Leica bringt eigenes Smartphone weltweit auf den Markt
Vor rund 20 Jahren wäre Leica beinahe pleitegegangen, weil man den
Trend zur Digitalisierung verpasst hatte. Inzwischen ist das
Smartphone-Segment ein Hoffnungsträger des wiedererstarkten
Herstellers.
Barcelona/Wetzlar (dpa) - Der deutsche Kameraspezialist Leica
verstärkt sein Geschäft auf dem weltweiten Smartphone-Markt. Vor der
führenden Mobilfunkmesse MWC in Barcelona stellte das Unternehmen aus
Wetzlar die Neuauflage seines Leitzphone vor, die erstmals weltweit
vermarktet wird. Das Kamera-Smartphone von Leica wird in
Zusammenarbeit mit dem chinesischen Elektronikkonzern Xiaomi
produziert.
Die Smartphone-Kamera sei die natürliche Erweiterung der Leica-Welt,
sagte Firmenchef Matthias Harsch bei einem Event von Xiaomi. Als er
bei Leica begonnen habe, sei befürchtet worden, dass Smartphones das
Kamerageschäft zerstörten. Das habe sich nicht bewahrheitet, sagte
der Manager, der 2017 den Chefsessel bei der deutschen Firma
übernahm. Stattdessen habe Leica sein Geschäft dadurch erweitern
können.
Fotografie gehöre dorthin, wo bedeutungsvolle Momente geschähen, und
dazu eigneten sich nun mal auch Smartphones, sagte Harsch. Nach
seiner Präsentation kam Leica-Aufsichtsratschef Andreas Kaufmann zu
Harsch auf die Bühne, beide bekamen bei der Werbeveranstaltung von
Xiaomi viel Applaus.
Leica war bislang nur in Japan mit einem Leitzphone präsent, das
erstmals 2021 eingeführt wurde. Damals kooperierte der deutsche
Kameraspezialist mit dem japanischen Elektronikriesen Sharp. Wegen
des vergleichbar kleinen Zielmarktes stuften Experten die Kooperation
mit Sharp eher als Markenexperiment ein, denn als ernsthaften
Versuch, signifikante Erlöse im Smartphone-Segment zu erzielen. Das
soll sich nun ändern. Mit einem Preis von knapp 2.000 Euro tritt
Leica gegen Premiumersteller wie Apple und Samsung an. Damit ist es
deutlich teurer als das neue Xiaomi 17 Ultra, das mindestens 1500
Euro kostet und ebenfalls vorgestellt wurde.
Technik aus Profikameras
Im Wettbewerb mit dem iPhone oder den Spitzenmodellen von Samsung und
anderen Herstellern versucht Leica mit Technik zu überzeugen, die
normalerweise in großen Profikameras steckt. Dazu gehört ein großer
Lichtsensor, der viel größer ist als bei normalen Smartphones. Damit
kann man mehr Licht einfangen, was besonders bei schlechtem Wetter
oder am Abend für bessere Bilder sorgt.
Rund um die Kamera auf der Rückseite des Leitzphone gibt es einen
Ring aus Metall. Diesen kann man drehen, um Einstellungen wie den
Zoom oder die Helligkeit zu verändern - ähnlich wie bei einer
konventionellen Fotokamera. Exklusiv beim Leitzphone sind in der
Kamerasoftware Filter eingebaut, die den Stil berühmter Leica-Kameras
(M3 und M9) nachahmen und beispielsweise besonders typische
Schwarz-Weiß-Aufnahmen produzieren.
Plattform aus China
In der Kooperation mit Xiaomi bringt Leica seine Kompetenz in
Bereichen Optik, Farbkalibrierung und Bildästhetik ein. «Xiaomi
ergänzt diese Expertise durch eine leistungsfähige mobile Plattform,
die hohe Rechenleistungen und effiziente Workflows sicherstellt»,
sagt Leica-Chef Harsch. Eine Leica-Optik befindet sich auch in
mehreren Flaggschiff-Modellen von Xiaomi.
Leica schreibt seit vier Jahren Rekordumsätze und hat die große
Firmenkrise vor 20 Jahren längst hinter sich gelassen. Damals hatte
man den Übergang von der alten Filmfotografie zur digitalen Welt fast
verpasst und stand kurz vor dem Aus. Trotz der aktuellen
Produkterfolge begleiten das Unternehmen derzeit Berichte über einen
möglichen Eigentümerwechsel. Der US-Finanzinvestor Blackstone, der
seit dem Rückzug von Leica von der Frankfurter Börse 2011 rund 44
Prozent der Anteile hält, bereitet laut Medienberichten seinen
Ausstieg vor. Diesen Gerüchten zufolge wird die Leica Camera AG in
diesem Zusammenhang mit rund einer Milliarde Euro bewertet.
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