Trumps Rede im Faktencheck: Wo die Erfolgsbilanz wackelt Von Sebastian Fischer, dpa

Trumps großer Auftritt vor dem US-Kongress: Was stimmt wirklich an
seinen Erfolgsstorys? Das dpa-Faktencheck-Team zeigt, wo Rede und
Realität teils auseinanderklaffen.

Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat in seiner Rede zur
Lage der Nation die politischen Errungenschaften seiner Regierung
hervorgehoben. Nicht immer lag der Republikaner mit seinen Aussagen
richtig, wie ein Faktencheck der Deutschen Presse-Agentur (dpa)
zeigt.

«Ich übernahm ein Land in der Krise mit einer stagnierenden
Wirtschaft.»

Es stimmt, dass viele Wähler bei der vergangenen Präsidentschaftswahl
wegen steigender Preise in den USA unzufrieden waren. Doch die
Wirtschaft stagnierte damals nicht. In den Jahren 2023 und 2024 lag
unter Trumps demokratischem Vorgänger Joe Biden das
Wirtschaftswachstum inflationsbereinigt bei 2,9 und 2,8 Prozent. Im
Jahr 2025 waren es nur 2,2 Prozent. Trumps zweite Amtszeit begann am
20. Januar 2025.

«Heute arbeiten mehr Menschen als jemals zuvor in der Geschichte
unseres Landes.»

Im Januar 2026 waren mit 158,6 Millionen US-Beschäftigten tatsächlich
mehr Menschen als je zuvor in Arbeit. Doch das ist bei
Wirtschaftswachstum erwartbar, da auch die Bevölkerung auf mehr als
342 Millionen angewachsen ist. Der Anteil derjenigen aber, die
beschäftigt waren oder aktiv nach einem Arbeitsplatz suchten
(Erwerbstätigenquote), lag unter Trump im Januar 2026 mit 62,5
Prozent nur genauso hoch wie unter Biden im Januar 2024.

«Die Inflation sinkt rapide.»

Die Inflation hat sich zu Beginn dieses Jahres tatsächlich
überraschend deutlich abgeschwächt, liegt aber weiterhin über dem
Zielwert der US-Notenbank Federal Reserve. Im Jahresvergleich stiegen
die Verbraucherpreise im Januar 2026 um 2,4 Prozent, die Fed strebt
eine Rate von etwa 2 Prozent im Jahresvergleich an. Einen Höchststand
von mehr als 9 Prozent gab es infolge der Corona-Pandemie im Sommer
2022 unter Biden. Doch schon in dessen Amtszeit ging diese extreme
Preissteigerung zurück: In seinem letzten vollen Monat im Amt
(Dezember 2024) lag sie bei 2,9 Prozent.

Trumps Steuergesetz beinhalte «die größten Steuersenkungen in der
Geschichte der Vereinigten Staaten».

Die konservative Denkfabrik Tax Foundation sieht das anders. Ihrer
Berechnung nach ist das große Gesetzespaket aus dem vergangenen Jahr
im Verhältnis zur jeweiligen Wirtschaftsleistung die sechstgrößte
Steuersenkung in der US-Geschichte - hinter Maßnahmen etwa der
früheren Präsidenten Ronald Reagan und Barack Obama. Trumps Gesetz
von 2025 bringt den amerikanischen Steuerzahlern gewisse
Vergünstigungen, unter anderem bei Trinkgeldern oder Überstunden.

«Innerhalb von 12 Monaten habe ich Zusagen [für Investitionen] für
mehr als 18 Billionen Dollar aus aller Welt erhalten.»

Falsch. Das Weiße Haus selbst schreibt auf seiner Website von
insgesamt 9,7 Billionen US-Dollar privaten und ausländischen
Investitionen, also nur etwa die Hälfte. Darin enthalten sind auch
allgemeine Zusagen und bereits zuvor angekündigte Projekte. Manche
Experten halten solche Zusagen zudem für sehr unrealistisch. Dem
Weißen Haus zufolge haben etwa Katar und die Vereinigten Arabischen
Emirate jeweils Investitionen von mehr als einer Billion Dollar
zugesagt, was weit mehr wäre als ihr jeweiliges Bruttoinlandsprodukt.

Trump habe den Preis von verschreibungspflichtigen Medikamenten um
«300 Prozent, 400 Prozent [...] und mehr» gesenkt.

Das ist unmöglich. Nach einer Reduktion von 100 Prozent liegt ein
Preis bei null. Eine Senkung um mehr als 100 Prozent würde
theoretisch bedeuten, dass die Patienten für die Einnahme von
Medikamenten bezahlt werden. Zwar haben jüngst mehrere große
Pharmaunternehmen mit der Trump-Regierung Verträge zur Preissenkung
abgeschlossen. Nach einer Analyse des US-Unternehmens für
Arzneimittelpreisforschung 46brooklyn aber haben auch diese Firmen
jüngst die Preise für bestimmte Medikamente erhöht.

«Der Zustrom des tödlichen Fentanyls über unsere Grenze ist innerhalb

eines Jahres um rekordverdächtige 56 Prozent gesunken.»

Es ist unmöglich zu wissen, wie groß die Menge an Fentanyl ist, die
in die USA gelangt. Trump bezieht sich anscheinend auf
Beschlagnahmungen der Droge. Nach Angaben der Grenzschutzbehörde CBP
ist die Menge im ersten Jahr der zweiten Trump-Amtszeit im Vergleich
zum letzten Biden-Amtsjahr tatsächlich etwa um rund die Hälfte
zurückgegangen. Diese Werte geben aber nur an, wie viel Fentanyl
daran gehindert wurde, in die USA zu gelangen - und nicht, wie viel
ins Land gekommen ist.

«In den letzten neun Monaten wurden keine illegalen Einwanderer in
die Vereinigten Staaten aufgenommen.»

Übertrieben. Es stimmt, dass unter Trump die Zahl der Festnahmen
wegen illegaler Grenzübertritte auf den niedrigsten Stand seit
Jahrzehnten sank. Sie liegt aber nicht bei null. Die Grenzpolizei
verzeichnete etwa im Januar 2026 etwas mehr als 6.000 illegale
Grenzübertritte an der Grenze zwischen den USA und Mexiko, im
gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es aber noch gut 29.000. 

«In meinen ersten zehn Monaten habe ich acht Kriege beendet.»

Übertrieben. Trump bezieht sich in seiner Rede auf die Konflikte
zwischen Kambodscha und Thailand, Pakistan und Indien, Kosovo und
Serbien, Israel und den Iran, Ägypten und Äthiopien, Armenien und
Aserbaidschan, den Kongo und Ruanda sowie den Gazakrieg. Doch nicht
alle diese Konflikte sind Kriege, und in nicht allen schweigen die
Waffen oder gilt der Konflikt als gelöst.

Es stimmt, dass die USA eine wichtige Vermittlerrolle etwa zwischen
Israel und der Terrororganisation Hamas für ein Schweigen der Waffen
im Gazastreifen übernahmen. Indien wiederum wies nach dem Konflikt
mit Pakistan Trumps Aussagen zu einer erfolgreichen
US-Vermittlerrolle zurück. Der Konflikt zwischen der Demokratischen
Republik Kongo und dem benachbarten Ruanda eskalierte auch nach der
Unterzeichnung eines Friedensabkommens im Sommer 2025 in Washington
in Trumps Beisein weiter. Im Fall von Kosovo und Serbien wiederum
gibt es kaum Anzeichen dafür, dass sich ein Krieg anbahnen könnte.

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