahlbar absichert.»

Wie im Bund sehen die Befragten auch in Sachsen die größten Probleme
bei der Finanzierung: 73 Prozent nennen an erster Stelle die hohen
Kosten für Pflegebedürftige und ihre Familien bei stationärer Pflege.

Dahinter rangieren Personalmangel und fehlende Pflegekräfte (67
Prozent). Für 80 Prozent ist die Deckelung der Kosten für einen Platz
im Pflegeheim wichtig, während sich 74 Prozent eine Vereinfachung des
Leistungssystems wünschen. Die große Mehrheit (88 Prozent) der
Befragten in Sachsen erlebt es als ungerecht, nach langjähriger
Einzahlung in die Pflegeversicherung  nicht ausreichend abgesichert
zu sein. 

Mehrheit fordert staatliche Zuschüsse zur finanziellen Absicherung

Um die Finanzierung der Pflegeversicherung zukunftssicher zu machen,
sieht die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in Sachsen den Staat in
der Pflicht: Mehr als die Hälfte der Befragten (60 Prozent) finden,
es sei ausschließlich Sache des Staates und der gesetzlichen
Pflegeversicherung, den Bedarf abzusichern. 58 Prozent vertreten die
Meinung, dass Pflege mit staatlichen Zuschüssen oder Steuermitteln
abzusichern ist. 47 Prozent halten eine Beitragserhöhung für
vermögende oder gutverdienende Menschen für den richtigen Weg. Fast
ebenso viele (43 Prozent) sind dafür, dass Vermögende im Pflegefall
stärker an den Pflegekosten beteiligt werden. 

Zahl der Pflegebedürftigen hat stark zugenommen

Auch die Barmer stellte am Mittwoch Zahlen zur Pflege vor. Demnach
nahm die Zahl Pflegebedürftiger seit 2017 von 183.300 Betroffenen auf
341.500 im vergangenen Jahr zu. Nach Darstellung der Krankenkasse ist
aber nur ein geringer Teil mit der Demografie erklärbar. Haupttreiber
sei die Ausweitung des Begriffs der Pflegebedürftigkeit, die vor
allem Menschen mit Demenz erstmals gleichberechtigt berücksichtige.
Die Barmer fordert, Pflegeberufe attraktiver zu machen, um den
wachsenden Personalbedarf zu decken. Pflege sollte für junge Leute
ein Traumberuf sein, erklärte Barmer-Landeschefin Claudia Beutmann.

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