Mehrheit im Norden erwartet schlechtere Pflegesituation
Zwei Drittel der Menschen in Schleswig-Holstein halten die
Pflegeversorgung für unzureichend. Vor allem hohe Kosten und
Personalmangel bereiten große Sorgen.
Kiel (dpa/lno) - Schwindendes Vertrauen in die Pflege: 67 Prozent der
Menschen in Schleswig-Holstein bewerten die Pflegeversorgung nach
einer Umfrage als nicht oder gar nicht gut. Jeder zweite Befragte
rechnet mit einer Verschlechterung innerhalb der nächsten zehn Jahre.
Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Instituts für
Demoskopie Allensbach im Auftrag der DAK-Gesundheit hervor.
Als ein zentrales Problem werden hohe Kosten für die Pflege in Heimen
genannt. 90 Prozent der Befragten fordern, dass die Pflege in
Deutschland für alle bezahlbar werden muss. 76 Prozent sehen die
Finanzierung der Pflegeversicherung als nicht gesichert an. Ebenfalls
76 Prozent betrachten den Personalmangel als größtes Problem. Weiter
werden die hohen Kosten für Pflegebedürftige und ihre Familien bei
stationärer Pflege genannt (74 Prozent).
Große Mehrheit fürchtet finanzielle Überforderung
Die große Mehrheit von 86 Prozent findet es ungerecht, nach langer
Einzahlung in die Pflegeversicherung bei Pflegebedarf nicht
ausreichend abgesichert zu sein. Rund drei Viertel fürchten, durch
die Kosten überfordert zu werden, sollten sie selbst pflegebedürftig
werden.
54 Prozent der Befragten sagen, es sei ausschließlich Sache des
Staates und der gesetzlichen Pflegeversicherung, einen Pflegebedarf
abzusichern. 18 Prozent sind für eine private
Pflegezusatzversicherung.
DAK-Landeschef sieht Weckruf an die Politik
«Unser DAK-Pflegereport zeigt eine große Verunsicherung der
Bevölkerung in Schleswig-Holstein», teilte der Landeschef der
DAK-Gesundheit, Cord-Eric Lubinski mit. Er nannte die Ergebnisse der
Befragung einen Weckruf an die Politik in Bund und Ländern. Das
Vertrauen der Menschen in die Pflege müsse gestärkt und die Probleme
in der Finanzierung und Versorgung müssten gelöst werden. «Wir
brauchen jetzt eine Reform mit einer strukturellen Neuausrichtung der
Pflegeversicherung, die die Menschen in Schleswig-Holstein
ausreichend, verlässlich und bezahlbar absichert», forderte Lubinski.
Für die Umfrage hatte das Institut für Demoskopie Allensbach zwischen
dem 2. und 14. November 2025 rund 4.400 Menschen zwischen 16 und 75
Jahren online befragt, davon knapp 200 in Schleswig-Holstein.
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