Warken: Honorarplus für Apotheken kommt auf den Weg
Das Netz der Apotheken schrumpft - und die Branche macht bei der
Bundesregierung Druck für ein lange ausgebliebenes Plus bei der
Vergütung. Die Ministerin kündigt jetzt die Umsetzung an.
Berlin (dpa) - Bundesgesundheitsministerin Nina Warken will eine
zunächst zurückgestellte Erhöhung der Apothekenvergütungen angehen.
Die Anhebung des Fix-Betrags pro Medikamentenpackung werde kommen,
sagte die CDU-Politikerin im Bundestag. Eine Verordnung dafür werde
«im Frühjahr» auf den Weg gebracht. Die mitregierende SPD sicherte
ebenfalls die Umsetzung des in der Koalition vereinbarten Aufschlags
zu. Sie pocht aber auf eine Einbettung in eine nötige finanzielle
Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherungen.
Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda) begrüßte es,
dass die Anhebung nun konkret versprochen werde. Die Apotheken
fordern sie seit Jahren und wollen am 23. März mit einem Protesttag
Druck dafür machen. Konkret geht es darum, einen lange nicht erhöhten
Fix-Bestandteil des Honorars von 8,35 Euro pro Packung auf 9,50 Euro
anzuheben. Warken hatte die Umsetzung im vergangenen Jahr aber
zunächst auf Eis gelegt - wegen erwarteter Mehrkosten von jährlich
einer Milliarde Euro für die Kassen.
SPD will zuerst Kassen-Finanzen stabilisieren
SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis erklärte, seine Fraktion
stehe zur Zusage im Koalitionsvertrag. Er betonte zugleich die
Verantwortung für die gesamte gesetzliche Krankenversicherung (GKV),
die für 2027 eine Milliarden-Lücke erwarte. «In einer solchen Lage
können zusätzliche Ausgaben nicht isoliert betrachtet werden.» Eine
Erhöhung des Fix-Honorars könne es nur in einer «beitragsstabilen»
Ausgestaltung geben. «Erst müssen wir die GKV-Finanzen konsolidieren,
dann schaffen wir verlässliche Spielräume.»
Die gesetzlichen Kassen warnten vor pauschalen Anhebungen. «Bei der
derzeitigen Situation der gesetzlichen Krankenversicherung wäre es
gar nicht darstellbar und nicht zielführend, das Geld der
Beitragszahlenden mit der Gießkanne über alle Apotheken im Land zu
verteilen», sagte die stellvertretende Chefin des Spitzenverbands,
Stefanie Stoff-Ahnis. Damit die Menschen in der Stadt und auf dem
Land auch künftig gleichermaßen gut versorgt seien, brauche es eine
differenzierte Vergütung.
Mehr Honorar für Apotheken auf dem Land?
Von einer pauschalen Erhöhung pro Packung würden besonders Apotheken
in Ballungsräumen profitieren, die ohnehin wirtschaftlich stark
seien, erläuterte Stoff-Ahnis. «Es macht einen großen Unterschied, ob
täglich mehrere hundert Menschen in einer Apotheke im Hamburger
Hauptbahnhof oder nur ein Bruchteil davon in der Apotheke in der
Uckermark ihr Rezept einlösen.» In den Blick müssten vor allem
strukturschwache Regionen. Daher müsse es möglich sein, den
Fix-Bestandteil des Honorars für starke Apotheken auch abzusenken.
Abda-Präsident Thomas Preis betonte dagegen: «Es ist schlichtweg
falsch zu behaupten, dass nur die Apotheken in strukturschwachen
Regionen oder Landapotheken vom Apothekensterben betroffen seien.»
Alle Apotheken in Deutschland müssten dringend wirtschaftlich
stabilisiert werden. Etwa im Berliner Bezirk Lichtenberg gebe es nach
vielen Schließungen eine bedenklich niedrige Versorgungsquote von 14
Apotheken je 100.000 Bürgerinnen und Bürger - bei 20 Apotheken pro
100.000 Menschen im Bundesschnitt.
Mehr Leistungen in Apotheken geplant
Der CSU-Gesundheitsexperte Stephan Pilsinger wies darauf hin, dass
der Koalitionsvertrag bereits eine Differenzierung beim Fix-Honorar
vorsehe. Es kann demnach für ländliche Apotheken in einem «Korridor
bis 11 Euro» liegen.
Warken brachte einen Gesetzentwurf für eine Apothekenreform in den
Bundestag ein. Die Pläne zielen darauf, dass in Apotheken künftig
mehr Leistungen zu bekommen sein sollen - von Impfungen über
Vorsorge-Angebote bis zu mehr Medikamenten auch ohne ärztliches
Rezept.
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