Mitbewohner verrät mutmaßlichen IS-Attentäter von Bielefeld

Mit einem präparierten Gehstock soll er Bielefelder Fans angegriffen
haben, flüchtete dann quer durch NRW - am Ende verrät ihn ein
misstrauischer Mitbewohner seines Cousins.

Düsseldorf (dpa) - Der mutmaßliche islamistische Attentäter von
Bielefeld ist vom Mitbewohner seines Cousins an die Polizei verraten
worden. Der Angeklagte sei nach der Tat mit dem Zug über den
Hauptbahnhof Essen und dann weiter über Velbert nach Heiligenhaus
gereist, sagte ein Polizist im Prozess gegen den mutmaßlichen
IS-Terroristen am Düsseldorfer Oberlandesgericht aus. 

Als er an der Wohnung seines Cousins in Heiligenhaus ankam, sei der
Cousin aber nicht dort gewesen, sondern nur sein Mitbewohner. Der
habe ihn hinein gelassen, sei aber bald misstrauisch geworden und
habe ihn gefragt, ob alles in Ordnung sei. Daraufhin habe der
Angeklagte aggressiv reagiert. 

Dennoch habe er ihn hinein gelassen und sich dort umziehen und
waschen lassen. Später habe man ihn in eine leerstehende Wohnung
gebracht und dort eingesperrt, bevor der Mitbewohner bei der Polizei
in Hagen erschienen sei und von dem verdächtigen Besucher berichtet
habe. Dieser war daraufhin von Spezialkräften festgenommen worden.

Rucksack mit persönlichen Dokumenten lag am Tatort

Der Syrer hatte am Tatort in Bielefeld einen Rucksack zurückgelassen,
in dem diverse persönliche Dokumente wie eine Gesundheitskarte, eine
Kreditkarte und ein Deutschland-Ticket steckten. 

Vor und nach der Tat habe er eine Moschee in Bielefeld besucht. Das
Gericht zeigte Aufnahmen aus Überwachungskameras, auf denen zu sehen
ist, wie sich der spätere Attentäter etwa zwei Stunden vor dem
Anschlag auf einem Bahnsteig des Bielefelder Hauptbahnhofs rituell
wäscht und betet. 

Vor der Bar, wo 34 Menschen den Aufstieg des Fußballclubs Arminia
Bielefeld feierten, habe er zuerst eine Frau attackiert und dann
mehrere Männer, berichtete eine Polizeibeamtin. Mehrere Zeugen hätten
eingegriffen und versucht, den Täter zu überwältigen. 

Handy-Video zeigt Kampf

Auf einem Handy-Video, das im Gerichtssaal gezeigt wurde, ist zu
sehen, wie mehrere Männer auf einem am Boden liegenden Mann
eintreten. Dennoch sei dem Angreifer die Flucht gelungen. 

Zwei Zeugen hätten ihn noch verfolgt, aber aus den Augen verloren.
Anhand von Aufnahmen aus Überwachungskameras sei zu vermuten, dass
der Angeklagte nach einer Runde durch die Innenstadt in einem
Gebüsch, unweit des Tatort und in der Nähe des Hauptbahnhofs den Rest
der Nacht verbracht habe, bevor er den Zug nach Essen bestieg. Die
Stadt liegt rund 130 Kilometer entfernt. 

Der mutmaßliche islamistische Attentäter hat den Terroranschlag auf
die feiernden Fußballfans einem Psychiater gestanden. 

Die Bundesanwaltschaft hat ihn wegen vierfachen versuchten Mordes
angeklagt. Sie hält den 36-Jährigen für einen IS-Terroristen und den

Angriff für einen islamistisch motivierten Terroranschlag. Der
Angeklagte habe sich bereits 2015 in Syrien dem IS angeschlossen.

Der zur Tatzeit 35-Jährige soll sie am frühen Morgen des 18. Mai 2025
vor einer Bielefelder Bar mit dem Ausruf «Allahu akbar» angegriffen
haben. Nach der Tat konnte der Angreifer flüchten, er wurde aber
einen Tag später, am Abend des 19. Mai, in Heiligenhaus bei
Düsseldorf festgenommen. 

Die Opfer im Alter zwischen 22 und 27 Jahren hatten in einer größeren
Gruppe vor einer Bar gestanden. Sie sollen in der kommenden Woche als
Zeugen aussagen. Das Oberlandesgericht hat bis Anfang Juni 21
Verhandlungstage angesetzt.

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