Anklage im Cold Case Maria zugelassen - Prozess ab Mai
Mehr als vier Jahrzehnte nach der Strangulation einer Frau in
Aschaffenburg wird der jahrelang Verdächtige festgenommen. In knapp
zwei Monaten kommt der Fall nun vor Gericht.
Aschaffenburg (dpa) - Mehr als 41 Jahre nach dem gewaltsamen Tod
einer angehenden Krankenschwester in Unterfranken hat das Landgericht
Aschaffenburg die Mordanklage zugelassen. Vom 7. Mai an werde der
sogenannte Cold Case dort verhandelt, teilte das Gericht mit.
Insgesamt sind fünf Prozesstermine bis zum 29. Juni angesetzt. Der
Angeklagte habe die Tat bereits gegenüber den Ermittlern gestanden.
Der frühere Freund der 19-jährigen Maria Köhler soll das Opfer am 30.
Juli 1984 mit einem Netzschal erdrosselt haben - aus Eifersucht und
Rache. «Die Staatsanwaltschaft geht aufgrund ihrer Ermittlungen davon
aus, dass er hierbei heimtückisch gehandelt (...) hat», hatte die
Behörde kürzlich mitgeteilt.
Jahrzehntelange Suche
Seit der Tat vermutete die Polizei, dass der damalige Ex-Freund der
Täter ist - allerdings konnte der Mann jahrzehntelang nicht gefasst
werden. Die 19-Jährige hatte sich vor ihrem Tod von dem damals
25-Jährigen getrennt und einen neuen Freund gehabt - einen im
hessischen Hanau stationierten US-Soldaten.
Der Verdächtige floh nach der Tat den Ermittlern zufolge von
Frankfurt/Main aus in die Türkei, wo er geboren wurde. Zwei Tage
später wurde das Opfer von einer Vorgesetzten in einem Wohnheim für
angehende Krankenschwestern in Aschaffenburg tot aufgefunden.
Mutmaßlicher Täter lebte lange in Deutschland
Seither war der heute 66-Jährige weltweit gesucht worden. Mitte 1998
reiste er nach bisherigen Erkenntnissen unter anderem Namen wieder
nach Deutschland ein - zusammen mit seiner deutschen Ehefrau, die er
zuvor in der Türkei geheiratet haben soll. In Aschaffenburg lebte er
dann etwa 16 Jahre lang unter falscher Identität, bevor er wieder in
die Türkei ausreiste. Der Mann hat nach Polizeiangaben keine
Staatsangehörigkeit. Seine türkische Staatsangehörigkeit soll er
verloren haben, weil er sich dem Militärdienst verweigert haben soll.
Neue Ermittlungen seit Ende 2024
Ende 2024 nahmen sich Altfall-Ermittler das ungelöste Verbrechen
wieder vor und fanden den Mann in der Türkei. Im vergangenen
September wurde der Verdächtige nach Deutschland überstellt. Er hat
die Tat nach Angaben der Staatsanwaltschaft gestanden und sitzt
seither in Untersuchungshaft.
Experten konnten DNA an der mutmaßlichen Tatwaffe sichern. Als
Verursacher komme «mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit»
der Verdächtige infrage, so die Staatsanwaltschaft.
Da die Tat schon so lange zurückliegt, kann der Angeklagte nur noch
wegen Mordes verurteilt werden. Andere Verbrechen wie Totschlag sind
bereits verjährt.
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