Jetzt wird's kribbelig für Heuschnupfen-Geplagte

Schluss mit der Winterpause für Allergiker: Hasel- und Erlenpollen
wirbeln jetzt kräftig durch die Luft, die Saison startet wegen des
Klimawandels immer früher.

Stuttgart (dpa/lsw) - Die Pollen sind los, die Leidenszeit für
Allergiker hat begonnen. Für sie heißt es wieder: Taschentücher
bereithalten. Der Deutsche Wetterdienst hat für Dienstag und Mittwoch
Temperaturen mit 18 und bis zu 20 Grad vorhergesagt. Die laufende
Blüte von Hasel und Erle werde dadurch entsprechend intensiviert,
sagt Christina Endler vom Zentrum für Medizin-Meteorologische
Forschung des DWD. «Sonne und milde Temperaturen werden den
Pollenflug deutlich begünstigen.» Die überlappende Belastung durch
Hasel und Erle komme in diesem Jahr im Flächenmittel aber wenige Tage
später als im Vorjahr. Der Grund: Kühles Wetter im Januar. 

Saison begann vereinzelt schon im Dezember

Die Saison habe vereinzelt schon im Dezember mit ersten Blühmeldungen
von Haseln begonnen, sagt Endler. Dann wurde es wieder kälter, das
habe die Pflanzenentwicklung ausgebremst. Jetzt aber sei
Baden-Württemberg flächendeckend nicht nur von Hasel-, sondern auch
von Erlenpollen betroffen. Die Belastungen seien auch in höheren
Lagen spürbar. Die Pollen-Hauptsaison stehe den Allergikern
allerdings noch bevor. Diese werde wahrscheinlich Ende Februar oder
im März einsetzen. 

Der DWD spricht bereits von einem mittelstarken bis starken
Pollenflug in vielen Regionen. Allergikerinnen und Allergikern können
sich etwa auf der Website des DWD täglich über die
Pollenbelastungsvorhersage informieren.

Leidenszeit beginnt früher und läuft mit Unterbrechungen

Der Beginn der Pollensaison verschiebt sich durch den Klimawandel
seit Jahren immer weiter nach vorn. Dass Pollenallergiker im Januar
erste Probleme mit tränenden Augen und laufender Nase haben, ist laut
Experten inzwischen nicht mehr ungewöhnlich. 

Die Leidenszeit für Allergiker beginnt heutzutage laut Endler
generell früher, aber mit Pausen und Unterbrechungen durch
entsprechend kühlere und nasse Wetterphasen. «Die nasse Witterung
wäscht die Pollen aus, dadurch ist die Belastung deutlich reduziert.»
Früher seien die Wintermonate eine Art Verschnaufpause für Allergiker
gewesen. 

Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) haben allergische Erkrankungen
über die vergangenen Jahrzehnte weltweit stark zugenommen und
stagnierten zurzeit auf einem hohen Niveau. Schätzungen zufolge seien
insgesamt rund 20-30 Millionen Menschen in Deutschland von Allergien
betroffen, wobei das Alter bei Beginn einer Allergie tendenziell
abnehme. «Die Zunahme allergischer Erkrankungen ging mit zeitgleich
stattfindenden Veränderungen in Lebensstil und Umwelt einher», heißt

es in einer RKI-Veröffentlichung zu den Auswirkungen des Klimawandels
auf allergische Erkrankungen in Deutschland aus dem Jahr 2023. Viele
damit verbundene Faktoren konnten mit dem vermehrten Auftreten von
Allergien in Zusammenhang gebracht werden.

Nach Hasel und Esche läuft die Nase weiter 

Nach Hasel und Erle kommen Esche und Birke. Sie seien in der
Belastung stärker als Hasel und Erle. Vor allem das Allergen der
Birke sei sehr stark. Mitte oder Ende April sind die Gräser laut
Endler dran. Im Spätsommer tauchen die Vertreter der Kräuter auf,
Ambrosia und Beifuß. Auch diese Belastung läuft überlappend. 

Pollen sind winzige Blütenstaubpartikel, die von Pflanzen wie Bäumen,
Gräsern und Kräutern produziert werden, um sich fortzupflanzen. Sie
sind eine der Hauptursachen für Heuschnupfen und andere allergische
Reaktionen, da sie bei empfindlichen Personen Symptome wie Niesen,
juckende Augen, eine laufende Nase oder Atembeschwerden auslösen
können.

Was hilft Betroffenen?

Um eine Pollenallergie in den Griff zu bekommen, können Betroffene
etwa Nasensprays, Augentropfen und Tabletten nutzen. An der Ursache
setzt eine Immuntherapie etwa mit Spritzen oder Tabletten
(Hyposensibilisierung) an. Allergiker sollten sich zudem möglichst
wenig den Pollen aussetzen, indem sie Fenster geschlossen halten, vor
dem Schlafengehen die Haare waschen und getragene Kleidung außerhalb
des Schlafzimmers lagern. Auch mechanische Barrieren wie
Pollenschutzgitter an Fenstern können helfen, Pollen aus der Wohnung
fernzuhalten.

Experte warnt vor abschwellenden Nasensprays

Laut Karl-Christian Bergmann, Professor für Atemwegs- und
Lungenkrankheiten an der Berliner Charité und Vorsitzender der
Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, erhalten Allergiker in
der Apotheke sehr gut wirksame und frei verkäufliche Arzneimittel.
Lediglich mit abschwellenden Nasensprays, die auch im Winter gegen
Schnupfen helfen, sollte man vorsichtig sein. Die Gefahr, dass man
sie während des Pollenflugs zu lang einnehme und damit nachhaltig die
Nasenschleimhaut schädige, sei groß.

In jedem Fall rät der Experte allen Betroffenen, den Gang zum Arzt
nicht zu lang aufzuschieben. «Bei jedem dritten Patienten entwickelt
sich aus einem Heuschnupfen ein Asthma, wenn man sich nicht behandeln
lässt», mahnt er.

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