IG Metall-Erhebung: Mehr als 30.000 Jobs werden abgebaut

Das zeigen von der Gewerkschaft zusammengetragene Informationen.
Helfen soll eine Zusammenarbeit mit Regierung und Arbeitgebern.
Letztere reagieren mit Gesprächsbereitschaft und Kritik.

München (dpa/lby) - Die IG Metall warnt vor einem dramatischen
Stellenschwund in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie.
Während bereits laufende oder angekündigte Abbauprogramme zusammen
rund 32.000 Jobs kosten, werden in anderen Betrieben nur 3.000 Jobs
aufgebaut. Das ergab eine Erhebung der Gewerkschaft auf Basis von
Betriebsräten und Unternehmensangaben zu 547 Firmen in Bayern.

Die Zahlen für die gesamte Branche dürften sogar noch etwas höher
sein, sagt der bayerische IG-Metall-Chef Horst Ott. Einerseits liegen
nicht für alle der mehr als 1.000 Firmen im Freistaat Informationen
vor. Zudem flossen nur Abbauprogramme ein, bei denen es bereits
konkrete Zahlen gibt und auch der Abbau von Leiharbeitskräften ist
nicht enthalten.

Insgesamt bauen 41 Prozent der erfassten Betriebe Stellen ab, in
weiteren 9 Prozent sieht die IG Metall das Risiko eines Abbaus. In
der Auto- und Zuliefererindustrie ist die Lage dabei besonders
dramatisch. Hier bauen 54 Prozent Jobs ab - insgesamt 18.000 - in
weiteren 10 Prozent gibt es ein Risiko.

Auch die Gewerkschaft verliert Mitglieder

Der Stellenabbau schlägt auch auf die IG Metall durch. Vergangenes
Jahr ist die Zahl der Beschäftigten in der Metall- und
Elektroindustrie im Freistaat um 2,8 Prozent gesunken, die der
Mitglieder in der Gewerkschaft in Bayern mit 2,9 Prozent annähernd im
gleichen Tempo. Bayernweit sind es derzeit 351.996 Mitglieder. Das
sei schmerzhaft sagt Ott, verweist aber darauf, dass man auch 19.205
neue Mitglieder gewonnen habe.

Angesichts der dramatischen Zahlen zum Jobabbau will Ott auf
Staatsregierung und Arbeitgeber zugehen, um eine gemeinsame
Initiative für Arbeit und Aufschwung zu starten. «Wir brauchen ein
klares Bekenntnis zum Standort Bayern und zur Industrialisierung
neuer Technologien in Bayern», sagt er. «Wir brauchen konkrete
Vereinbarungen, wie wir gezielt die lokale Wertschöpfung mit
Investitionsförderungen stärken können.»

Zudem sei es wichtig, in den schwierigen Zeiten Kurs zu halten. Was
derzeit an Aussagen und Vorschlägen aus Politik und Wirtschaft komme,
trage nicht dazu bei, die Menschen zu beruhigen. Man müsse jetzt
einen gemeinsamen Weg finden.

Kritik an «unverschämter Debatte»

Gleichzeitig kritisiert Ott, dass Arbeitgeberverbände und Union eine
«unverschämte Debatte über faule Beschäftigte und den Sozialstaat
»
angezettelt hätten. «Die Arbeitgeber und die Union überspannen mit
ihrer Kampagne gegen die arbeitende Bevölkerung den Bogen. Diese
dreisten Kahlschlag-Debatten verunsichern die Menschen und bringen
kein Wachstum», sagt er.

Die eigentlichen Baustellen der Industrie und des Staates seien die
Abhängigkeiten von China bei Lieferketten und Rohstoffen, fehlende
lokale Wertschöpfung in Zukunftsbranchen, verschleppte Investitionen
in Infrastruktur, Bildung und Transformation sowie eine ungerechte
Steuerpolitik, kritisiert Ott. Die reichsten Menschen sollten durch
eine gerechtere Erbschaftssteuer oder eine Vermögenssteuer einen
größeren Beitrag leisten. «Und nicht hart schuftende Beschäftigte
durch weniger Rente und selbst bezahlte Zahnarzt-Besuche.»

Auch wenn die aktuellen Herausforderungen groß seien, vor allem in
der Vielfalt der Probleme, könne man jetzt noch gegensteuern, betont
Ott. Und wenn man zurückschaue, sehe man außerdem, dass es schon
schwierigere Zeiten gegeben habe: Im Jahr 2005 seien nach Zahlen der
Arbeitsagentur in Bayern branchenübergreifend auf eine offene Stelle
13 Arbeitslose gekommen. Auch in der Finanzkrise 2009 seien es 8
gewesen. Derzeit seien es dagegen nur 3.

Arbeitgeber «jederzeit bereit zu konstruktiven Gesprächen»

Der Arbeitgeberverband vbm reagierte mit einer Mischung aus
Gesprächsbereitschaft und Kritik. So betonte Hauptgeschäftsführer
Bertram Brossardt: «Wir sind jederzeit bereit zu konstruktiven
Gesprächen.» Die Lage in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie
sei ernst. Entscheidend sei die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit
und Arbeitgeber müssten schwierige Entscheidungen treffen, betont er.
«Der Abbau von Stellen beispielsweise geschieht nie leichtfertig,
sondern mit Blick auf den nachhaltigen Erhalt des Unternehmens.»

Angesichts der schwierigen Gesamtlage bringe es niemandem etwas, alte
spaltende Muster und Feindbilder zu bemühen, betont Brossardt. «Wir
müssen an einem Strang ziehen. Das ist unsere gemeinschaftliche
Verantwortung.» Allerdings wird auch klar, dass sich die
Vorstellungen der Arbeitgeber und der Gewerkschaft nicht decken
dürften, denn Brossardt kritisiert, die Arbeitnehmerseite dürfe
«nicht jede Idee gleich emotional zugespitzt verwerfen».

Zudem bezeichnet die vbm Personalkosten als wesentliche Stellschraube
zur Verbesserung der Situation. Diese seien in den vergangenen zehn
Jahren um 30 Prozent gestiegen. Die Kostenlast habe die Gewinne
schrumpfen lassen. Ein Viertel der Unternehmen in der bayerischen
Metall- und Elektroindustrie hätten 2025 Verluste geschrieben.

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