Geständnis im Prozess um Sprengstoffanschlag auf eine Klinik
Ein Onkel und sein Neffe sollen einen Anschlag mit einer
Sprengstoffweste vorbereitet haben. Warum die Pläne scheiterten - und
wie sich einer der Angeklagten vor Gericht dazu äußert.
Bremen/Bremerhaven (dpa/lni) - Im Prozess um einen geplanten Anschlag
auf eine Klinik hat einer der Angeklagten die Vorwürfe eingeräumt.
«Das war für mich wie ein Spiel, wie eine Fantasie», heißt es in
einer Erklärung des 20-Jährigen zu Prozessbeginn vor dem Landgericht
Bremen.
Was die Ermittler den Angeklagten vorwerfen
Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und seinem Onkel vor, einen
islamistischen Anschlag auf ein Bremerhavener Krankenhaus vorbereitet
zu haben. Laut Anklage konkretisierten die beiden Deutschen ihre
Pläne im vergangenen Sommer. Der inzwischen 20-Jährige sollte demnach
mit einer selbst gebastelten Sprengstoffweste eine Klinik betreten,
um eine große Zahl argloser Menschen und sich selbst zu töten.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Männer die
Sprengstoffweste bei der Mutter des 35-jährigen Angeklagten bauen
wollten. Die Frau soll drei Stoffe bestellt haben, für mehr soll das
Geld nicht gereicht haben. Beamte stießen im Rahmen anderer
Ermittlungen auf Chats zwischen den Männern und nahmen sie fest.
Wie sich der Angeklagte zu den Vorwürfen äußert
Vor Gericht räumte der jüngere Angeklagte ein, in Chats und in
Gesprächen mit seinem Onkel den Anschlag geplant zu haben. «Ich
wollte immer wissen, wie es sich anfühlt, einen Menschen
umzubringen», sagte der 20-Jährige, der nach eigenen Angaben unter
psychischen Problemen, Zwangsgedanken und Autismus leidet.
Von seinem Onkel habe er sich verstanden gefühlt, sagte der
Angeklagte. Er habe ihm aus dem Koran vorgelesen und ihn überzeugt,
einen Anschlag zu verüben. «Ich bereue zutiefst, mich auf diese Pläne
eingelassen zu haben», beteuerte der Angeklagte. Sein Onkel äußerte
sich zunächst nicht vor Gericht.
Beide Angeklagte sitzen in Untersuchungshaft. Ein Urteil könnte
Anfang Juni verkündet werden, den Männern droht bis zu 15 Jahre
Gefängnis.
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