«Miss Germany»-Kandidatin züchtet Haut gegen Tierversuche
Was motiviert eine Forscherin, sich bei «Miss Germany» zu bewerben?
Amelie Reigl setzt auf Aufklärung und möchte Forschung für alle
verständlich machen - auch abseits des Labors.
Würzburg (dpa/lby) - Im Fitnessstudio macht Amelie Reigl schon mal
eine Klimmzug-Challenge. Im Labor möchte sie ganz vorn mitspielen,
wenn es um die Züchtung menschlicher Hautmodelle geht. Die Kandidatin
zur Wahl der «Miss Germany» in der Kategorie «Female Founder» hat
ehrgeizige Ziele. Nicht per se den Sieg an diesem Samstag (7. März)
bei der Endrunde, sondern vor allem beruflich.
Die Verantwortlichen der Veranstaltung in München wollen das Ganze -
anders als früher - explizit nicht mehr als Schönheitswettbewerb
verstanden wissen. Man suche «nicht nach den nächsten
Beauty-Influencerinnen, sondern nach zukünftigen DAX-Vorständinnen
und erfolgreichen Gründerinnen».
Haut aus dem Labor
Die Würzburger Biologin züchtet menschliche Haut im Labor, um
Tierversuche zu reduzieren. Schließlich ließen sich Medikamente eher
schlecht als recht beispielsweise an Mäusen testen. «Die Daten, die
man daraus generiert, sind kaum übertragbar auf menschliche Studien»,
sagt die 31-Jährige. «Und genau da setzen wir an mit unseren
Hautmodellen, weil sie aus menschlichen Zellen stammen, um wirklich
gute und übertragbare Daten für unsere Kunden zu liefern.»
Kategorie «Female Founder»
Neun Frauen stehen im Finale der Wahl zur «Miss Germany», darunter
Unternehmerinnen, eine Fotografin und eine Presseoffizierin der
Bundeswehr. Sie setzten sich nach Angaben des Veranstalters gegen
mehr als 2.600 Bewerberinnen durch. In der Endrunde in den Bavaria
Studios treten in drei Kategorien zunächst jeweils drei Finalistinnen
gegeneinander an.
In der Kategorie «Female Founder» ist Abina Ntim aus Hamburg als
Nachwuchsunternehmensgründerin nominiert. Sie hat eine Pflegemarke
für Afrohaare auf die Beine gestellt. Sie konkurriert mit Büsra Sayed
aus Berlin, die ein Modelabel gegründet hat, das Frauen mit dem
traditionellen Kopftuch Hijab stärker sichtbar machen soll. Die
Dritte im Bunde ist Amelie Reigl, die mit einem kleinen Team ein
Biotech-Start-up aufbaut.
Wissenschaft greifbar machen
Geboren ist die 31-Jährige im baden-württembergischen Wertheim,
aufgewachsen aber im nahen Bayern mit ihren Eltern und einer
Schwester. Zum Studium zog es sie nach Würzburg, wo sie seit
mittlerweile zehn Jahren lebt - und bekannt ist.
Die Forscherin ist nicht nur in der Wissenschaftswelt ein kleiner
Social-Media-Star: Mit weißem Laborkittel und blauen Handschuhen
nimmt sie ihre mehr als 500.000 Follower mit ins Reich von Zellen,
DNA und Petrischalen. Ihre Mission: Wissenschaft für jeden greifbar
zu machen, verständlich. «Mein großer Traum ist ein gläsernes Labor
,
also wirklich ein Labor, wo man Forschung direkt sehen kann», erzählt
sie.
Gegen die Unsicherheit
Die ersten Wissenschaftsbeiträge habe sie während der Corona-Pandemie
veröffentlicht. «Viele waren verunsichert, was passiert jetzt gerade?
Ist der Impfstoff sicher oder nicht?» Das habe sie verständlicher
erklären wollen, sagt die 31-Jährige. «Ich finde, man braucht
Vertrauen in die Wissenschaft. Und Vertrauen kann man dadurch
erlangen, indem man einfach besser erklärt, besser kommuniziert.»
Nahezu täglich postet die Biologin nun auf Tiktok, Instagram und Co
Szenen aus ihrem Laboralltag - zu finden unter dem Namen
«@diewissenschaftlerin». Und bespricht dort längst nicht nur
komplizierte Themen: «Warum ist Lachen ansteckend?», «Warum ist es
überall so leise, wenn Schnee liegt?», «Warum beruhigen wir uns, wenn
wir berührt werden?».
Und was hat das alles mit «Miss Germany», zu tun? «Es ist kein
Schönheitswettbewerb mehr. Es geht um Frauen, die die Zukunft
gestalten wollen», erklärt Reigl. «Ich möchte Wissenschaft sichtbar
machen. Ich will, dass wir alle wieder neugierig werden. Wissenschaft
fragt nicht danach, wie ich aussehe, sondern wie neugierig ich bin.»
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