Appelle, Warnungen und Probleme - KI-Gipfel in Schlussphase Von Jörg Ratzsch und Dirk Godder, dpa

Tech-Größen, Staatspräsidenten und Regierungschefs beraten in Indien

über die Auswirkungen von KI. Bei dem Treffen werden schwierige
Themen behandelt - und auch organisatorisch hakt es etwas.

Neu-Delhi (dpa) - Begleitet von Warnungen vor Gefahren einer
möglichen Superintelligenz und Aufrufen zu verstärkter
internationaler Kooperation geht der KI-Gipfel in Indien in seine
Schlussphase. Das Treffen in der Hauptstadt Neu-Delhi wird auch von
Organisationsproblemen und für Gastgeber Indien unangenehmen
Schlagzeilen begleitet.

UN-Generalsekretär António Guterres mahnte am vierten Gipfeltag mehr
Unterstützung für Entwicklungsländer bei der Zukunftstechnologie an.

Ohne Investitionen würden «viele Länder vom KI-Zeitalter außen vor

bleiben», sagte der Portugiese in der indischen Hauptstadt. Er rief
dazu auf, einen globalen KI-Fonds in Höhe von drei Milliarden Dollar
(etwa 2,54 Milliarden Euro) einzurichten. Das sei weniger als ein
Prozent des Jahresumsatzes von Tech-Unternehmen.

Macron und Modi fordern Zugang zu KI für alle

Neben Guterres waren Indiens Premierminister Narendra Modi und
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Hauptredner des Tages beim AI
Impact Summit - dem ersten KI-Gipfel im Globalen Süden. Sie forderten
in Neu-Delhi, der Einsatz für KI müsse für alle gewährleistet werde
n.
Beraten wurde bei dem Treffen auch über eine gemeinsame Erklärung für

mehr internationale Zusammenarbeit. «Die Entscheidungen, die wir
heute treffen, formen die KI-geprägte Welt, die künftige Generationen
von uns erben», hieß es in einem vorab bekanntgewordenen Entwurf.

Tech-Chefs wetteifern und warnen

Interessant war, was Top-Vertreter großer Tech-Firmen zu sagen
hatten. Interessant deshalb, weil sie sich einerseits einen rasanten
Wettlauf bei der Entwicklung von KI liefern, aber gleichzeitig vor
großen Risiken der Technologie warnen. OpenAI-Chef Sam Altman - zu
seiner Firma gehört ChatGPT - warb erneut für eine weltweite
Aufsichtsbehörde nach dem Vorbild der Atomenergiebehörde (IAEA). Es
sei offensichtlich, dass man dringend Regeln und Sicherheitsmaßnahmen
brauche.

Man sei vielleicht nur ein paar Jahre von frühen Versionen einer
Super-Intelligenz entfernt, warnte Altman. Er wies auf Gefahren und
Ungewissheiten hin: ein Arbeitsmarkt, der durcheinander geraten
dürfte, eine mögliche Super-KI in den Händen von Diktatoren, ein
Missbrauch als Biowaffe mit der Schaffung ganz neuer
Krankheitserreger oder neue Arten von Kriegen. Es müsse eine
gesamtgesellschaftliche Debatte geben, «bevor wir alle überrascht
werden».

Gefahr für die Menschheit?

Auch Anhtropic-Chef Dario Amodei, mit seinem KI-Chatbot Claude großer
Konkurrent Altmans, hatte kürzlich vor möglichen Gefahren gewarnt.
Dahinter stehen Befürchtungen, dass die Technologie, die sich in
immer schnelleren Schritten auch durch ihre Einbindung in die
Programmierung so verbessern könnte, dass daraus in wenigen Jahren
eine KI werden könnte, die sich gegen den Menschen wendet.

Darüber hinaus scheint die Einigkeit zwischen Amodei und Altman
begrenzt: In Neu-Delhi löste eine Szene zwischen den beiden
KI-Rivalen Diskussionen aus. Bei einem Gruppenfoto, das in indischen
Medien veröffentlicht wurde, standen sie nebeneinander, verzichteten
aber darauf, sich wie alle anderen in der Runde an den Händen zu
halten.

Google-Chef betont positive Seiten von KI - Bill Gates sagt ab

Auch Tech-Riese Alphabet (Google) ist mit Konzernchef Sundar Pichai
in Indien vertreten. Er wies in seiner Rede auf die Chancen von KI
hin. Diese könne das Leben von Milliarden Menschen verbessern und
einige der schwierigsten Fragen der Wissenschaft lösen. Pichai nannte
die Suche nach Impfstoffen oder den Kampf gegen
Antibiotika-Resistenzen.

Microsoft-Mitgründer Bill Gates sagte seinen geplanten Auftritt bei
der Konferenz ab. Nach jüngsten Veröffentlichungen von Akten im Fall
des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein verzichtete er auf seine Rede,
um sicherzustellen, dass der Fokus auf den zentralen Prioritäten des
Gipfels läge, wie es auf X von der Gates Foundation in Indien hieß.

Verkehrschaos und Problem-Roboter

Es ist nicht der einzige Aufreger rund um den Gipfel, mit dem
Gastgeber Modi Indien als treibende KI-Macht positionieren will. Das
Gesicht des Premiers lächelt in Neu-Delhi von jedem Gipfel-Plakat.
Organisatorisch ist manchen Gästen nicht zum Lächeln zumute: Normale
Besucher kamen teilweise nicht zum Tagungs- und Ausstellungsgelände
oder mussten kilometerweit laufen, weil Straßen und Tagungsort wegen
Anfahrten und der Anwesenheit Modis und anderer Staatsgäste gesperrt
wurden. 

Journalisten und Delegationen steckten in Staus und Verkehrschaos
fest. Eine kleine Gruppe deutscher Journalisten geriet wegen zu
rasanter Fahrweise in ihrem Shuttleminibus in einen Unfall. Es blieb
beim Blechschaden, niemand wurde verletzt.

Für peinliche Schlagzeilen für den Gastgeber sorgte ein Roboterhund:
Der am Stand einer indischen Universität vorgeführte und angeblich in
Indien entwickelte Roboter namens «Orion» entpuppte sich als eine im
Handel erhältliche Maschine eines chinesischen Herstellers. Die Uni
räumte ihren Stand.

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