Hat der Staat kapituliert? E-Zigaretten-Schwarzmarkt brummt Von Wolf von Dewitz, dpa
Ob Kiwi oder Banana Pancake - mit einer Vielzahl an
Geschmacksrichtungen locken E-Zigaretten-Firmen Kunden an. Dass ein
großer Teil der Ware aus illegalen Quellen stammt, lässt Alarmglocken
schrillen.
Berlin (dpa) - Deutschlands E-Zigaretten-Branche hat ein gravierendes
Problem. Die Händler und Hersteller registrieren zwar eine steigende
Nachfrage nach ihren Elektrogeräten und Flüssigkeiten (Liquids).
Dabei machen sich aber ungebetene Gäste breit: Schwarzmarkt-Händler,
die sich ein großes Stück vom Kuchen abschneiden. Das ist das
Ergebnis mehrerer Studien, die in den vergangenen Monaten
herausgekommen sind. Zwei weitere erschienen am Dienstag. Ihr
Ergebnis ist niederschmetternd: Der Schwarzmarkt-Anteil ist schon
jetzt groß - und droht noch größer zu werden.
«Bis zu 40 Prozent der hier konsumierten Vapes kommen aus illegalen
Quellen, Tendenz steigend», warnt der Chef des Branchenverbandes
BVTE, Jan Mücke. Sollte das von der Bundesregierung geplante Verbot
von Menthol und weiteren Inhaltsstoffen tatsächlich kommen, so könnte
sich der Schwarzmarkt-Anteil bis 2030 verdoppeln. Grund: Viele
Konsumenten würden auf illegale Kanäle ausweichen, um die
Menthol-Produkte zu bekommen.
Der prozentuale Anstieg wäre heftig, da die Nachfrage an sich
vermutlich weiter wachsen wird. Denn Vaping ist im Trend, die Nutzung
steigt Jahr für Jahr. Die Inhalation der erhitzten Luft gilt als
weniger gesundheitsschädlich als das Tabakrauchen. Schlecht für die
Gesundheit ist es zwar dennoch, wie Mediziner warnen. Dennoch greifen
immer mehr Menschen zur E-Zigarette, um die verdampfte Flüssigkeit zu
inhalieren und dabei Aromen wie «Cherry Lemonade» oder «Tasty Muffin
»
zu schmecken. 2025 stieg der legale Umsatz in Deutschland
schätzungsweise um ein Viertel auf 2,4 Milliarden Euro.
Unerfreuliche Entdeckungen im Müll
Im Auftrag des BVTE untersuchten unterschiedliche Institute die
Situation. Marktforscher kauften an 60 Verkaufsstellen in Deutschland
ein, 10 davon boten illegale Ware an. Außerdem wurden in Berlin und
Hamburg rund 350 weggeworfene E-Zigaretten in Sortieranlagen aus dem
Müll geholt, der Anteil illegaler Ware lag bei circa 13 Prozent. In
Bremen wurden etwa 300 Einweg-E-Zigaretten eingesammelt, die im
Gelben Sack gelandet waren. Dort gehört der Elektroschrott nicht hin.
40 Prozent dieser Einweg-Ware stammten aus illegalen Kanälen. «Es
wird immer schlimmer», sagt Mücke.
Eine andere, vom chinesischen Anbieter Elfbar in Auftrag gegebene und
schon im November publizierte Untersuchung schätzt den
Schwarzmarkt-Anteil auf 40 bis 60 Prozent. Elfbar hat ein Interesse
daran, dass die illegalen Konkurrenten vom Markt verschwinden,
schließlich möchte es sein legales Geschäft deutlich ausweiten. Doch
die Kontrollen in Deutschland und anderswo seien schwach, klagt das
chinesische Unternehmen. «Es sind stärkere Durchsetzungsmaßnahmen
erforderlich - sowohl vor Ort im Handel als auch an den Grenzen und
entlang der illegalen Lieferketten.»
Schwarzmarkt setzt legale Händler unter Druck
Die nun frisch publizierte Studie des Forschungsinstituts Fraunhofer
ILS im Auftrag des Beratungsunternehmens SKR zeigt ein ähnlich
düsteres Bild. Deren Forscher glichen Einfuhrdaten mit dem
geschätzten tatsächlichen Bedarf ab und kamen zu dem Fazit, dass der
Schwarzmarkt in Deutschland bei etwas über 30 Prozent liegt. Zählt
man den grauen Markt hinzu - also private Eigenimporte aus dem
Ausland, bei denen die Ware in Deutschland nicht zugelassen und nicht
versteuert ist - so liege der irreguläre Markt hierzulande bei 36
Prozent und im EU-Schnitt sogar bei 48 Prozent.
Die Vape-Produkte erreichten die EU massenhaft in Standardpaketen -
über Züge, Schiffe und Flugzeuge. Laut EU-Kommission kamen im
vergangenen Jahr pro Tag 12 Millionen Pakete in der EU an und damit
deutlich mehr als zuvor. «Was wie harmlose Sendungen aussieht,
summiert sich zu einem milliardenschweren Schattenmarkt», sagt Rico
Back vom Beratungsunternehmen SKR. «Die Folgen für Wirtschaft und
Gesellschaft sind immens.» Die Masse sei so groß, dass der Zoll das
gar nicht kontrollieren könne. 90 Prozent der irregulären Ware komme
aus China.
Die Ware sei leicht im Internet bestellbar, das Angebot riesig - und
es sei offensichtlich, dass das illegal sei. So hätten legale Vapes
in Deutschland bis zu 1.000 Züge, im Internet würden aber Vapes mit
bis zu 25.000 Zügen angeboten. Das sei angesichts der
Mengenbegrenzung gar nicht möglich. Als einen Weg zur Lösung sei eine
engere Kooperation mit China: Peking sollte stärker gegen die
illegale Produktion vorgehen, damit die Ware gar nicht erst
losgeschickt werde.
Zollgewerkschaft schlägt Alarm
Zöllner sehen die Entwicklung mit Sorgenfalten. «Der illegale Markt
wächst in einem schwindelerregenden Tempo», sagt der
Bundesvorsitzende der Deutschen Zoll- und Finanzgewerkschaft (BDZ),
Thomas Liebel. Man könne nur stichprobenhaft kontrollieren. Die
«Vollzugsrealität» sei düster. «Als Zoll müssen wir vor illegal
en
Tabak- und Nikotinprodukten mehr oder minder kapitulieren, weil die
Masse so groß ist.» Er fordert mehr Personal für den Zoll und einen
effizienten Datenaustausch zwischen Behörden, innerhalb Deutschlands
und in der EU.
«Die Gewinnmargen für die Kriminellen sind groß und das
Entdeckungsrisiko ist gering», sagt Liebel. Der Einkaufspreis in
China liege bisweilen nur bei einem Zehntel des Preises, der auf
Deutschlands Schwarzmarkt erzielt werde. Die Schwarzmarkt-Händler
seien häufig auch in die organisierte Kriminalität verwickelt - Geld,
was mit illegalen Vapes verdient wird, diene als Anschubfinanzierung
für Menschen- und Drogenhandel.
Frustrierend sei, dass häufig nur Scheinfirmen aktiv und die
Hintermänner nicht greifbar seien. «Wenn wir einen Zugriff machen,
ist dort niemand haftbar - wir können den Steuerschaden nicht
abschöpfen und kommen an das Vermögen der Kriminellen nicht heran.»
Geradezu zum Haareraufen ist ein Fall aus Bayern. Dort wurden im
vergangenen Jahr in einem alten Industrielager 69 Paletten mit
jeweils 12.500 Vapes aus illegaler Produktion sichergestellt. Für die
Ware habe der Zoll einen Brandschutzbunker anmieten müssen und sie
schließlich vernichtet, was alles in allem etwa 750.000 Euro gekostet
habe, berichtet Liebel. «Die beklagte Firma war nicht greifbar, die
beiden Inhaber waren in China - also blieb der deutsche Steuerzahler
auf den Kosten sitzen.»
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