Mordanklage: Sohn von Regisseur Reiner weist Schuld zurück Von Barbara Munker, dpa
Der gewaltsame Tod des «Harry und Sally»-Regisseurs Rob Reiner und
seiner Frau im Dezember löste Bestürzung aus. Der Sohn des Paares ist
wegen Mordes angeklagt - nun plädiert er auf «nicht schuldig».
Los Angeles (dpa) - Der gewaltsame Tod von «Harry und
Sally»-Regisseur Rob Reiner und seiner Ehefrau Michele kurz vor
Weihnachten führte zu Bestürzung und Trauer weit über Hollywood
hinaus. Nur wenige Stunden, nachdem die mit Messerstichen getöteten
Eheleute in ihrem Haus in Los Angeles gefunden worden waren, nahm die
Polizei deren jüngsten Sohn unter Mordverdacht in Gewahrsam. Jetzt
nahm Nick Reiner erstmals öffentlich zu den Vorwürfen Stellung.
Vor Gericht in Los Angeles plädierte der wegen Mordes angeklagte
32-Jährige auf «nicht schuldig». Zur Anklageverlesung am Montag
(Ortszeit) erschien er mit kurz geschorenen Haaren in einem braunen
Overall. Seit seiner Verhaftung im Dezember sitzt er in
Untersuchungshaft. Im Gerichtssaal war er durch eine Glasscheibe von
seinem Umfeld getrennt. Pflichtverteidigerin Kimberly Greene sprach
für ihren Mandanten, Reiner äußerte sich nur einmal, um eine Frage
der Richterin zu beantworten. Der nächste Gerichtstermin steht Ende
April an.
Reiner war nachts auf der Straße nahe einer Tankstelle festgenommen
worden, rund sechs Stunden nachdem seine getöteten Eltern in einem
Schlafzimmer in ihrer Villa im Stadtteil Brentwood entdeckt wurden.
Die Staatsanwaltschaft hatte den 32-Jährigen Mitte Dezember wegen
zweifachen vorsätzlichen Mordes angeklagt. Im Falle einer
Verurteilung droht ihm eine lebenslange Haft, möglicherweise sogar
die Todesstrafe.
Mögliche Todesstrafe
Bezirksstaatsanwalt Nathan J. Hochman bekräftigte am Montag, dass er
prüfen werde, ob in diesem Fall die Todesstrafe angemessen sei. Sie
würden derzeit noch auf den abschließenden Bericht der
Gerichtsmediziner warten. Angeklagte können in Kalifornien zum Tod
verurteilt werden, die Vollstreckung von Todesstrafen ist in dem
Bundesstaat allerdings seit Jahren ausgesetzt.
«Rob Reiner war einer der größten Filmemacher seiner Generation»,
schrieb Hochman im Dezember in einer Mitteilung. Die Ermordung des
Paares sei «schockierend und tragisch». «Dieser Fall ist
herzzerreißend und zutiefst persönlich, nicht nur für die
Reiner-Familie und deren Freunde, sondern für unsere gesamte Stadt»,
sagte Polizeichef Jim McDonnell damals.
Sohn Nick sprach über Drogensucht
Nick Reiner hatte in der Vergangenheit immer wieder öffentlich über
seinen Kampf gegen eine Drogensucht und über psychische Probleme
gesprochen. Er sei als Teenager viele Male auf Entzug gewesen und
habe häufig als Obdachloser auf der Straße gelebt, sagte er 2016 der
Zeitschrift «People».
Im Jahr zuvor hatte Rob Reiner mit «Being Charlie» einen Film über
die schwierige Beziehung eines 18 Jahre alten drogenabhängigen
Protagonisten namens Charlie und dessen Vater gedreht. An dem
Drehbuch arbeitete Sohn Nick mit. Die Arbeit an dem Film sei wie eine
gemeinsame Therapie gewesen, sagte der Regisseur damals der
Zeitschrift «The New Yorker». Nick Reiner soll zuletzt in einem
Gästehaus auf dem Grundstück seiner Eltern gelebt haben.
Unzurechnungsfähigkeit als Prozessstrategie?
Die Umstände werfen die Frage auf, ob Reiners Anwälte dessen
psychischen Zustand für die Verteidigung heranziehen werden. Sie
könnten argumentieren, dass der Angeklagte zur Tatzeit unter einer
schweren seelischen Störung litt und statt Gefängnis eine Einweisung
in eine psychiatrische Einrichtung angemessen sei. Prozessbeobachter
rechnen mit einem langwierigen Verfahren.
Rob Reiner, Regisseur von Filmhits wie «Harry und Sally», «Misery»
und «Eine Frage der Ehre», war 78 Jahre alt. Seine Frau Michele (70)
arbeitete als Fotografin und Filmproduzentin. Das seit 1989
verheiratete Paar hatte drei gemeinsame Kinder: Jake, Nick und Romy.
Zudem adoptierte der Regisseur die Tochter seiner ersten Ehefrau
Penny Marshall.
Der Verlust ihrer Eltern sei «schrecklich und verheerend», teilten
Jake und Romy Reiner im Dezember in einer gemeinsamen Mitteilung mit.
«Worte können nicht einmal ansatzweise den unvorstellbaren Schmerz
beschreiben, den wir jeden Augenblick des Tages fühlen. Der
schreckliche und verheerende Verlust unserer Eltern, Rob und Michele
Reiner, ist etwas, das niemand jemals erleben sollte. Sie waren nicht
nur unsere Eltern, sie waren unsere besten Freunde.»
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