Studie: Heime durch mehr Krankenpflege im Nachteil
Ein Gesetz für mehr Pflegerinnen und Pfleger in Krankenhäusern zeigt
Wirkung. Das klingt wie eine gute Nachricht. Doch laut einer neuen
Studie treten ungewollte Nebenwirkungen auf.
Berlin (dpa) - In den deutschen Krankenhäusern gibt es deutlich mehr
Pflegekräfte - laut einer neuen Studie drohen sie in den Altenheimen
mit ihrem wachsenden Bedarf dagegen immer stärker zu fehlen. Die
Entwicklung geht laut der Erhebung des Wissenschaftlichen Instituts
der AOK (WIdO) auf das 2020 eingeführte Pflegebudget zurück. Es
regelt die Finanzierung der Personalkosten in der Pflege. Die AOK
kritisiert die damit verbundenen Kosten und fordert einen
Kostenstopp. Denn trotz gesunkener Patientenzahlen in den Kliniken
sei die Zahl der Pflegekräfte dort stark gewachsen.
Zwischen 2019 und 2024 stieg die Zahl der Vollzeit-Pflegekräfte im
Krankenhaus laut WIdO um mehr als 50.000 auf rund 350.600. Das
durchschnittliche Personalwachstum lag seit Einführung des
Pflegebudgets bei durchschnittlich 3,4 Prozent pro Jahr, davor bei
0,7 Prozent. Das Gesetz habe sein Ziel erreicht, sagte
Studien-Coautor David Scheller-Kreinsen. Allerdings ging der Anstieg
in den Kliniken der Studie zufolge wohl zulasten der Altenpflege.
Mehr Pflegekräfte in Kliniken - Stagnation in Heimen
Die Krankenhäuser stellen immer mehr Altenpflegekräfte ein. Laut der
Studie stieg die Zahl der ausgebildeten Altenpflegekräfte in den
Kliniken von 2019 bis 2023 um das 2,5-fache. Deutlich langsamer
gewachsen sei dagegen die Zahl der Vollkräfte in der Altenpflege:
seit Einführung Pflegebudgets nur noch um durchschnittlich 0,8
Prozent, davor im Jahresschnitt um 2,6 Prozent in Pflegeheimen und
5,4 Prozent in ambulanten Diensten. Einen Zuwachs um 6,7 Prozent gab
es der Studie zufolge bei den Pflegefachkräften in den Kliniken - in
Pflegeheimen sank die Zahl.
«Das Wachstum des Pflegepersonals verteilt sich also zunehmend
ungleich auf die Sektoren», sagte Scheller-Kreinsen. Die Heime hätten
das Nachsehen. Bei Heimen und Pflegediensten gebe es wegen des
Älterwerdens der Gesellschaft mehr Bedarf. Doch das Angebot an
Arbeitskräften sinke. In den Kliniken hingegen gebe es mehr Personal
- doch gar nicht mehr Patientinnen und Patienten. Das AOK-Institut
wirft dem Gesetzgeber «Fehlanreize» vor.
AOK fordert Stopp des Kostenanstiegs
AOK-Bundesverbandschefin Carola Reimann sprach von einer «desaströsen
Bilanz» des Pflegebudgets und forderte von der Regierungskoalition,
den mit den steigenden Klinik-Pflegezahlen verbundenen
Ausgabenanstieg der Krankenkassen mit einer Obergrenze zu stoppen.
Laut AOK stieg das Volumen des Pflegebudgets seit 2020 von 19,4 auf
26,1 Milliarden Euro 2024. Das WIdO warnte vor weiteren
Kostensteigerungen, denn dadurch würden auch die Beiträge weiter nach
oben gehen, so das AOK-Institut.
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