Nach US-Druck beendet Jamaika Ärzte-Programm mit Kuba

Kuba verdient seit Jahren Milliarden mit Ärzteeinsätzen im Ausland.
Washington bezeichnet das als «Zwangsarbeit» und fordert
Konsequenzen.

Kingston (dpa) - Nach Druck aus Washington hat Jamaika sein
medizinisches Kooperationsprogramm mit Kuba nach fast 50 Jahren
beendet. Jamaikas Gesundheitsminister Christopher Tufton erklärte,
dass Gespräche mit Havanna über Änderungen im Programm nicht
vorangekommen seien. Für Kubas kommunistische Regierung sind die
medizinischen Einsätze im Ausland, die Washington als Zwangsarbeit
wertet, eine lukrative Einnahmequelle.

Zuvor hatte schon Honduras auf die Dienste von rund 170 entsandten
kubanischen Ärzten verzichtet. Auf Jamaika befinden sich derzeit mehr
als 280 kubanische Ärzte, wie Tufton vor dem Finanzausschuss des
Parlaments angab. Die jamaikanische Regierung sei bereit, nun direkt
mit ihnen Einzelverträge zu schließen. Laut dem jamaikanischen
Außenministerium hatten sich beide Länder nach dem Ablauf des
vorherigen Abkommens 2023 nicht auf neue Bedingungen einigen können,
wie die Zeitung «The Gleaner» aus einer Mitteilung zitierte.

Derzeit werden solche Kooperationsverträge mit der kubanischen
Regierung geschlossen, die den Großteil der Zahlungen einbehält - die
Ärzte erhalten nur einen kleinen Teil davon als Gehalt. Washington
nennt dies eine Form des Menschenhandels. Im Februar kündigte das
US-Außenministerium Visabeschränkungen für kubanische und
ausländische Beamte an, die «kubanische Arbeitskräfte ausbeuten».
 

Havanna bedauerte die Entscheidung Jamaikas, die langjährige
Zusammenarbeit zu beenden. «Mit dieser Maßnahme gibt die
jamaikanische Regierung dem Druck der US-Regierung nach, die sich
nicht um die Gesundheitsbedürfnisse ihrer karibischen Brüder
kümmert», hieß es in einer Mitteilung des kubanischen
Außenministeriums. Die entsandten Mediziner würden nach Kuba
zurückkehren.

Kubas Regierung soll Milliarden US-Dollar für die Dienste der Ärzte
kassieren

Laut dem US-Außenministerium nimmt Kuba jährlich rund sechs bis acht
Milliarden US-Dollar (rund 5 bis 6,8 Milliarden Euro) mit dem Export
von Dienstleistungen ein, hauptsächlich durch die Vermietung
medizinischen Personals. Kubanische Ärzte und Pfleger sind in rund 60
Ländern im Einsatz, oft in abgelegenen Regionen. Viele Länder
Lateinamerikas und auch Afrikas sind darauf angewiesen.

Die Beziehungen zwischen Havanna und Washington sind seit Jahrzehnten
angespannt. Nun übt Washington erhöhten Druck auf die sozialistische
Karibikinsel aus. Die US-Regierung will den Zufluss von Devisen und
Öl, von dem die kommunistische Regierung profitieren soll,
grundsätzlich stoppen. US-Präsident Donald Trump prophezeite Kuba
einen baldigen Zusammenbruch: «Kuba wird sehr bald fallen», sagte er.
Aktuell steckt die Insel in einer ihrer schwersten Wirtschaftskrisen
seit der Revolution von Fidel Castro 1959.

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