Späterer Start, lange Saison: Was Allergikern jetzt droht
Die ersten Pollen fliegen schon, die Hauptblüte kommt erst noch.
Warum der kalte Winter keine Entlastung bringt und worauf sich
Betroffene in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen einstellen
sollten.
Dresden/Magdeburg/Erfurt (dpa) - Der vergleichsweise kalte Winter hat
den Start der Pollensaison in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
verzögert. Entwarnung für Allergikerinnen und Allergiker ist das nach
Einschätzung von Fachleuten aber nicht. Insgesamt sei die Entwicklung
etwas verzögert, «das bedeutet aber nicht, dass die Belastung
geringer werden würde», teilte das Zentrum für
Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD)
auf Anfrage mit. Vor allem bei dem aktuellen eher mildem, trockenem
und windigem Wetter könne die Konzentration von Erlenpollen «sehr
schnell sehr stark werden».
Die Haselblüte habe bereits begonnen, die Hauptblüte stehe kurz
bevor. Danach folgen Esche und ab April die Birke - für viele
Betroffene der Höhepunkt der Saison.
«Volkserkrankung» mit immer längerer Saison
Pollenallergien seien seit Jahren ein großes Thema, sagt der Dresdner
Allergologe Christian Vogelberg vom Universitätsklinikum. «Wir sehen
sowohl bei den Erwachsenen als auch bei Kindern zunehmende Raten an
Pollenallergikern. Das ist ein Riesenthema und hat den Status einer
Volkserkrankung schon lange erreicht.»
Durch den Klimawandel verschöben sich die Pollenzeiten, die
Beschwerden dauerten länger. Wer auf mehrere Allergene reagiere, habe
oft «das gesamte Jahr über Saison». Der kalte Winter ändere daran
nichts: «Das sind immer nur zeitliche Verschiebungen letztendlich,
die dadurch auftreten.»
Mehr Allergien im Erwachsenenalter
Auch in Sachsen-Anhalt bewegen sich Allergien nach Angaben der
Universitätsmedizin Magdeburg auf hohem Niveau. Etwa 20 bis 25
Prozent der Bevölkerung seien betroffen. Auffällig sei, dass die
Erkrankung heute häufiger erstmals im späteren Erwachsenenalter
auftrete.
Als Ursachen nennt die Klinik neben längeren Pollensaisons
Umweltfaktoren wie Luftschadstoffe. Diese könnten die Schleimhäute
schädigen und das allergene Potenzial der Pollen erhöhen. Zudem
breiteten sich neue, stark wirksame Allergene wie Ambrosia aus - ein
eingeschlepptes, besonders allergenes Traubenkraut.
Die Universitätsmedizin Halle verweist ebenfalls auf den Klimawandel
mit intensiverem Pollenflug und längeren Belastungszeiten. In Städten
gebe es mehr Sensibilisierungen als auf dem Land, also mehr Menschen,
deren Immunsystem auf eigentlich harmlose Stoffe wie Pollen reagiert.
Deutlich mehr Behandlungen in Ambulanzen
Auch in Thüringen ist die Zahl der Behandlungen klar gestiegen. Im
Jenaer Allergiezentrum habe sich die Zahl der Fälle von allergischem
Schnupfen in der HNO-Ambulanz in den vergangenen zehn Jahren etwa
verdreifacht. Auch mehr Asthma-Patientinnen und -Patienten würden
betreut.
Durch neue Pflanzenarten wie Ambrosia reiche die Pollenflugzeit
inzwischen bis in den September. «Dadurch können Pollenallergiker
mittlerweile neun Monate im Jahr Beschwerden haben», heißt es aus dem
Universitätsklinikum.
Belastung hängt stark vom Wetter ab
Wie stark die Saison tatsächlich wird, lässt sich laut DWD und den
Kliniken noch nicht seriös vorhersagen. Nach einem schwächeren
Vorjahr könnte die Blüte der Frühblüher regional kräftiger ausfal
len.
Früh behandeln - nicht abwarten
Mediziner raten Betroffenen zu früher Diagnose und konsequenter
Therapie. Neben Antihistaminika und Nasensprays könne eine
spezifische Immuntherapie die Ursache der Allergie behandeln und das
Risiko für Asthma senken. Außerdem helfen Pollenflugvorhersagen
dabei, den Alltag anzupassen.
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