Terrorangriff auf Fußballfans: Angeklagter geständig Von Frank Christiansen, dpa
Mit einem präparierten Gehstock, einer vorgetäuschten Behinderung und
«Allahu akbar»-Rufen soll ein IS-Terrorist in Bielefeld feiernde
Fußballfans angegriffen haben. Nun hat der Prozess begonnen.
Düsseldorf (dpa) - Der mutmaßliche islamistische Attentäter von
Bielefeld hat den Terroranschlag auf feiernde Fußballfans einem
Psychiater gestanden. Er habe die Tötung von Ungläubigen als Teil des
Dschihads (Heiliger Krieg) und damit als gerechtfertigt angesehen,
sagte der psychiatrische Sachverständige, der sieben Stunden lang mit
dem Angeklagten gesprochen hatte, beim Prozessauftakt am Düsseldorfer
Oberlandesgericht.
Inzwischen bereue der 36-Jährige die vor zehn Monaten verübte Tat und
glaube, zur Tatzeit depressiv gewesen zu sein. Er habe sich in
Deutschland einsam und ausgegrenzt gefühlt. Weil er keinen Pass
gehabt habe, habe er aber nicht ausreisen können.
Fünf Monate vor der Tat habe er begonnen, Videos der Terrormiliz
Islamischer Staat (IS) zu konsumieren. Er habe auch auf ihn einen
depressiven Eindruck gemacht, sagte der Psychiater. An einem
Deradikalisierungsprogramm habe er aber nicht teilnehmen wollen. Er
wolle an seinen Werten festhalten.
Die Zerstörung Syriens rächen
Er habe geglaubt, dass westliche Regierungen für die Zerstörung
Syriens verantwortlich seien und sich für diese Ungerechtigkeit
rächen wollen. Zehn Tage vorher habe er sich zur Tat entschieden und
zwei Tage vorher die Messer gekauft.
Die Bundesanwaltschaft hat den mutmaßlichen Attentäter Mahmoud M.
wegen vierfachen versuchten Mordes angeklagt. Sie hält den
36-Jährigen für einen IS-Terroristen und den Angriff für einen
islamistisch motivierten Terroranschlag. «Er wollte möglichst viele
Menschen als Repräsentanten der westlichen Gesellschaft töten.»
Der Angeklagte sei in Syrien ideologisch und militärisch geschult
worden, habe dort bis zu einer Verletzung für den Islamischen Staat
auch an Kampfeinsätzen teilgenommen. Er habe sich bereits 2015 dem IS
angeschlossen.
IS-Immobilienvermittler
«Er plante die Tat, er bekannte sich vor der Tat in einem Video zum
IS und wollte über Mittelsmänner die Veröffentlichung seines
Bekennervideos durch den IS erreichen», sagte Oberstaatsanwalt
Michael Neuhaus.
Die Tat stehe in einer Reihe ähnlicher Taten, allerdings: «Der
Angeklagte ist der erste Täter, der bereits in Syrien für den IS
gekämpft hat und deshalb nicht in Deutschland radikalisiert werden
musste.»
Gegenüber dem Psychiater hatte der Syrer eingeräumt, für den IS als
Immobilienvermittler gearbeitet zu haben, aber nicht als Kämpfer.
Zudem bestritt er, ein Bekennervideo aufgenommen zu haben. Er habe in
Syrien lediglich drei Jahre lang die Schule besucht und sei dort
Vater zweier Töchter und eines Sohnes geworden.
Mit dem Ausruf «Allahu akbar» zugestochen
Vier Fans waren bei dem Angriff mit einem präparierten Gehstock, an
den ein Messer mit 18 Zentimeter langer Klinge geklebt war,
lebensgefährlich verletzt worden.
Der zur Tatzeit 35-Jährige soll sie am frühen Morgen des 18. Mai 2025
vor einer Bielefelder Bar mit dem Ausruf «Allahu akbar» angegriffen
haben. Die Attackierten hatten vor dem Lokal den Aufstieg des
ostwestfälischen Fußballclubs Arminia Bielefeld gefeiert. Nach der
Tat konnte der Angreifer flüchten, er wurde aber einen Tag später, am
Abend des 19. Mai, in Heiligenhaus bei Düsseldorf festgenommen.
M. wohnte in Harsewinkel bei Bielefeld. Er war über die Türkei nach
Deutschland gereist. Im Dezember 2023 hatte das Bundesamt für
Migration und Flüchtlinge ihm einen befristeten Schutzstatus
ausgestellt, nachdem er in Deutschland einen Asylantrag gestellt
hatte.
Präparierter Gehstock
Seinen Opfern soll er sich möglichst unauffällig genähert haben.
«Dabei ging er in gebückter Haltung und stützte sich auf seinen
präparierten Gehstock, um seine Hilfsbedürftigkeit vorzutäuschen»,
heißt es in einem Beschluss des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe, mit
dem die Fortdauer der Untersuchungshaft angeordnet wurde.
Die Opfer im Alter zwischen 22 und 27 Jahren hatten in einer größeren
Gruppe vor einer Bar gestanden. Sie sollen in der kommenden Woche als
Zeugen aussagen. Die Verteidiger kündigten an, es werde darum gehen,
eine lebenslange Haftstrafe und Sicherungsverwahrung zu vermeiden.
Das Oberlandesgericht hat bis Anfang Juni 21 Verhandlungstage
angesetzt.
BKK firmus: Auch 2026 günstigste Krankenkasse
In drei Minuten in die BKK firmus wechseln: Nutzen Sie das Online-Beitrittsformular der BKK firmus. Wechseln Sie schnell, sicher und bequem online.
Online-Wechsel: In drei Minuten in die TK
Online wechseln: Sie möchten auf dem schnellsten Weg und in einem Schritt der Techniker Krankenkasse beitreten? Dann nutzen Sie den Online-Beitrittsantrag der TK. Arbeitnehmer, Studenten und Selbstständige, erhalten direkt online eine vorläufige Versicherungsbescheinigung. Die TK kündigt Ihre alte Krankenkasse.