Mehr Jugendliche suchen Hilfe bei Transidentität Von Jörg Schurig, dpa
Die Kinder- und Jugendpsychiatrie meldet mehr Fälle von
Transidentität. Eine steigende Zahl Jugendlicher fühlt sich nicht
mehr wohl im eigenen Körper. Ist das mehr als ein vorübergehendes
Gefühl?
Dresden (dpa/sn) - Die Kinder- und Jugendpsychiatrie hat mit einer
wachsenden Zahl an Fällen zu tun, bei denen Betroffene mit ihrem
Geschlecht hadern. Die Fachwelt spricht von Transidentität. Das Thema
habe - auch wegen der Debatte um das Selbstbestimmungsgesetz - in den
vergangenen Jahren mehr Aufmerksamkeit erhalten, sagte der Dresdner
Kinder- und Jugendpsychiater Veit Roessner der Deutschen
Presse-Agentur. Das habe dazu beigetragen, dass sich mehr junge Leute
- vor allem in der Pubertät - mit Fragen zum eigenen Geschlecht
beschäftigten. «Wenn sich Körper und Selbstbild stark verändern,
suchen viele Orientierung - im Freundeskreis und in sozialen Medien.»
Spielen Einflüsse aus sozialen Medien eine Rolle?
«Es ist gut, wenn eine Gesellschaft offener wird und man solche
Gefühle ohne Scham und Angst vor Konsequenzen äußern kann», sagte
Roessner, der die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am
Universitätsklinikum Dresden leitet. Das führe dazu, dass Jugendliche
eher Beratung und Hilfe suchten. Zugleich könne die starke Präsenz
des Themas im Umfeld und online beeinflussen, wie Körperunsicherheit,
Pubertätsstress oder Außenseitergefühle gedeutet werden.
Selbstbeschreibungen könnten sich dadurch verstärken, etwa das
Gefühl, nicht im «richtigen Körper» zu leben.
Sorgfältige Abklärung und Beratung für dringend erforderlich
Allerdings führt nicht jedes geschlechtsbezogene Unwohlsein zu einem
anhaltendem, medizinisch bedeutsamem Leidensdruck, der die Diagnose
Geschlechtsdysphorie rechtfertige, sagte der Klinikchef. Gerade im
Jugendalter sei zudem oft schwer verlässlich einzuschätzen, wie
stabil ein solches Erleben und der Leidensdruck über die Zeit
bleiben, so Roessner. Umso wichtiger seien sorgfältige Abklärung und
Beratung, um Fälle mit erheblichem Leidensdruck von anderen
Entwicklungs- und Belastungsproblemen abzugrenzen.
Operative Eingriffe können irreversible Folgen haben
«Mit der wachsenden Zahl an Hilfesuchenden steigt auch der Anteil
Minderjähriger, die medizinische Maßnahmen zur Angleichung ihres
Körpers an das empfundene Geschlecht wünschten - etwa
Pubertätsblocker oder Hormone, in einzelnen Fällen auch operative
Eingriffe. Solche Maßnahmen können weitreichende, teils irreversible
Folgen haben. Zugleich kann auch Abwarten Risiken und zusätzliche
Belastungen bedeuten», sagte Roessner.
Mehr Forschung zu langfristigen Verläufen notwendig
Wie groß der Nutzen solcher Interventionen bei Minderjährigen ist und
wie hoch mögliche Risiken ausfallen, lasse sich allerdings bislang
nur begrenzt belastbar beziffern, sagte Roessner. In der öffentlichen
Debatte werde ein abwartendes, psychosozial begleitendes Vorgehen
ohne solche Interventionen teils als besonders riskant dargestellt -
nicht selten mit drastischen Zahlen zu Suizidrisiken. «Neuere Studien
und Übersichtsarbeiten zeigen jedoch, dass solche Schlussfolgerungen
nicht haltbar sind. Umso wichtiger sind eine transparente Aufklärung
über die begrenzte Datenlage und mehr hochwertige Forschung,
besonders zu langfristigen Verläufen.»
Experten sehen auch juristisches Problem
Laut Roessner berührt das Thema zudem rechtliche Fragen: In der
«Zeitschrift für Internationale Strafrechtswissenschaft» seien 2025
Juristen zu dem Schluss gelangt, dass bei Minderjährigen das
Sterilisationsverbot verletzt wird, wenn bei ihnen medizinische
Maßnahmen zur Geschlechtsangleichung vorgenommen werden - mit
möglichen strafrechtlichen Folgen.
BKK firmus: Auch 2026 günstigste Krankenkasse
In drei Minuten in die BKK firmus wechseln: Nutzen Sie das Online-Beitrittsformular der BKK firmus. Wechseln Sie schnell, sicher und bequem online.
Online-Wechsel: In drei Minuten in die TK
Online wechseln: Sie möchten auf dem schnellsten Weg und in einem Schritt der Techniker Krankenkasse beitreten? Dann nutzen Sie den Online-Beitrittsantrag der TK. Arbeitnehmer, Studenten und Selbstständige, erhalten direkt online eine vorläufige Versicherungsbescheinigung. Die TK kündigt Ihre alte Krankenkasse.